Heftige Kämpfe um Mariupol, Treffen der Kontaktgruppe geplatzt

Laut der ukrainischen Armee griffen die prorussischen Separatisten weiter die strategisch wichtigen Städte Mariupol und Debalzewe an. Erneut wurden mehrere Soldaten getötet, etliche weitere verletzt. Die Städte trennen Russland von einer Landverbindung zur annektierten Krim-Halbinsel. Ein geplantes Treffen der Kontaktgruppe fand offenbar nicht statt.

Ukrainische Soldaten patroullieren im Dorf Orekhovo in der Region Luhansk (28. Jänner 2015).
© REUTERS

Luhansk (Lugansk)/Donezk – Heftige Kämpfe zwischen der Armee und prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben auch am Freitag mehrere Todesopfer gefordert. Neue Gespräche über eine Waffenruhe scheiterten indes nach Angaben der Separatisten.

In Donezk seien am Freitag mindestens zwölf Menschen getötet worden, teilten die Aufständischen der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Freitag mit. Fünf Menschen seien zudem beim Beschuss eines O-Busses in der Rebellenhochburg getötet worden.

Keine genauen Opferzahlen

Die Gesamtzahl der Opfer bei diesen schwersten Gefechten seit Tagen war unklar. Der Sprecher des ukrainischen Generalstabes, Wladislaw Selesnjow, sagte in Kiew, dass innerhalb von 24 Stunden fünf Soldaten getötet mehr als 20 weitere verletzt worden seien. Insgesamt werden demnach rund 400 verletzte Soldaten in Spitälern behandelt. Über Opfer aufseiten der Separatisten gab es zunächst keine Angaben.

Die prorussischen Separatisten hätten Stellungen nahe der strategisch wichtigen Städte Debalzewe und Mariupol mit Mörsergranaten, Grad-Raketen und Artillerie angegriffen, erklärte die Armee am Freitag. Die ukrainischen Truppen hielten ihre Stellungen und erwiderten das Artillerie- und Mörserfeuer.

Ein Anführer der prorussischen Separatisten, Andrej Purgin, sagte Interfax, die ukrainischen Soldaten seien „eingekesselt“ und von Nachschub abgeschnitten. Er bot die Einrichtung eines „humanitären Korridors“ für Soldaten an, die ihre Waffen niederlegten.

Verhandlungen finden offenbar nicht statt

Das in der weißrussischen Hauptstadt Minsk geplant Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe findet nach jüngsten Angaben der Separatisten der nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk (Lugansk) am Freitag nicht statt. Die Vertreter aus Kiew hätten eine Teilnahme an den Verhandlungen in Minsk abgesagt, teilte der Separatistenanführer Denis Puschilin Interfax am Freitag mit.

Das weißrussische Außenministerium teilte indes mit, dass es keine Gespräche zwischen den Konfliktparteien geben werde. Die Vertreter aus Donezk und Luhansk kündigten ihre Abreise aus Minsk an. Das Außenministerium in Kiew hatte zuvor mitgeteilt, dass noch über den Zeitpunkt eines Treffens verhandelt werde – demnach entweder noch am Freitag oder erst an diesem Samstag.

Unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hätten Gespräche zwischen Vertretern aus Kiew und den Separatisten stattfinden sollen. Diese wollen erreichen, dass die ukrainische Regierung die Wirtschaftsblockade des abtrünnigen Gebiets beendet. Gesprochen werden sollte zudem über eine Feuerpause. Auch Russland ist in der Kontaktgruppe vertreten, jedoch nach eigenen Angaben als unabhängiger Beobachter.

Zuletzt waren immer wieder Pläne für Krisentreffen in Minsk gescheitert. Die Kontaktgruppe hatte dort am 24. Dezember den Austausch von Gefangenen beschlossen. Ein bereits im September vereinbarter Friedensplan ist allerdings bis heute nicht umgesetzt worden.

Moskau will Armee aufrüsten

Moskau kündigte unterdessen als Reaktion auf die geänderte Sicherheitslage eine Truppenverstärkung in strategisch wichtigen Regionen des Landes an. Auslöser für diese Pläne sei die militärische und politische Situation rund um Russland, zitierte die amtliche russische Nachrichtenagentur Tass am Freitag Aussagen des Verteidigungsministers Sergej Schoigu.

Er werde nicht zulassen, dass irgendjemand militärisch die Oberhand über sein Land gewinne. Daher werde er die russischen Streitkräfte trotz der aktuellen wirtschaftlichen Probleme wie geplant aufrüsten und dafür sorgen, dass sie bis 2020 über die beabsichtigte Zahl moderner Waffensysteme verfügten.

Zuletzt sorgte der Raketenbeschuss der Hafenstadt Mariupol mit mindestens 30 Toten international für Aufregung. Daraufhin beschlossen am Donnerstag die EU-Außenminister in Brüssel, wegen des Konflikts verhängte Sanktionen gegen Verantwortliche in der Ostukraine und in Russland bis September zu verlängern. Dies betrifft Reise- und Vermögenssperren gegen 132 Russen und Ukrainer sowie 28 Unternehmen und Organisationen. Auch die USA drohten Russland weitere Sanktionen an. (tt.com/APA/dpa/Reuters)


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