Wintertagung - Konsumenten sehen Landwirtschaft sehr differenziert

Wien (APA) - Das Bild der Landwirtschaft bei den Österreichern ist am Abschlusstag der Wintertagung 2015 des Ökosozialen Forums am Freitag g...

Wien (APA) - Das Bild der Landwirtschaft bei den Österreichern ist am Abschlusstag der Wintertagung 2015 des Ökosozialen Forums am Freitag großes Thema gewesen. Eine aktuelle qualitative Untersuchung ergibt, dass Landwirtschaft in größtem Maß mit Lebensmittelproduktion gleichgesetzt wird. Die Werbung wird als sehr unglaubwürdig angesehen, während sie zeitgleich als wirksam eingeschätzt wird.

Insgesamt ist das Bild der Landwirtschaft sehr differenziert. Gerne hätte man es praktisch romantisch, die Realität schaue aber anders aus. Die Arbeitssituation der Bauern wird als schwierig angesehen. Harte Arbeit, Vorschriften und ein hoher Technisierungsgrad werden geortet. Kaum jemand möchte selbst Bauer sein, die Befragten sind sich nicht sicher, ob man von der Landwirtschaft leben kann. Die qualitative Untersuchung fand auf Basis von jeweils zweistündigen Diskussionen bzw. Interviews mit 26 Frauen und 24 Männern aus fünf Fokusgruppen aufgeteilt auf Stad- und Land aus verschiedenen Altersstufen statt.

Ambivalent ist demnach der Wunsch nach mehr Infos über die Lebensmittelproduktion. Hier ist den Befragten aber nicht klar, welchen Informationen sie vertrauen können. Auch die verschiedenen Gütesiegel - das A-Gütesiegel kannten 100 Prozent der genannten - genießen „kein großes Vertrauen, das Misstrauen ist recht hoch ausgeprägt“. Trotzdem spielt beim Einkauf von Lebensmitteln vor allem der Preis eine Rolle. Ältere bevorzugen regionale und saisonale Produkte, Jüngere setzen stärker auf Bio- und Fairtrade-Waren. Aber auch bei Bio-Produkten gibt es Misstrauen.

Die Lobby der Bauern wird sehr stark eingeschätzt. Trotzdem wird ein Aussterben der Bauern und ein Abwandern in die Stadt vom Land geortet. Das Thema Subventionen wurde von keinem der Befragten aus eigenen Stücken genannt. Eine „Gier der Bauern“ wird als Klischee abgetan; das „Jammern“ wird aber großteils als „typisch“ angesehen.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Beim Begriff Landwirtschaft denken die Leute als erstes an Bauern, Tierhaltung, Felder, Getreide, die Farbe Grün, Kühe, Landschaftspflege - gar nicht so weit hinten kommt auch Raiffeisen vor. Beim Thema Lebensmittelproduktion ist der Hauptbegriff Bio, gefolgt von Mais, Käse, Milch, Fleisch - aber auch Massentierhaltung. Auffällig ist laut Studienautorin Julia Wippersberg, Science- und Research-Chefin bei der APA, dass das Schlagwort Gentechnik von niemandem genannt wurde.

Unter anderem Martina Hörmer, Eigenmarkenchefin beim Rewe-International-Konzern, und Global-2000-Geschäftsführerin Leonore Gewessler diskutierten vor zahlreichen Gästen in der Technischen Universität in Wien die Ergebnisse der qualitativen Untersuchung. Hörmer sagte, die Ergebnisse der qualitativen Befragung „decken sich stark mit unseren Forschungen“. Es gebe ein „Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen einer gewissen Sehnsucht nach Romantik und der technischen, wissenschaftlichen Seite. Die Produktion und die gesamte Wertschöpfungskette sind so komplex und undurchschaubar, dass sich die Leute nach Einfachheit sehnen, nach Klarheit und Orientierung“.

In der Kommunikation, also Werbung, sei es aber „normal zu überzeichnen“ und pointierte Botschaften zu senden. „Zielgruppen müssen erreicht werden“, so die Rewe-Vertreterin. Das umstrittene sprechende Schweinderl in der Werbung sei „Symbol für die biologische Landwirtschaft“ und komme gut an.

Dem „Realitätsgehalt des Schweinderls“ widersprach Gewessler von der Umweltschutzorganisation Global 2000. „Wir wollen ein realistisches Bild der Landwirtschaft, nicht wegen der Skandale, sondern weil wir das Ziel haben, Bewusstsein zu schaffen, dass hochwertige Lebensmittel, die ökologisch sinnvoll produziert werden, ihren Preis haben müssen.“ Eine Diskussion über Landwirtschaft sei nur möglich, wenn diese „ehrlich“ erfolge und in der Ganzheit der Lebensmittelproduktion. Global 2000 bemühe sich in seiner Arbeit, die ökologischen Auswirkungen der landwirtschaftlichen Produktion zu zeichnen - was eine gemeinsame Aufgabe der Bauernschaft, der NGO und des Handels sei.

Es gebe auch in Österreich gerade in der Fleischproduktion noch Luft nach oben, so Gewessler. Darauf werde man weiter hinweisen, im Wortsinn „der Stachel im Fleisch“ der Agrarier und des Handels sein.

~ WEB http://www.rewe-group.at ~ APA176 2015-01-30/10:55


Kommentieren