Zum Arbeiten nach Afrika - Spanier suchen in Marokko ihr Glück

Rabat/Madrid (APA/dpa) - Nur eine 14 Kilometer breite Meeresstraße trennt Spanien von Marokko, Nordafrika von Europa. Von der Wirtschaftskri...

Rabat/Madrid (APA/dpa) - Nur eine 14 Kilometer breite Meeresstraße trennt Spanien von Marokko, Nordafrika von Europa. Von der Wirtschaftskrise in ihrem Land gebeutelte Spanier pendeln zunehmend zwischen beiden Kontinenten. Sie exportieren günstige Ware, arbeiten in Callcentern oder auf den Baustellen des aufstrebenden Standorts im Maghreb. Einige verlassen schließlich ihre europäische Heimat ganz.

Mehr als 10.000 Spanier leben heute offiziell in Marokko. Weitere 5.000 arbeiten nach Einschätzung des Arbeitsministeriums illegal im nordafrikanischen „Eldorado“. Wenn sie keine Aufenthaltserlaubnis bekommen, kehren sie in ihre Heimat zurück, um sofort wieder nach Marokko zu reisen und ohne offizielle Papiere weiterzuarbeiten.

Eine andere Sorte spanischer Besucher ist auf den Straßen der berühmten Hafenstadt Tanger zu sehen. Sie reisen regelmäßig an, um die Märkte nach günstigen Waren abzusuchen, die sie in Südspanien wieder verkaufen können. „Wir kommen ein bis zweimal im Monat hierher“, sagt ein spanisches Paar, das eigens aus Granada kommt. „Wir kaufen Kleider und Haushaltswaren, die in Marokko nicht besonders teuer sind, und verkaufen sie später wieder in Spanien. Wir werden dadurch nicht zu Millionären, aber wir können immerhin unsere Rechnungen bezahlen.“

Spanien hat derzeit die höchste Arbeitslosenquote in Westeuropa: Sie liegt bei 23,7 Prozent. Marokkos Arbeitsmarkt wird somit trotz niedriger Löhne zur ernst zu nehmenden Alternative.

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Sehr gute politische Beziehungen zwischen Spanien und Marokko sind dabei hilfreich. Während es zwischen Paris und Rabat seit einigen Monaten Spannungen gibt - die Marokkaner argwöhnen, dass die Franzosen sich mehr Algerien zuwenden - wird Spanien als „fast der einzige Freund Marokkos“ gesehen, wie kürzlich eine Madrider Zeitung titelte. Auch der Handel zwischen Spanien und Marokko hat sich in den vergangenen Jahren sehr rasant entwickelt.

Darüber hinaus braucht das afrikanische Land für seine aktuellen Großprojekte - wie Hochgeschwindigkeitszüge, Autobahnen oder Urlaubsanlagen - qualifizierte Arbeitskräfte. Auf Baustellen sieht man derzeit auch spanische Arbeiter: Maurer, Maler oder Schlosser.

Unter ihnen ist Martin Sierra, der in Tanger arbeitet. „Meine Kinder sind in Spanien geblieben, jeden Monat reise ich dort hin, um sie zu sehen“, erzählt er. Der Arbeiter ist an zwei verschiedenen Baustellen beschäftigt, verdient weniger als einst in Spanien. „Aber ich habe keine Wahl mehr. Zuhause bin ich arbeitslos.“

Die Einreise nach Marokko ist für die spanischen Gastarbeiter leicht. Sie brauchen kein Visum und die Überfahrt mit der Fähre kostet nicht mehr als 50 Euro. Salvador Martinez pendelt inzwischen nicht mehr. Er ist in Marokko sesshaft geworden und hat sich in Tetouan 60 Kilometer östlich von Tanger als Schlosser selbstständig gemacht.

Wenn er seine Kunden empfängt, trägt er gerne ein traditionelles marokkanisches Gewand, die Djellaba. Einer seiner Stammkunden ist der Unternehmer El Haj Aissa: „Ich komme zu Salvador weil er gute Arbeit leistet, aber auch weil er Spanier ist. Ich möchte ihm gerne zeigen, dass wir ein gastfreundliches Land sind“, sagt er.

Probleme mit der Verständigung haben die spanischen Krisenflüchtlinge im Norden Marokkos nicht. Da diese Region einst von den Spaniern besetzt war, sprechen bis heute noch viele Bewohner Spanisch. Die marokkanische Regierung ist den neuen Gastarbeitern gegenüber wohlgesonnen und hat vor einem Jahr damit begonnen, deren Einwanderung besser zu regulieren. Diese Art der Migration sei nicht zwangsläufig schlecht für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt oder den Staatshaushalt, heißt es im zuständigen Ministerium in Rabat. Marokko sehe sie als Lösung und nicht als Problem.


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