Unruhen in Bahrain erreichen einen neuen Höhepunkt

Manama/Riad/Teheran (APA) - Der Stellvertreterkrieg zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran um die Vorherrschaft i...

Manama/Riad/Teheran (APA) - Der Stellvertreterkrieg zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran um die Vorherrschaft in der Region erreicht in Bahrain einen neuen Höhepunkt. Die schiitische Bevölkerungsmehrheit dient hierbei als Spielball. Seit Oppositionsführer Scheich Ali Salman verhaftet wurde, stehen die Zeichen auf Konfrontation. Am Freitag kam es laut Augenzeugen wieder zu Demonstrationen.

Wöchentliche Proteste und Verhaftungen stehen auf der Tagesordnung. Der schiitische Geistliche Ali Salman wurde verhaftet, weil er die Wahlen im November boykottiert hatte. Regiert wird das Königreich, das 33 Inseln umfasst, von der sunnitischen Herrscherfamilie Al-Khalifa. Bahrain liegt somit geografisch und politisch strategisch wichtig. Die Nähe zur wichtigen Handelsstraße, der Meerenge von Hormuz, und der Ölreichtum werten diesen Status zusätzlich auf.

Westliche Medien nehmen kaum Notiz davon, was sich im reichen Inselstaat Bahrain abspielt. Über Ausschreitungen zwischen Schiiten und Sunniten wie die aktuelle wird eher nur berichtet, wenn sie rund um Formel-1-Rennen stattfinden. Die Königsfamilie, die von Teheran spöttisch „verlängerter Arm Riads“ genannt wird, ignoriert die Forderungen der Schiiten.

Die öffentlich zugelassenen und akzeptierten Medien des Landes führen allesamt Institutionen, die den Saudis genehm sind. Oppositionelle Journalisten leben gefährlich. Viele von ihnen sind als Regimegegner in Haft, darunter auch junge Blogger.

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Ein weiteres Problem für den Inselstaat ist das Erstarken der extremistischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Noch versucht die Herrscherfamilie dies unter den Tisch zu kehren. Doch sie kommt immer mehr in Bedrängnis, seit auch bahrainische Soldaten als IS-Kämpfer entlarvt wurden.

Riad hat andere Sorgen und will nur, dass die Schiiten in der Region - und damit der iranische Einfluss - nicht zu mächtig werden. Hinzu kommt, dass die östliche Ölregion Saudi-Arabiens von Schiiten dominiert wird und an Bahrain grenzt, was die Sorge der Saudis vor einem schiitischen Bahrain noch zusätzlich schürt. Deswegen wirft man dem Iran bei jedem Aufflammen von Protesten, wie im November, Einmischung vor.

Sogar von US-Warnungen, man solle den Oppositionsführer freilassen, ließ sich die sunnitische Elite nicht beeindrucken. Denn sie sitzt nicht nur an den Hebeln der Macht, sondern verwaltet auch die lukrativen Öleinnahmen.

Leidtragende des Konflikts sind die Zivilisten. Anders als in Syrien und im Irak schauen die westlichen Staaten bei den täglichen Menschenrechtsverletzungen, der Frauenunterdrückung und den Folterungen dezent weg. Saudi-Arabien ist zufrieden, solange die Ölquellen in der Hand Bahrains bleiben, und auch die USA haben kein Interesse an einem Regimewechsel. Beobachter fürchten, dass das Pulverfass Naher und Mittlerer Osten durch aktuelle Konfliktherde und den Vormarsch der IS in Syrien, im Libanon, im Irak, im Jemen und in Bahrain endgültig explodieren könnte.


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