Lust auf magische Momente?

Kunst-im-öffentlichen-Raum als charmante „Love Sequence“ von Wolfgang Tragseiler mitten auf der Maria-Theresien-Straße.

Kunst im öffentlichen Raum: Wolfgang Tragseilers Installation „Love Sequenz“ sorgt für betont filmische Atmosphäre.
© Daniel Jarosch

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Ist die Maria-Theresien-Straße derzeit vielleicht der Drehort für einen Film, wie die vier großen Scheinwerfer vermuten lassen, die hier in sechs Metern Höhe aufgebaut sind. Vielleicht für einen Liebesfilm, wie die in regelmäßigen Abständen dramatisch anschwellende Musik des Münchners Tom Brüssel vermuten lässt, wie wir sie aus diversen Schnulzen kennen, um den alles entscheidenden Moment des ersten Kusses dramatisch zu untermalen.

love sequences. Bis 10. Februar, 15–22 Uhr, Maria-Theresien-Straße, Innsbruck; Präsentation von Wolfang Tragseilers Intervention am Mittwoch, 17.30 Uhr, vor der Tyrolia.

Dass hier nur Film gespielt wird, merkt der Flaneur allerdings sehr bald. Wenn er sieht, dass die „Schauspieler“ nach Zufallsgenerator mittels einer hoch im Giebel des Tyrolia-Hauses angebrachten Kamera ausgewählt werden. Einer, wenn er links unter den Scheinwerfern durchgeht, ein anderer oder auch zwei oder mehrere rechts. Um jeweils von den schwenkbaren Lichtkegeln „verfolgt“ zu werden, wobei der hintere dem „Verfolgten“ die magische Aura eines Heiligenscheins verleiht.

Der Idealfall wäre, wenn sich zwei der Ausgewählten in der Mitte treffen und spontan um den Hals fallen würden. Die Wirklichkeit schaut natürlich anders aus. So manche der rasch Vorbeieilenden bemerken weder Licht noch Ton, andere fühlen sich irgendwie irritiert, bleiben stehen, schauen, staunen, gehen weiter, kommen teilweise wieder zurück. Wirkliche Interaktionen passieren dagegen nur selten, Liebesszenen praktisch nie.

„Love Sequence“ ist schließlich auch ein vom Land Tirol gefördertes, durch eine Reihe von Sponsoren ermöglichtes „Kunst im öffentlichen Raum“-Projekt. Sein Erfinder ist der aus Rinn stammend­e, über das Studiu­m an der Kunstuniversität Linz in Wien gelandete Medienkünstle­r und Performer Wolfgang Tragseiler.

Mit dem Ziel, durch seine Installation den Innsbruckern „magische Momente“ zu bereiten. Die er dem Genre des Liebesfilms abgekupfert hat. Aber anstatt wie beim Sehen eines solchen romantische Gefühle nur passiv zu konsumieren, wird der Passant hier mehr oder weniger unfreiwillig zum Akteur. Was er zulässt bzw. nicht, liegt ganz in seiner Hand. Nicht jedoch die Tatsache, von einem Scheinwerfer ausgesucht und ins Licht gestellt zu werden. Ein irgendwie abturnender Gedanke, lässt hier doch eindeutig Big Brother grüßen. Romantische Musik hin oder her. Erinnert, dass die Überwachung allgegenwärtig ist, wenn auch mit sehr viel augenzwinkerndem Charme.


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