Mozartwoche Salzburg - Uchidas Tastenzauberei und ein Blümchen-Mozart

Salzburg (APA) - Seit vergangenem Dienstag, dem 259. Geburtstag von Mozart, ist Mitsuko Uchida Trägerin der Goldenen Mozart-Medaille der Sti...

Salzburg (APA) - Seit vergangenem Dienstag, dem 259. Geburtstag von Mozart, ist Mitsuko Uchida Trägerin der Goldenen Mozart-Medaille der Stiftung Mozarteum. Und das „Adagio in h-Moll“ KV 540, mit dem die 66-jährige Pianistin heute, Freitag, die Matinee der Mozartwoche eröffnete, hat einmal mehr deutlich gemacht, dass Mozarts Klaviermusik zurzeit schöner kaum vorstellbar ist. Grandioser Zauber an den Tasten.

Das Publikum im Großen Saal des Mozarteums war kaum zu halten, obwohl dieses relativ späte Solo-Werk Mozarts alles andere ist als ein reißerisches Stück: Harmonisch bis an die Grenze des damals denkbaren ausgereizt, ist das h-Moll-Adagio ein ebenso abgründig-kontrastreiches wie innig-zartes Stück. Und Mitsuko Uchida schien sich einzuklinken in Mozarts einsamen Kosmos und die Musik wie absichtslos fließen zulassen. In außergewöhnlich elastischen Tempi und makelloser Technik klang jede einzelne Note plastisch nachvollziehbar. Zudem formte Uchida den großen Bogen der kompositorischen Gestalt mit wunderbar kontrolliertem Anschlag. Struktur, motivische Vielfalt und emotionale Intensität in Überfülle - all das erblühte in dieser herausragenden Interpretation.

Förmlich abgestürzt ist das Konzert dann mit dem „Trio in E-Dur“ für Klavier, Violine und Violoncello KV 542. Dieses wohl nicht ganz zu Unrecht wenig bekannte Trio plätscherte recht sauber und artig dahin. Weder Geigerin Veronika Eberle noch Cellistin Marie-Elisabeth Hecker packten zu und markierten die Eckpunkte der Komposition. Das von Uchida gelenkte Damen-Trio präsentierte einen fad-dezenten „Blümchen-Mozart“, in dem einzig die mädchenhaften Qualitäten der jungen Musikerinnen zur Geltung kamen.

Mit ihrem „Trio in B-Dur“ D 898 von Franz Schubert straften Uchida, Eberle und Hecker diese Bemerkung aber Lügen. Nach kurzen rhythmischen Startschwierigkeiten schwangen sich die drei Instrumentalistinnen im Laufe dieses symphonisch-breit angelegten Kammermusikwerkes in vier Sätzen zu immer größerer Intensität auf. Die Energie begann zu pulsieren, die Akzente griffen zunehmend bissig, der Bogendruck nahm zu, die Striche wurden länger und entschlossener. Der Wille zu Gestaltung und Ausdruck verdrängte das zurückhaltende musikalische Sicherheitsdenken. Endlich wieder kraftvolles Strahlen statt blasser Farben. Und trotz der extraordinären Länge des B-Dur Trios von knapp 50 Minuten behielten die Musikerinnen die Spannung und setzen im allerletzten Schlusspresto energetisch sogar noch eines drauf. Alles in allem: Ein sehr gutes, durchaus weibliches Konzert, in dem mit unterschiedlicher Intensität variantenreich Gefühl vermittelt wurde. Großer Applaus des Publikums für alle drei.


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