Wolfsburg beendet Bayern-Serie: Hauch von Hoffnung auf Titelspannung

Nach 21 Spielen muss der FC Bayern wieder eine Bundesliga-Niederlage einstecken. Zum Rückrundenauftakt zeigt der Tabellenzweite Wolfsburg beim 4:1, wie die Münchner zu packen sind. Große Spannung im Titelkampf wird es aber dennoch nicht geben, meint der deutsche Bundestrainer Joachim Löw.

Freude bei Wolfsburg-Spielern
© DPA

Von Michael Rossmann und Carsten Lappe, dpa

Wolfsburg - Von wegen unschlagbare Bayern:Mit einer taktischen Meisterleistung und einem Kevin De Bruyne in Weltklasseform hat der VfL Wolfsburg gleich zum Auftakt der deutschen Bundesliga-Rückrunde gegen den FCBayern München ein starkes Zeichen gesetzt. Durch das 4:1 (2:0) am Freitagabend beendeten die Niedersachsen in einem spektakulären Spitzenspiel die Serie von 21 Spielen ohne Niederlage des deutschen Fußball-Rekordmeisters in der Bundesliga. Bas Dost (4./45.+2 Minute) und der überragende De Bruyne (53./73.) trafen für Wolfsburg. Juan Bernat (55.) konnte für die Bayern nur zwischenzeitlich verkürzen. In einem Spiel kassierte die München so viele Gegentore wie in der gesamten Hinrunde. Der Rückstand der Wolfsburger schmolz auf acht Zähler.

Wolfsburg verteidigte clever

An ein Straucheln der Bayern in den kommenden Wochen und mehr Spannung im Titelrennen glaubt zumindest der Bundestrainer aber nicht:„Nein, ganz ehrlich nicht. Bei allem Respekt für Wolfsburg oder die anderen Teams. Die Bayern werden sich das nicht mehr nehmen lassen“, sagte Joachim Löw schon im Halbzeit-Interview der ARD.

Die Momente vor dem Anpfiff waren emotional. Mit einer Minute Applaus gedachten die am Mittelkreis versammelten Spieler des am 10. Januar bei einem Autounfall tödlich verunglückten VfL-Profis Junior Malanda. Die Fans hatten ein Transparent entrollt mit der Aufschrift: „Für immer in unseren Herzen“. Alle Spekulationen über ein durch die Tragödie ausgelöstes mentales Problem der Wolfsburger hatten sich schnell erledigt. Blitzschnell konterten die Niedersachsen nach 180 Sekunden die Bayern aus. Den letzten Pass von De Bruyne verwerte Dost zur schnellen Führung.

Diesen Knalleffekt zum Auftakt dürfte auch André Schürrle mit (Vor)freude betrachtet haben. Der Transfer des Weltmeisters vom FC Chelsea hängt noch von einigen wirtschaftlichen Fragen ab, sagte VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs vor dem Spiel bei Sky. Der frühe Rückstand brachte die Bayern aus dem Konzept. Mehr Ballbesitz und bessere Zweikampfwerte waren wertlos, denn Wolfsburg verteidigte zu clever. Und spielte unglaublich schnell nach vorne. Maximilian Arnold hätten nach Flanke von De Bruyne (26.) schon erhöhen können.

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Guardiola stellte Abwehr um

Die Bayern wirkten erst verblüfft und reagierten dann teilweise zornig. Xabi Alonso sah nach einem Schubser gegen Arnold (43.) nur Gelb. Chancen hatten die Münchner nur bei einem Kopfball von Bastian Schweinsteiger (14.) und einem Flachschuss von David Alaba (29.). In der Nachspielzeit erhöhte Dost mit einem Außenrist-Schuss in den Winkel auf 2:0. In einer Halbzeit hatten die Münchner halb so viele Tore kassiert wie in der gesamten Hinrunde. Dass es in der zweiten Halbzeit nochmal so viele werden sollten, hätten wohl selbst die Wolfsburger nicht für möglich gehalten.

„Für ihn ist das sicher auch ein wenig verwunderlich“, sagte Löw im ARD-Interview in der Halbzeit über diese Situation für Nationaltorwart Manuel Neuer. „Die Bayern haben nicht den Rhythmus gefunden“, kommentierte der Bundestrainer bei Sky: „Wolfsburg nutzt die Ballverluste der Bayern.“ Bayern-Trainer Pep Guardiola stellte die schwächelnde Abwehr um, beorderte Alaba auf die Linksverteidiger-Position und brachte Mitchell Weiser für den überforderten Sebastian Rode. Aber es half nichts: Schon kurz nach der Pause schlug De Bruyne mit einem Superkonter wieder zu.

Ein Bayern-Debakel wie beim 1:5 in der VfL-Meistersaison 2009 schien nun tatsächlich möglich. Doch die Bayern wehrten sich energisch. Bernat mit seinem ersten Bundesliga-Tor nach einem Patzer von Naldo sorgte erstmal für ein bisschen Restspannung in einem nun wild geführten Spiel mit Offensivaktionen auf beiden Seiten. Arnold (56.) hätte für Wolfsburg aus kurzer Distanz Tor Nummer vier schießen müssen. VfL-Torwart Diego Benaglio parierte einen Freistoß von Arjen Robben (71.). Dann tanzte De Bruyne Dante aus und vollendete mit links zum 4:1.


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