Militärexperte Feichtinger sieht noch keine Wende im Kampf gegen IS

Wien (APA) - Nach der Rückeroberung der nordsyrischen Stadt Kobane durch kurdische Kämpfer aus der Hand der Terrormiliz IS sieht Brigadier W...

Wien (APA) - Nach der Rückeroberung der nordsyrischen Stadt Kobane durch kurdische Kämpfer aus der Hand der Terrormiliz IS sieht Brigadier Walter Feichtinger, Leiter des „Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement“ an der österreichischen Landesverteidigungsakademie, noch keine Wende im Kampf gegen die Jihadisten.

Dass die Extremisten die nordsyrische Grenzstadt verloren haben, sei zwar „von großer Symbolkraft und für die Moral der Truppe ein Rückschlag“, meinte der Militärexperte im Gespräch mit der Tageszeitung „Kurier“ (Sonntagsausgabe). Doch sei Kobane ein Sonderfall. Motivierte und strategisch gut geführte Bodentruppen hätten in Allianz mit US-geführten Bombardements zu diesem Erfolg geführt. „Doch diese Konstellation sehe ich anderswo kaum“, analysierte Feichtinger.

Am ehesten könnte die zweitgrößte irakische Stadt, Mossul, die IS-Kämpfer im Vorjahr handstreichartig an sich rissen, ins Wanken geraten. „Mossul wäre sehr interessant für die Kurden, es würde ihren Machtbereich deutlich ausweiten, doch auch die irakische Armee will die Stadt zurückerobern“, so der Militärexperte. Er geht nicht davon aus, dass dieses Vorhaben einer Gruppe allein gelingen könnte - zumal der IS sehr lange Zeit gehabt habe, sich auf eine Gegenoffensive vorzubereiten. Den baldigen Beginn einer Operation „Free Mossul“ sieht der Brigadier nicht.

Sie wäre ungleich verlustreicher als die Schlacht um Kobane. In dieser ließen mehr als 1.000 Jihadisten ihr Leben, zudem 460 kurdische Kämpfer sowie Dutzende Zivilisten. Vor diesem Hintergrund könnte es sich auch um einen taktischen Rückzug der „Gotteskrieger“ gehandelt haben, meinte Feichtinger. „Sie haben professionelle Militärplaner. Weitere Kräfte zu opfern, wäre unklug, wenn man sie anderswo braucht“, erläuterte der Offizier.

Die USA kalkulieren drei Jahre, bis die irakischen Verbände neu aufgestellt sind und als schlagkräftige Truppe dem IS die Stirn bieten können. Feichtinger ist skeptisch, ob das gelingen kann. „Zumindest ebenso wichtig wäre es, die sunnitischen Stämme, die sich teilweise mit dem IS verbündet haben, zu gewinnen. Das hätte einen doppelten Effekt: Der IS würde geschwächt und die Anti-Terror-Allianz durch kampferprobte Männer gestärkt.“ Aber, so der Brigadier, „der Konflikt wird uns noch lange beschäftigen“.


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