20 Jahre Nürnberger Papiertheater: Spiel mit Schere, Licht und Farbe

Nürnberg (APA/dpa) - Wenn Johannes Volkmann mit seiner Bühne auf Tournee geht, dann reicht meist kleines Gepäck. Denn was er braucht, um sei...

Nürnberg (APA/dpa) - Wenn Johannes Volkmann mit seiner Bühne auf Tournee geht, dann reicht meist kleines Gepäck. Denn was er braucht, um sein Publikum zu begeistern, passt in eine normale Reisetasche. Den Rest, eine etwas größere Papierrolle, klemmt er sich einfach unter den Arm. Der 46-jährige gebürtige Oberbayer ist künstlerischer Leiter des Nürnberger Papiertheaters, das am Donnerstag 20-jähriges Bestehen feiert.

Ein Besuch von Volkmanns Vorstellungen bedeutet für den Theaterbegeisterten eine radikale Abkehr von bisherigen Sehgewohnheiten. Statt des klassischen Guckkastens besteht Volkmanns Bühne aus einer aufgespannten zweimal vier Meter großen Papierwand. Die Akteure sind Schere, Licht, Schatten, Farbe, Tanz und Musik - kreativ beseelt von Volkmann und seinen wechselnden Mitspielern. Die meisten seiner in den vergangenen 20 Jahre entstandenen 16 Inszenierungen kommen ohne Worte aus.

Vielmehr nutzt Volkmann die „theatralen Möglichkeiten“ des vermeintlich simplen Materials Papier. Dramatisch durchsticht die Schere anfangs das papierene Weiß und lässt dann Schnitt für Schnitt Bilder vor den Zuschaueraugen entstehen. In Volkmanns Theaterwelt wird geschnitten, gerissen, geknickt, gefaltet und gemalt. Meist ergänzen Licht, Schatten- und Farbenspiele die Geschichten. Mitspielende Musiker erscheinen auf der Papierwand als Schattenrisse.

Bis heute ist das Papiertheater ein Theater im Koffer. Da Volkmann keine eigene Spielstätte hat, ist er Reisender in Sachen Bühnenkunst. Ob in Schulen oder Mehrzwecksälen, Kleinkunstbühnen oder Museen - Volkmann fühlt sich in vielen Häusern zu Hause. Aber vor allem im Ausland ist Volkmann mit seinem Papiertheater häufig unterwegs. Auf Einladung des Goethe-Instituts hat der fränkische Bühnenkünstler fast die ganze Welt bereist.

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Der Grund dafür liegt für Volkmann auf der Hand: „Wir haben eine universelle Sprache. Was wir aus Papier herausgestalten, wird überall auf der Welt verstanden.“ Allerdings, so räumt Volkmann ein, haben seine vielen Auslandsengagements wohl auch ganz praktische Gründe: Sein Theater ist ohne große Kosten und komplizierte Logistik weltweit zu engagieren.

Von der Einzigartigkeit von Volkmanns Papiertheater innerhalb der Figurentheaterszene ist man auch beim Goethe-Institut überzeugt. „Es gibt keine andere Figurentheatergruppe, die in dieser Art spielt. Herr Volkmann wählt einen Mittelweg zwischen künstlerischer Installation und Figurentheater - mal abstrakter, mal mit konkreteren Geschichten“, erläutert der Figurentheater-Experte Thomas Stumpp.

Volkmanns Nähe zur Bildenden Kunst kommt nicht von ungefähr. Als ausgebildeter Holzbildhauer begeisterte er sich schon früh für die „sozialen Plastiken“ von Josef Beuys. So hatte er neben seinem Papiertheater in den vergangenen Jahren mit seiner Kunstaktion „Unbezahlbar“ international für Aufsehen gesorgt. Monatelang war er nach der Finanzkrise mit einer weißverpackten Tafel durch Europa gezogen, um eine Diskussion über den Stellenwert des Geldes anzuzetteln. Seinen Weg zum Papiertheater fand er bei der Hochzeitsfeier eines Freundes: Als er dabei mit dieser Form experimentierte, stellte er fest: „Da steckt ja ein ganzes Universum drin“.

Volkmann will das Jubiläum seines Papiertheaters vor allem dazu nutzen, um die Produktionen der letzten Jahre einmal gebündelt zu präsentieren. Vom 5. bis zum 9. Februar stellt Volkmann, der auch den Verlag „Erlesene Bücher“ betreibt, im Nürnberger Künstlerhaus unter anderem die Stücke „Die Kugelmenschen“, „Verflixt und zugenäht“, das Märchen „Hans im Glück“ sowie seine neueste, auch für Taubstumme geeignete Produktion „Unerhört“ vor. Danach führt Volkmann eine Tournee durch Bayern. Auftritte sind unter anderem in München, Straubing, Murnau, Augsburg und Ansbach geplant.

(S E R V I C E - www.daspapiertheater.de)


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