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62-Jähriger „kaufte“ sechs Wohnungen ohne Geld: Prozess in Salzburg

Salzburg (APA) - Ein 62-Jähriger ist am Montag in Salzburg wegen gewerbsmäßig schweren Betruges vor einem Schöffengericht gestanden. Er soll...

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Salzburg (APA) - Ein 62-Jähriger ist am Montag in Salzburg wegen gewerbsmäßig schweren Betruges vor einem Schöffengericht gestanden. Er soll 2013 sechs Wohnungen von einem Liegenschaftsverwerter gekauft, diese aber nicht bezahlt haben. Der Beschuldigte soll einer Familie dann rund 54.000 Euro an Ratenzahlung für den Weiterverkauf einer Wohnung abgeknöpft haben. Der Mann zeigte sich bei dem Prozess geständig.

Laut Anklage versicherte der beschuldigte Frühpensionist der Immobilienfirma in einem Schreiben, dass er 27 Millionen Euro geerbt habe. Das Geld liege auf einem Schweizer Bankkonto, allerdings könne er noch nicht darauf zugreifen, vertröstete er das Unternehmen. „Die 27 Millionen Euro sind durch nichts belegt. Das ist eine völlig erfundene Betrugsmasche. Offensichtlich hatte der Angeklagte kein Vermögen. Deshalb hat er sich eine Legende geschaffen, um die Opfer zu Verbringungen von Leistungen zu verleiten. Seit 1995 wird er regelmäßig exekutiert“, erklärte Staatsanwalt Christian Weismann.

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Im November 2013 wurden die Kaufverträge für die Wohnungen im Wert von etwas mehr als zwei Millionen Euro unterzeichnet und von einem Notar beglaubigt. Der Angeklagte erwarb von dem Liegenschaftsverwerter vier in Bau befindliche Wohnungen im Flachgau und zwei weitere fertiggestellte Wohnungen in der Landeshauptstadt. Für den Kaufpreis legte der Kosovare keine Bankgarantie vor. „Es ist nie etwas überwiesen worden“, sagte Weismann.

Schließlich wurden zwei Wohnungen an den 62-Jährigen übergeben. Eine davon bezog er selbst und bestellte Möbel im Wert von 30.000 Euro. Da er aber kein Geld überwies, lieferte das Möbelhaus die Waren auch nicht aus. Die andere Wohnung verkaufte er für einen vereinbarten Kaufpreis von 174.000 Euro an die Familie weiter. Der Mann legte ihnen den notariell beglaubigten Kaufvertrag vor und empfahl, den Verkauf nun ohne Notar abzuwickeln, um sich die Kosten dafür zu ersparen. Das Paar stieg darauf ein. Einen Grundbuchauszug verlangte es offenbar nicht.

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„Die Familie hat dann herausgefunden, dass es keinen gültigen Kaufvertrag gibt. Sie wurde schwerstens geschädigt“, entrüstete sich Weismann. Das kassierte Geld habe der Angeklagte für seinen privaten Lebensstiel verwendet. Die Betroffenen mussten nach einigen Monaten wieder ausziehen. Gegenüber einem Ermittler soll das Paar völlig verzweifelt gesagt haben: „Jetzt haben wir 20 Jahre umsonst gearbeitet.“

Nachdem der Liegenschaftsverwerter bis Oktober noch keinen Cent vom Kaufpreis erhalten hatte, erstattete er Anzeige. Er blieb auf zahlreiche Kosten wie etwa für jene der Vertragserrichtung sitzen. Der Schaden für die Firma soll insgesamt rund 80.000 Euro ausmachen. Der Kosovare wurde im Herbst festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Er habe rund 11.000 Euro an Schulden, erzählte der einschlägig Vorbestrafte heute dem vorsitzenden Richter Peter Egger. Der 62-Jährige zeigte sich geständig. Allerdings grenzte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Maximilian Pira, den Schaden für die Familie auf rund 30.000 Euro ein.

Wegen eines weiteren Vorwurfs war auch die ehemalige Lebensgefährtin des Beschuldigten mitangeklagt. Die beiden sollen jeweils eine Lebensversicherung abgeschlossen, die vereinbarten Einmalbeträge aber nicht geleistet haben. Die Tat sei beim Versuch geblieben, sagte der Staatsanwalt. Der Verteidiger der 49-jährigen Angeklagten, Rechtsanwalt Michael Kowarz, forderte einen Freispruch. „Er hat auch ihr Lügengeschichten aufgetischt“, lautete sein Argument. Ob noch am Montag ein Urteil ergeht, war vorerst noch unklar.

Detail am Rande: Der Prozess begann knapp eineinhalb Stunden verspätet. Der Grund: Zwei von drei geladenen Schöffen waren unentschuldigt nicht erschienen. Einer habe „die Viecher nach Ried fahren müssen“, wie die Mutter eines Schöffen dem Vorsitzenden am Telefon schilderte. Der zweite Laienrichter dürfte in einen Unfall verwickelt gewesen sein. Richter Egger fand schließlich noch eine Ersatzschöffin auf der Liste, die kurzfristig einspringen konnte.


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