Entgeltliche Einschaltung

Ein poetisches Kaleidoskop: Claudia Sikoras „Echnatons Frühling“

Klagenfurt/Wien (APA) - Mit dem Buch „Echnatons Frühling“ hat die gebürtige Wienerin Claudia Sikora ihren zweiten Roman vorgelegt. Darin ver...

  • Artikel
  • Diskussion

Klagenfurt/Wien (APA) - Mit dem Buch „Echnatons Frühling“ hat die gebürtige Wienerin Claudia Sikora ihren zweiten Roman vorgelegt. Darin vermischen sich Alltägliches, die Kommunal-, aber auch Weltpolitik und die Imagination zu einem komplexen, aber sehr lesenswerten Strom. Der Text ist vielschichtig und trotzdem schlüssig. Das Buch ist vor kurzem im Wieser-Verlag erschienen.

Sikora lässt ihre Ich-Erzählerin als Korrektorin für ein Provinzblatt im nördlichen Niederösterreich arbeiten und in einem 500 Jahre alten Bauernhaus wohnen, mit Partner und Hund und einem Mann, der aus einer Ziegelmauer gefallen ist und den nur sie sehen kann. Als Fünfjährige wollte sie Schatzsucherin werden, und daher rührt ihre Affinität zu Ägypten. Sie träumt von einer gerechteren Welt und verfolgt daher die aktuellen Ereignisse des Ägyptischen Frühlings mit großem Interesse. Immer wieder streut die Autorin Nachrichten aus dem Nahen Osten ein, aber auch Bradley Manning und Edward Snowden fehlen nicht.

Entgeltliche Einschaltung

Parallel dazu wird ihr Alltag erzählt, in teils lakonischen, teils ungemein poetischen Sätzen. Nächtens diskutiert sie mit dem Mann aus der Mauer, der nicht einmal von ihrem Hund namens Mamsell wahrgenommen wird. Recht bald wird klar, dass es sich bei dieser imaginierten Figur quasi um einen Wiedergänger Echnatons handelt, der im Wohnzimmer der Protagonistin neugierige Blicke auf die Welt von heute wirft. Sie sinniert über die Oliven-Manie ihres Partners, der sämtliche Sorten und Varianten zu kennen scheint, und bewältigt auch die Katastrophe eines Wassereinbruchs im Keller, der das Haus fast zum Einstürzen bringt, mit großer Gelassenheit.

So zusammengefasst, klingt das nicht nach sehr viel, aber Sikoras Erzählweise eröffnet dem Leser ständig neue Fenster und zeugt von einem klaren, analytischen Blick auf die Verhältnisse, seien es jene im nördlichen Waldviertel, nahe der tschechischen Grenze oder jene des Arabischen Frühlings und seines Scheiterns. Nicht umsonst raucht sie immer wieder einmal „eine Zigarette für Peter Greste“, den australischen Journalisten, der für Al Jazeera vom Ägyptischen Frühling berichtete und inhaftiert wurde. Greste wurde übrigens am Sonntag freigelassen.

TT-ePaper 4 Wochen gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, ohne automatische Verlängerung

Alles in allem ein nicht ganz einfaches, aber ungemein lesenswertes Buch der 1964 geborenen Autorin, die 2011 mit „Der Rittmeister“ ihr Romandebüt veröffentlicht hat.

(S E R V I C E - Claudia Sikora: „Echnatons Frühling“. Wieser-Verlag, 206 Seiten, 21 Euro).


Kommentieren

Entgeltliche Einschaltung