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Sajida al-Rishawi - Symbolfigur und Märtyrerin der IS-Jihadisten

Bagdad (APA/AFP) - Für den sogenannten „Islamischen Staat“ war Sajida al-Rishawi seit langem eine Symbolfigur - nach ihrer Hinrichtung in Jo...

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Bagdad (APA/AFP) - Für den sogenannten „Islamischen Staat“ war Sajida al-Rishawi seit langem eine Symbolfigur - nach ihrer Hinrichtung in Jordanien dürfte sie der Jihadistenmiliz nun auch als Märtyrerin gelten. Durch die Versuche des IS, sie in einem Gefangenenaustausch freizupressen, rückte die 44-jährige Irakerin in den vergangenen Tagen ins internationale Rampenlicht.

Ihre Freilassung wäre für den IS „ein moralischer Sieg“ gewesen, sagen Experten. Die Miliz hatte in der vergangenen Woche mit der Tötung des jordanischen Kampfpiloten Mouath al-Kasaesbeh und des ebenfalls gekidnappten Japaners Kenji Goto gedroht, sollte die Regierung in Amman Rishawi nicht freilassen. Weil Jordanien als Vorbedingung ein Lebenszeichen des über Nordsyrien abgestürzten Piloten verlangte, verzögerte sich der Austausch - und die Jihadisten veröffentlichten am Samstag ein Video von der Enthauptung des Japaners.

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Jordaniens König Abdullah II. deutete daraufhin am Wochenende an, im Austausch für „unseren heldenhaften Piloten“ könne die verhinderte Attentäterin nun freikommen. Doch am Dienstagabend tauchte dann ein weiteres Video auf, das Kasaesbehs Ermordung zeigte - auf grausamste Weise verbrannten ihn die Jihadisten bei lebendigem Leib. Die Antwort Jordaniens ließ nicht lange auf sich warten. Am frühen Mittwoch wurde Rishawi zusammen mit einem weiteren Extremisten hingerichtet.

Vier Tage nach einer Anschlagsserie auf drei Hotels in Amman Ende 2005, bei der 60 Menschen starben, war Rishawi festgenommen und im April 2006 zum Tode verurteilt worden. In ihren im jordanischen Staatsfernsehen übertragenen Geständnissen sagte sie, dass sie es im letzten Moment nicht geschafft habe, den Zünder ihres Sprengstoffgürtels zu betätigen. Gemeinsam mit ihrem Mann, der sich im Radisson-Hotel mitten in einer Hochzeitsfeier in die Luft sprengte, und zwei weiteren Attentätern war sie zu den Parallelanschlägen aufgebrochen.

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Die Verantwortung für die Gewalt übernahm seinerzeit das Terrornetzwerk Al-Kaida im Irak unter Abu Musab al-Zarqawi, eine sunnitische Salafistengruppe, die sich zum IS entwickelte. Rishawi, von der seit Jahren nicht mehr gesprochen wurde, auch weil in Jordanien Todesurteile gegen Frauen schon lange nicht mehr vollstreckt wurden, „ist wegen ihrer Verbindungen zu Al-Kaida im Irak und zur folgenschwersten Auslandsoperation dieser Gruppe weiter wichtig“, sagt Aymenn al-Tamini, Forscher am Institut Middle East Forum.

„Sie gehörte zum engen Kreis um Zarqawi, der die Vorläuferorganisation des IS gründete“, sagt auch Hassan Abu Hanieh, ein Experte für islamistische Gruppierungen. „Außerdem ist sie Angehörige eines Sunnitenstamms in der westirakischen Provinz Al-Anbar, die heute größtenteils vom Islamischen Staat kontrolliert wird“, fügt er hinzu. Von Bedeutung sei zudem, „dass sie die Schwester eines früheren Kaida-Emirs und engen Zarqawi-Gefolgsmanns ist, der im Kampf starb“.

„Wegen ihrer moralischen und symbolischen Bedeutung“ habe der IS gezielt Rishawi freibekommen wollen, pflichtet Oraib Rentawi bei, Direktor des Al-Quds-Zentrums für politische Studien in Amman. „Ihr Name ist direkt mit dem Zarqawis verbunden.“ Sieben Monate nach den Anschlägen in Amman wurde der Al-Kaida-Chef im Irak, ein gebürtiger Jordanier, bei einem US-Luftangriff nördlich von Bagdad getötet.

Rishawi verbrachte seitdem ihre Tage in einem jordanischen Frauengefängnis mit dem Studium des Koran und im Fernsehraum, wo sie islamische Sender schaute. Der IS wolle „wie ein Staat behandelt werden“, sagt Tamini. „Und einen Austausch von Kriegsgefangenen vorzuschlagen - anstelle von Lösegeld, wie es die meisten bewaffneten Gruppen tun - ist auch eine Art, diese Anerkennung zu erlangen.“


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