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Kroatien enttäuscht und empört nach Freispruch Serbiens durch IGH

Zagreb/Den Haag (APA) - Mit Unzufriedenheit, Enttäuschung und Empörung hat Kroatien auf das Urteil des Internationalen Gerichtshofes (IGH) r...

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Zagreb/Den Haag (APA) - Mit Unzufriedenheit, Enttäuschung und Empörung hat Kroatien auf das Urteil des Internationalen Gerichtshofes (IGH) reagiert, der die gegenseitigen Völkermordklagen Zagrebs und Belgrads zurückgewiesen hat. Einen größeren Einfluss auf die Beziehungen zwischen den Nachbarländern erwartet man dadurch allerdings nicht.

Der kroatische Justizminister Orsan Miljenic glaubt weder an positive noch an negative Auswirkungen der IGH-Entscheidung auf die bilateralen Beziehungen. Die beiden Länder haben als Nachbarländer gemeinsame Interessen, weswegen sie auch miteinander kooperieren müssen, sagte er laut dem Internetportal vecernji.hr.

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Allerdings machten kroatische Politiker auch klar, dass sie auf die Lösung von offenen Fragen aus der Kriegszeit nicht verzichten werden. „Wir haben ernste offene Fragen, wie das Schicksal der verschwundenen Personen und die Verantwortung für die Kriegsverbrechen“, erinnerte der kroatische Präsident Ivo Josipovic am Dienstag vor Journalisten. Alles, was die beiden Seiten im IGH-Verfahren auf den Tisch gelegt hätten, stärke den Bedarf nach einer Lösung dieser Fragen.

Regierungschef Zoran Milanovic betonte, dass Kroatien von seinen Forderungen im Zusammenhang mit den im Bürgerkrieg vermissten Kroaten und Rückerstattung von Kunstwerken nicht ablassen werde. Auch die künftige kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar Kitarovic wolle bei der Lösung dieser Fragen beharren.

Trotz Enttäuschung wird das Urteil in Kroatien auch mit Genugtuung interpretiert. Einerseits habe das Gericht die Kriegsverbrechen der serbischen Seite anerkannt und damit den Opfer und den Aggressor identifiziert. Anderseits sei Kroatien von Völkermordvorwürfen freigesprochen worden, hieß es.

„Das Urteil hat bestätigt, was wir vom Anfang an behauptet haben, nämlich dass Kroatien der Aggression ausgesetzt war und dass diese Aggression von Belgrad aus geleitet wurde“, sagte Justizminister Miljenic. Das Gericht habe bestätigt, dass die jugoslawische Volksarmee (JNA) und serbischen paramilitärischen Einheiten die Instrumente dieser Aggression gewesen seien. Kroatien werde deshalb insistieren, dass Serbien die Verantwortlichen für die Kriegsverbrechen, insbesondere die Führung der früheren jugoslawischen Volksarmee (JNA), vor Gericht stellt, betonte er.

Zufrieden zeigt man sich auch mit der Zurückweisung der serbischen Gegenklage. Serbien beschuldigte den Nachbarstaat des Völkermordes während der kroatischen Militäroperation „Oluja“ (Sturm) vom August 1995 zur Rückeroberung der Krajina. Es sei nun bestätigt worden, dass dies eine „legitime Aktion“ gewesen sei, sagte der Justizminister. Die Verbrechen, die dabei begangen worden, werden gerichtlich aufgearbeitet, fügte er hinzu.

~ WEB http://www.icj-cij.org/ ~ APA408 2015-02-04/15:16


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