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Jordanien richtete nach Tötung von IS-Geisel zwei Jihadisten hin

Amman (APA/AFP/dpa) - Nach der Tötung einer jordanischen Geisel durch die Miliz „Islamischer Staat“ (IS) hat Jordanien umgehend reagiert und...

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Amman (APA/AFP/dpa) - Nach der Tötung einer jordanischen Geisel durch die Miliz „Islamischer Staat“ (IS) hat Jordanien umgehend reagiert und zwei Jihadisten hingerichtet. Die Irakerin Sajida al-Rishawi, die der IS freipressen wollte, und das Al-Kaida-Mitglied Ziyad Karboli wurden am frühen Mittwochmorgen exekutiert, wie die Regierung in Amman mitteilte.

Nur Stunden zuvor war im Internet ein Video von der Ermordung des jordanischen Kampfpiloten Mouath al-Kasaesbeh aufgetaucht. Die verhinderte Selbstmordattentäterin Rishawi und der Extremist Karboli wurden um 04.00 Uhr früh (Ortszeit, 03.00 Uhr MEZ) hingerichtet, wie Regierungssprecher Mohammad al-Momani sagte. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden die Urteile im Swaka-Gefängnis südlich der Hauptstadt Amman vollstreckt. Rishawi war nach einer Anschlagsserie auf drei Hotels mit 60 Toten in Amman Ende 2005 festgenommen worden. Im April 2006 wurde sie zum Tod verurteilt.

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Jordanien hatte eine entschiedene Reaktion angekündigt, nachdem am Dienstag ein Video im Internet aufgetaucht war, das offenbar die Verbrennung des 26-jährigen Kasaesbeh zeigt. Die IS-Täter verbrannten ihr in einem Käfig eingesperrtes Opfer bei lebendigem Leib.

Ein Sicherheitsvertreter in Amman erklärte daraufhin, als Reaktion werde im Morgengrauen die Todesstrafe gegen Rishawi vollstreckt, außerdem würden mehrere weitere Jihadisten exekutiert. In Amman und anderen Städten Jordaniens versammelten sich zu Ehren Kasaesbehs Menschen zu Kundgebungen auf den Straßen.

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Der IS verlangte kürzlich die Freilassung der Jihadistin im Gegenzug für den Kampfpiloten. Nach Überzeugung Ammans wurde Kasaesbeh jedoch bereits Anfang Jänner ermordet - erst danach stellte der IS seine Forderung. Amman hatte sich bereit gezeigt, auf den Tauschhandel einzugehen, zuvor aber ein Lebenszeichen des Jordaniers verlangt.

International wurde die Ermordung Kasaesbehs scharf verurteilt. US-Präsident Barack Obama empfing kurzfristig den jordanischen König Abdullah II. im Weißen Haus. Der Monarch hielt sich in Washington auf, eine Begegnung mit Obama war ursprünglich aber nicht vorgesehen. Nach dem Treffen sagte ein US-Vertreter, der „abscheuliche Mord an dem mutigen Jordanier“ verstärke die Entschlossenheit im Kampf gegen den IS noch.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte, die Verbrennung des Piloten sei eine „fürchterliche Tat“. Japans Regierungschef Shinzo Abe nannte die Tat „unverzeihlich und schockierend“. Das Schicksal Kasaesbehs war eng mit dem zweier japanischer IS-Geiseln verknüpft, die ebenfalls kürzlich von der Miliz ermordet worden waren. Auch der Iran verurteilte den Mord an dem Piloten auf das Schärfste. „Dieser brutale Mord hat weder etwas mit dem Islam noch mit Menschlichkeit zu tun“, sagte Außenamtssprecherin Marzieh Afkham.

Die sunnitische Al-Azhar-Universität in der ägyptischen Hauptstadt Kairo rief zur Tötung von IS-Kämpfern auf. In einer Mitteilung forderte die Einrichtung unter anderem die „Kreuzigung und das Zerschlagen der Glieder der IS-Terroristen“. Die Tötung Kasaesbehs wurde als „feiger Terrorakt“ bezeichnet.

Die US-Tageszeitung „New York Times“ berichtete am Mittwoch, bereits nach der Verschleppung des Piloten im Dezember hätten sich die Vereinigten Arabischen Emirate aus der US-geführten internationalen Militärallianz zur Bekämpfung des IS aus der Luft zurückgezogen. Demnach fordern die Emirate von den USA eine bessere Vorsorge für mögliche Rettungsaktionen.

Berichten zufolge hat der IS in Syrien und im Irak seit Anfang des Jahres fast 100 Gefangene getötet. Mehreren Opfern schlugen die Extremisten demnach den Kopf ab, andere wurden gesteinigt oder an öffentlichen Plätzen gekreuzigt. Manchen sei Blasphemie, Prostitution oder Homosexualität vorgeworfen worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Andere habe der IS getötet, weil sie angeblich Spione für das syrische Regime oder ausländische Geheimdienste gewesen seien.


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