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Hollandes neue Zuneigung zu Athen

Paris/Athen/Berlin (APA/AFP) - Mit zeremoniellem Pomp und einem breiten Lächeln empfing Francois Hollande den neuen griechischen Premier Ale...

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Paris/Athen/Berlin (APA/AFP) - Mit zeremoniellem Pomp und einem breiten Lächeln empfing Francois Hollande den neuen griechischen Premier Alexis Tsipras in Paris, doch zugleich wirkte Frankreichs Staatschef ein wenig steif und distanziert. Allzu kumpelhaft wollte sich der französische Sozialist offenbar nicht geben im Umgang mit jenem Mann, dessen Wahl vor eineinhalb Wochen ein politisches Erdbeben in Europa ausgelöst hatte.

Denn Hollande sieht sich als wichtiger Vermittler zwischen der griechischen Regierung, die eine Abkehr vom harten Sparkurs angekündigt hat und auf ein Umschuldungsprogramm dringt, und Berlin und Brüssel, wo die zunächst schrillen Töne aus Athen als Kampfansage aufgenommen wurden. Und so forderte er am Mittwoch nach seinem Treffen mit Tsipras „Respekt“ von beiden Seiten: Respekt für das Votum der Griechen, die dem „Austeritäts“-Kurs eine Absage erteilt hätten; aber auch Respekt vor den EU-Regeln und den Zusagen im Schuldenstreit.

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Tsipras wiederum umgarnte bei seiner Suche nach Verbündeten in Europa die Franzosen - und nahm die in Paris regierenden Sozialisten zugleich in die Pflicht. Frankreich müsse sich für einen Wandel in der EU hin zu einer wachstumsfreundlicheren Politik einsetzen und dabei „die Rolle des Protagonisten“ einnehmen.

In dieser Rolle sieht sich Hollande ohnehin schon seit geraumer Zeit, und genau deswegen kam ihm der krachende Wahlsieg von Tsipras‘ Linksbündnis Syriza am Sonntag vor einer Woche gar nicht so unrecht. „Der Sieg von Syriza eröffnet eine Anti-Austeritäts-Front, die in die Richtung geht, die ich seit meiner Wahl verteidige“, soll Hollande einen Tag nach der Griechenland-Wahl in kleinem Kreis gesagt haben, berichtete die stets gut informierte Zeitung „Le Canard enchaine“. Er selbst werde auf europäischer Ebene nun eine „zentrale Position“ einnehmen.

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Denn Frankreich, von Defizitproblemen und Wirtschaftskrise geplagt, wirbt schon seit langem für mehr Nachgiebigkeit bei der Haushaltssanierung. Doch auch wenn Hollande dabei auf einer Linie mit Italiens sozialdemokratischem Regierungschef Matteo Renzi liegt - gegen Merkel, die in Europa auf eine strikte Sparpolitik pocht, konnte er sich nicht durchsetzen. Zumal Hollande innenpolitisch durch Wahlschlappen seiner Sozialisten und miserable Umfragewerte lange Zeit so geschwächt war, dass er auf europäischer Bühne kaum mehr Gehör fand.

Mit dem Syriza-Sieg in Griechenland werden die Karten aber neu gemischt - und Hollande begriff das sofort. Schon am Abend von Tsipras‘ Wahlsieg gratulierte der Franzose dem Griechen, am folgenden Tag lud er ihn bei einem Telefonat ein, „schnell“ nach Paris zu kommen. Am vergangenen Sonntag kam dann zunächst der neue griechische Finanzminister Giannis Varoufakis in die französische Hauptstadt, es war die erste Station einer kleinen Europa-Tournee auf der Suche nach Verbündeten für den Anti-Sparkurs.

Der bekannte französische Wirtschaftsprofessor Thomas Piketty hatte zuvor gejubelt, der Syriza-Sieg könne „der Austerität“ in Europa ein Ende setzen. Ihm schwebt ein Bündnis Frankreichs mit den südeuropäischen Staaten vor, dessen Forderungen Deutschland sich nicht widersetzen kann.

Doch ein solches Anti-Spar-Bündnis mit Frankreich an der Spitze erscheint wenig wahrscheinlich. „Man muss sich nur die Kräfteverhältnisse in Europa anschauen“, sagt der französische Harvard-Professor Philippe Aghion. Frankreich könne unmöglich als Teil eines Bündnisses gegen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel punkten - sondern nur als Vermittler: „Frankreich kann in Europa an Gewicht gewinnen, wenn es sich fähig zeigt, Syriza zur Vernunft zu bringen.“

Und so ermahnte Hollande am Mittwoch nicht nur alle Seiten zum gegenseitigen Respekt, sondern betonte auch, es gebe eine gemeinsame „Verantwortung“: die Stabilität des Euro.


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