Zeugen einer geselligen Phase auf Schloss Bruck
Im Zwischenboden des Rittersaals wurden über 300 Objekte aus der Zeit der Ottilie Röck, der letzten privaten Besitzerin des Schlosses, entdeckt.
Von Claudia Funder
Lienz –Demnächst bekommt der mit 160 Quadratmetern Fläche größte Saal von Schloss Bruck, der Rittersaal, einen neuen Boden. Was sich unter dem alten Belag befand, beweist, dass es hier einst überaus gesellig zuging. Experten nahmen die Zwischendecke ins Visier und stießen auf über 300 Relikte, die der Rubrik „Gasthausarchäologie“ zugeordnet werden können.
In der wechselvollen Geschichte hatte das Schloss viele Herrinnen und Herren. Ab 1827 in Privatbesitz, war die einstige Fürstenburg auch Gasthaus und Brauerei, bis die letzte private Besitzerin Ottilie Röck das Schloss ab 1911 einer Restaurierung nach Vorbild der bayerischen Königsschlösser unterziehen ließ. 1942 wurde der Bau schließlich an die Stadt Lienz verkauft, die ihm einen neuen Stempel verpasste: Schloss Bruck wurde zum Museum.
Unter wissenschaftlicher Leitung von Harald Stadler, Leiter des Instituts für Archäologien Innsbruck, wurde der Zwischenboden des Rittersaals Mitte November 2014 von einem Team archäologisch untersucht. Bei der anschließenden Siebeaktion legten auch einige Asylwerber der Stadt tatkräftig Hand an.
Die Experten hofften auf mittelalterliche Funde, wie sie im Schloss bereits aus der Gewölbezwickelfüllung geborgen worden waren. „Zwischenböden sind immer ein besonderer Anziehungspunkt für Archäologen“, erklärt Stadler im Gespräch mit der TT. Die Hoffnung auf mittelalterliche Massenfunde wie auf Schloss Lengberg bestätigten sich jedoch nicht. Zum Vorschein kamen aber – teils „schräge“ – Objekte aus der Zeit von 1914 bis 1945. Sie spiegeln in Momentaufnahmen wider, was einst an diesem speziellen Ort Usus war. Es ist quasi ein Stück Sozialgeschichte, der die Archäologen nun auf den Fersen sind. „Die Funde werden gerade gereinigt und gelistet“, erzählt Archäologin Anny Awad. Zu den Relikten zählen Speisekarten und Abrechnungen aus der Zeit der Ottilie Röck ebenso wie ein Aschenbecher mit dem Hinweis, die Asche in diesen Behälter zu kippen. „Natürlich fanden sich, wie es sich für ein Lokal gehört, auch unzählige Glasfragmente, eine stattliche Anzahl von leer gerauchten Zigarettenschachteln, einiges an verloren gegangenem Trinkgeld sowie Zeitungen und ein Rezept zur Herstellung von Kaiserbirnlikör“, zählt Stadler auf. Eine Fotoglasplatte zeigt ein Flugzeug aus den 1920er-Jahren, „definitiv eine Dornier Do Delphin I oder II, Kennung D-272, vermutlich am Bodensee während der Wasserung 1921/22“, so Flugzeughistoriker Wolfgang Falch.
Zurückgeblieben sind auch Kopfwehtabletten sowie Mieder- und Strumpfgürtelbestandteile. Und heiß dürfte einst auch das Tanzparkett gewesen sein, fand man doch Schuhsohlen und einen Tanzglätte-Behälter aus Karton, wie Anny Awad erwähnt.
Die Persönlichkeit Ottilie Röck könnte, geht es nach dem Wunsch Stadlers, Thema einer Schau werden: „Die Funde sollen vor Ort im Schloss ausgestellt werden.“
Kommentare