Hoch hinaus: Eine andere Welt ist möglich

Ein Tag, um gemeinsam zu kämpfen, um aufzurütteln, aber auch, um zu feiern: Der 114. Frauentag steht in Innsbruck ganz im Zeichen der Solidarität.

Forderungen auf Transparenten und auf die Straße geklebt (s.u.): Die Vernetzungsgruppe versammelte sich vor der Annasäule.
© Andreas Rottensteiner / TT

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Internationaler Frauentag 2015: Überall auf der Welt gehen heute Millionen von Frauen auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen. In Innsbruck haben sich schon gestern erstmals Frauen verschiedener Herkunft, Religion und Kultur, mit und ohne Behinderung – vereint in einer großen Gruppe – in der Maria-Theresien-Straße versammelt. Was sie sonst voneinander trennt, hat keine Bedeutung. Die Anliegen sind ohnehin die gleichen. „Es ist unsere erste große, gemeinsame Sache“, sagt Monika Jarosch, Sprecherin der neu gegründeten Tiroler Frauenvernetzungsgruppe. „Gemeinsam sind wir stark.“

Bunte, überall in der Innenstadt auf Straßen und Gehsteige geklebte Megaphone machen auf die Forderungen aufmerksam: „Eine andere Welt ist möglich!“, ist etwa darauf zu lesen. „Stoppt Gewalt an Frauen und Mädchen!“ Als sich der Demonstrationszug der vielen Frauen – auch Männer sind dabei – auf den Weg durch Innsbrucks Straßen macht, werden die Transparente in Position gebracht. „Einkommensschere gemeinsam schließen“ steht darauf. „Wir wollen hoch hinaus“, „Gewalt an Mädchen und Frauen geht uns alle an“, „Eine andere Welt ist möglich, wehrt euch und kämpft.“ Und „Solidarity, Sister“, Solidarität, Schwester.

Vom Rathaus hängt eine Fahne, die auf den Frauentag aufmerksam macht. Die Stadt ist mit dabei. „Wir freuen uns, dass dieses Zusammentreffen gelungen ist“, sagt Innsbrucks Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider. „Wir müssen Wände einreißen, damit die nächste Generation den Respekt und die Achtung bekommt, die wir alle verdienen.“ Das Referat für Frauen, Familien und SeniorInnen der Stadt Innsbruck unterstützte den Vernetzungsprozess der Frauengruppen finanziell und ermöglichte dadurch sein Zustandekommen.

Die Frauen waren gekommen, um gemeinsam zu feiern. Denn es gibt Grund zur Freude – über die erreichten Verbesserungen. Sie haben sich versammelt, um zu kämpfen, weil noch lange nicht alle Forderungen umgesetzt wurden. Um aufmerksam zu machen auf die Gewalt – nicht nur in Tirol, wo im vergangenen Jahr vier Frauen ermordet wurden, drei von ihrem Ehemann, Lebensgefährten oder Expartner. Eine junge Frau vor den Augen ihres Kindes mitten in der Maria-Theresien-Straße. Bei einem Straßentheater verarbeiten junge Kurdinnen die unbeschreibliche Gewalt, die Frauen und junge Mädchen – noch Kinder – unter dem IS-Terror erleiden müssen. „Ich erzähle euch alles, auch wenn ihr es nicht hören wollt.“

Ein Frauentag, der aus vielen Gründen zu denken gibt. „Denn wir stehen hier wie vor hundert Jahren“, meint Selma Yildirim (SPÖ-Frauen Tirol). „Wie es sich zeigt, sind die Forderungen wie damals, etwa gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Nach wie vor müssen wir dafür auf die Straße gehen.“

Auch die Landesregierung war gestern vertreten – mit Ingrid Felipe und Landesrätin Christine Baur. Die Frauen vom ÖGB verteilten Brot und Rosen – stellvertretend für ein menschenwürdiges Leben. Vor allem ältere Frauen waren gekommen, um sich wegen ihrer Pension zu erkundigen, wie Regionalsekretärin Daniela Meichtry berichtet. Andere meinten: „Was gefordert wird, das hätten wir uns eigentlich schon längst verdient.“


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