„Es ist normal, verschieden zu sein“

Sie sind außergewöhnlich, wünschen sich aber vor allem eines: Normalität. Eine Themenwoche in Lienz widmet sich Menschen mit Down-Syndrom.

© Martin Lugger

Von Claudia Funder

Lienz –Für das Menschsein gebe es keine Norm, hat der einstige deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker einmal in einer Rede gesagt und formulierte den treffenden Satz: „Es ist normal, verschieden zu sein.“

Ähnliches wird im Rahmen einer Themenwoche in der Stadtbücherei vermittelt, die von 16. bis 21. März aufzeigen wird, wie vielfältig das Leben von Menschen mit Down-Syndrom sein kann, und dass sie Talent beweisen und Gefühle haben wie alle anderen auch.

Vieles habe sich bereits zum Positiven verändert. Heute werde Menschen mit Trisomie 21, wie die Chromosomen-Besonderheit auch genannt wird, deutlich offener begegnet als noch vor wenigen Jahren, erklärt Pia Schlichenmaier im Gespräch mit der TT. Sie ist Obfrau des Vereins „Hand in Hand“, der anlässlich des Internationalen Down-Syndrom-Tages erneut sehr offen Einblick in das Leben mit diesen außergewöhnlichen Menschen gewährt. Das Ziel: noch bestehende Vorurteile und Unsicherheiten zu verringern. „Vor allem Leute der älteren Generation tun sich oft schwer, damit umzugehen“, weiß Schlichenmaier, die aber betont, dass sie sich auch selbst nicht ganz ausnimmt: „Ich sehe auch oft Grenzen, wo keine sind“, verrät die Mutter des fast 15-jährigen Jonas, der sie „immer wieder überrascht und beweist, was doch möglich ist“.

Dass besondere Menschen wie er nicht zu unterschätzen sind, zeigt auch der 14-jährige Armin, der Musik nicht nur liebt, sondern selbst zum Instrument greift. „Wer traut einem Jugendlichen mit DownSyndrom schon zu, dass er Saxophon spielt?“, regt Schlichenmaier zum Überdenken vorgefasster Meinungen an.

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Die Themenwoche bietet ein facettenreiches Programm. Schulen haben das Angebot sehr gut angenommen. Mehrere Klassen werden vor Ort sein und erfahren, wie es so ist, mit einem behinderten Kind zu leben. Und bei künftigen Begegnungen mit Betroffenen vielleicht schon ganz unbefangen reagieren. Von 16. bis 21. März sind Vereinsmitglieder täglich von 16 bis 17 Uhr im Info-Eck der Bücherei anzutreffen, laden zum Gespräch und beantworten Fragen.

Mit gezielter Förderung sei sehr vieles möglich, weiß Schlichenmaier. Bewährt haben sich etwa auch die Neugeborenen- und die Schulbox, die wertvolle Infos beinhalten. Eine Box wird am 16. März überreicht, denn Clemens aus Oberlienz wird im Herbst eingeschult.

Am 20. März um 19.30 Uhr wird zu einem Filmabend geladen. Im Streifen „Zeig mir deine Welt“ gibt Kai Pflaume Einblick in den Alltag einiger Protagonisten. Und zu sehen sein wird beileibe keine traurige Welt, sondern eine voll praller Lebensfreude.

Den krönenden Abschluss bildet das Familienfest am 21. März, dem Internationalen Down-Syndrom-Tag. Von10 bis 13 Uhr wartet ein buntes Programm auf alle, die mit dabei sein wollen.


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