Awolnation legt nach: „Meine wichtigste Waffe sind meine Ohren“

Wien (APA) - Awolnation bleibt sich treu: Die US-Alternative-Band, die im Kern aus Kreativkopf Aaron Bruno besteht, zieht auf ihrem am Freit...

Wien (APA) - Awolnation bleibt sich treu: Die US-Alternative-Band, die im Kern aus Kreativkopf Aaron Bruno besteht, zieht auf ihrem am Freitag erscheinenden Album „Run“ alle Register popmusikalischen Bombasts und erteilt Schubladisierungen eine Abfuhr. „Diesmal habe ich meinen Stil noch besser definieren können“, beschreibt Bruno die Voraussetzungen für die zweite Platte. Konkret heißt das: Alles ist erlaubt.

Was zugegebenermaßen keine wirklich Überraschung darstellt: Schon auf „Megalithic Symphony“ (2011) wurden harte Gitarren, pumpende Beats, pathetische Streicher und krude Elektronik in oft unkonventioneller Weise gemischt. Da der 36-jährige Bruno, der bereits vor der Gründung von Awolnation in verschiedenen Bands tätig war, zudem ein gutes Händchen für eingängige Refrains mitbringt, fand sich diese Mixtur in den vergangenen Jahren vermehrt in den internationalen Charts.

„Ich habe seit dem ersten Album nicht aufgehört, an neuen Songs zu arbeiten“, zeigt sich Bruno im APA-Gespräch als Workaholic. „Ich versuche immer, die Kreativität fließen zu lassen. Es hat nur ein bisschen gedauert herauszufinden, welches Gefühl ich rüberbringen wollte.“ Grundsätzlich ließe sich „Run“ als etwas düsterer Bruder seines Vorgängers beschreiben. Schon der Titel- und Eröffnungssong zeigt sich von einer dramatischen Dringlichkeit, während Bruno Unheilvolles verkündet: „I am a human being, capable of doing terrible things.“

Dass ein Chartstürmer sich vier Jahre Zeit lässt für eine neue Platte, verwundert hingegen doch etwas. Dabei sei dies für ihn von großem Vorteil gewesen, wie Bruno erläutert. „Anstatt den Menschen ein neues Album schnell reinzuwürgen, gibt es aufgrund dieses Abstands Hunger nach Neuem.“ Zudem sei die Arbeit diesmal noch konzentrierter abgelaufen als zuvor. „Das erste Album war eher ein Experiment, bei dem ich Verschiedenes ausprobiert habe. Der neue Fokus spiegelt sich mittlerweile aber in der Stimmung wider.“

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Beim Songwriting selbst lässt sich der US-Amerikaner von unterschiedlichsten Dingen leiten. „Ich hatte nie eine bestimmte Formel. Es kann mit einer Gitarrenmelodie, einem Synthie-Part oder einem Motiv für Streicher beginnen. Es gab jedenfalls keinen Mangel an Ideen in meinem Kopf“, lacht der Musiker. Ob ein Grundgerüst etwas taugt oder nicht, darüber entscheide letztlich sein Instinkt. Wobei Bruno oft an mehreren Stücken gleichzeitig arbeitet. „Dadurch behalte ich eine frische Perspektive. Man darf nicht zu streng mit sich selbst sein.“

Was passiert aber, wenn sich dann doch eine Sackgasse auftut? „Komme ich nicht weiter, dann gönne ich meinen Ohren eine Pause und versuche es am nächsten Tag wieder“, so Bruno. „Es ist nicht zielführend, wenn man stundenlang an Dingen herumschraubt, bis einem die Ohren bluten. Meine wichtigste Waffe sind meine Ohren!“ Wie bei einem Smartphone oder Computer könne er sie „runterfahren und dann wieder neustarten“, schmunzelt er. „Am Abend gehe ich schlafen und am nächsten Tag frisch ans Werk.“

Der technische Vergleich erscheint insofern passend, als Bruno mit Awolnation auch digitale Aufnahmemöglichkeiten ausnützt. Die Schnellschüsse „Dreamers“ und „Windows“ sind zwei Beispiele dafür, wie elektronisch erzeugte Musik mit hemdsärmeligem Gestus verschmilzt, Tanzbodenkracher auf einen Rockhabitus treffen und konventionelle Strukturen beiseitegeschoben werden. „Ich bin selbstbewusster geworden“, unterstreicht Bruno. „Bei ‚Megalithic Symphony‘ habe ich nicht geglaubt, dass sich das jemand anhören wird. Das ist wohl die Glückseligkeit des Ignoranten. Nun aber weiß ich besser, was ich will. Es gibt dieses Feuer in mir. Außerdem wollte ich beweisen, dass ich das noch mal zustande bringe.“

Die Langlebigkeit seiner Songs unterstreicht aktuell auch die Werbung eines österreichischen Telekomunternehmens, bei der „Sail“ vom Debüt als Untermalung erklingt. Prompt landete das Stück Anfang des Jahres wieder in den heimischen Charts. „Ich bin einfach glücklich darüber, am Leben zu sein, und meine Visionen mit so vielen Menschen teilen zu können“, gibt sich Bruno etwas pathetisch. Dass er selbst in kommerziell erfolgreiche Popsphären vorgestoßen ist, sei letztlich auch „ein Kompliment“.

Wie man seine Musik bezeichnet, ist dem Musiker dabei egal. „Dieses spezifische Kategorisieren kann ich nicht nachvollziehen. Was für mich zählt ist, dass meine Songs sehr vielen Menschen etwas bedeuten.“ Dass er damit in Österreich ganz gut liegt, wird sich wohl auch bei den Konzerten in Graz (25. März im PPC) und Wien (15. August Open-Air in der Arena) zeigen. Dafür verspricht er, ganz selbstbewusster Popstar: „Erwartet euch die beste Band der Welt.“

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - www.awolnationmusic.com)


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