6000 Zeitdokumente in der Bibliothek der Chronisten

Vor 25 Jahren initiierte Helmut Hörmann die Gründung der ersten Chronistenbibliothek Österreichs. Der Fundus ist mittlerweile riesig.

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Von Agnes Dorn

Mötz –Begonnen hat alles vor 25 Jahren mit einer recht kleinen, aber feinen Auswahl an Büchern. Dank der Initiative des heutigen Landeschronisten und langjährigen Bezirkschronisten Helmut Hörmann wurde die Idee zur Gründung einer Bezirkschronistenbibliothek in die Tat umgesetzt. Ziel war es, einen Ort zu schaffen, an dem die Orts­chronisten ihr „Handwerkszeug“ gesammelt vorfinden. Aus den von Landesrat Fritz Astl gespendeten 50 Büchern wuchs bis heute der enorme Bestand auf 6000 Publikationen an.

Die damals im Klösterle Silz angesiedelte Chronistenbibliothek musste 2013 übersiedeln, da die Gemeinde Eigenbedarf anmeldete. Neben den zahlreichen Dorf-, Vereins- und Familienchroniken umfasst die nunmehr im alten Gemeindehaus von Mötz beheimatete Sammlung viele Geschichtsbücher, Gedenkschriften von Vereinsfeiern und Jubiläen, Bücher über Religion, Kultur und Brauchtum, alte Fremdenverkehrsprospekte, Ratgeber- und Kochbücher und vieles mehr.

„Neben dem Tiroler Oberland sind auch Südtirol und Vorarlberg dokumentarisch sehr gut erfasst“, berichtet Hörmann, „nicht vergessen werden darf auch die beachtliche Sammlung an so genannten periodischen Publikationen wie die der aktuellen Berichterstattung, der Regional- und Gemeindezeitungen.“ Auch das seit über hundert Jahren existierende Jahrbuch des Alpenvereins findet sich in der Bibliothek. Ein besonderes Gustostückerl sind die 11.000 Glasplatten mit Aufnahmen ab 1920 aus allen Regionen Tirols, die aus dem Nachlass des Fotografen Oberhaidinger stammen und die nun auch in digitalisierter Form evident sind. Helmut Hörmann, der auch heute noch mit Feuereifer beim Spurensichern der Vergangenheit und der Gegenwart dabei ist, betont: „Tirol ist das einzige Bundesland mit einem organisierten Chronikwesen.“

Die über 370 Ortschronisten, die großteils ehrenamtlich arbeiten, sind über die Bezirkschroniken miteinander vernetzt. Landeschronist Hörmann ist neben seiner Tätigkeit als Ortschronist von Stams für die Repräsentation der Chronik Tirols zuständig sowie für die Bildungsschiene, die über den Dachverband des Bildungsforums neben Ausstellungen, Grund- und Aufbaukursen auch Workshops und Expeditionen anbietet. Den Zweck der Chronik sieht Hörmann in dreierlei Bereichen gelegen: „Neben der Zeitchronik, die das dokumentiert, was jetzt ist, ist natürlich auch die Spurensuche in die Vergangenheit und die Nutzbarmachung der Dokumente für die Gemeinschaft von großer Bedeutung. So kann die Chronik zum Beispiel wesentliche Details zur Dorferneuerung oder Familienforschung liefern.“

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Interessierte können sich alle vorhandenen Exponate ohne Unkostenbeitrag ausleihen. Auch wer zum Schmökern oder Fachsimpeln kommen will, ist jeden Donnerstag ab 18 Uhr herzlich willkommen und wird von den beiden Chronisten Helmut Hörmann und Pius Amprosi gerne beraten.


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