Merkel rief Japan zu Aufarbeitung von Sexsklaverei im Krieg auf

Tokio (APA/AFP) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Japan aufgerufen, das sensible geschichtliche Kapitel um Zwangsprostitution...

Tokio (APA/AFP) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Japan aufgerufen, das sensible geschichtliche Kapitel um Zwangsprostitution für die japanische Armee im Zweiten Weltkrieg aufzuarbeiten. Bei einem Treffen mit dem Chef der oppositionellen Demokratischen Partei, Katsuya Okada, sagte Merkel am Dienstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji, Japan und Südkorea teilten gemeinsame Werte.

Es sei an der Zeit, die Angelegenheit angemessen zu regeln. Das Beilegen von Konflikten aus der Kriegszeit sei eine Voraussetzung für Versöhnung. Nach Schätzungen von Historikern wurden im Zweiten Weltkrieg etwa 200.000 Frauen aus Korea, China, Indonesien, den Philippinen und Taiwan gezwungen, japanischen Soldaten in Militärbordellen zu Diensten zu sein. Rechtskonservative Politiker in Japan geben bis heute an, dass die Frauen reguläre Prostituierte gewesen seien.

Das Schicksal dieser in Japan beschönigend „Trostfrauen“ genannten Zwangsprostituierten belastet bis heute das Verhältnis Japans zu seinen Nachbarstaaten. Vor allem die Regierungen in Seoul und Peking forderten in jüngster Zeit verstärkt, Tokio müsse für die Kriegsverbrechen der Vergangenheit mehr Reue zeigen. Japan gedenkt wie Deutschland in diesem Jahr des 70. Jahrestags seiner Kapitulation im Zweiten Weltkrieg.

Der japanische Außenminister Fumio Kishida reagierte distanziert auf Merkels Anmerkungen. Es sei unpassend, Japan und Deutschland beim Thema Aufarbeitung einfach zu vergleichen, sagte Kishida vor Journalisten. Dazu sei der geschichtliche Hintergrund zu unterschiedlich.

Merkel besucht Japan für zwei Tage, am Montag war sie mit Premier Shinzo Abe und Kaiser Akihito zusammengetroffen. Am Dienstag will sie in Kawasaki noch den Lastwagen-Hersteller Mitsubishi Fuso besuchen, der zu 90 Prozent vom deutschen Hersteller Daimler kontrolliert wird. Anschließend fliegt Merkel zurück nach Berlin.


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