Ankläger fordern Aufhebung von Berlusconi-Freispruch im Ruby-Prozess

Rom (APA) - Beim letztinstanzlichen Prozess gegen Italiens früheren Regierungschef Silvio Berlusconi hat der Chefankläger des Kassationsgeri...

Rom (APA) - Beim letztinstanzlichen Prozess gegen Italiens früheren Regierungschef Silvio Berlusconi hat der Chefankläger des Kassationsgerichts in Rom, dem höchstem Gericht des Landes, am Dienstag die Aufhebung des Freispruchs für den Medienunternehmer gefordert. Dem 78 Jahre alten Berlusconi werden Sex mit einer minderjährigen Nachtklubtänzerin und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Er bestreitet die Vorwürfe.

Berlusconi wird unter anderem beschuldigt, bei den „Bunga-Bunga-Partys“ in seiner Luxusresidenz in Arcore bei Mailand Sex mit der minderjährigen Marokkanerin Karima el-Mahrough alias „Ruby Herzensbrecherin“ gehabt zu haben. Laut dem Chefankläger, Eduardo Scardaccione, ist Berlusconi darüber informiert gewesen, dass El Mahrough zu dem Zeitpunkt minderjährig war. Er forderte eine Neuaufrollung des Prozesses gegen den Mailänder TV-Tycoon ab der zweiten Instanz.

Sowohl Ruby als auch Berlusconi haben bestritten, Sex miteinander gehabt zu haben. Die Anwälte des Ex-Premiers zeigten sich überzeugt, dass das Kassationsgericht den Freispruch bestätigen werde. Mit einem Urteil ist voraussichtlich am Dienstagabend zu rechnen.

Berlusconi war im vergangenen Jahr in zweiter Instanz freigesprochen worden, dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Das Gericht in Rom könnte den Freispruch in dritter Instanz endgültig bestätigen oder den Fall an ein anderes Gericht zurückverweisen. In erster Instanz war der Ex-Regierungschef 2013 zu sieben Jahren Haft und einem lebenslangen Verbot öffentlicher Ämter verurteilt worden.

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Erst am Freitag war der Sozialdienst zu Ende gegangen, den Berlusconi in einem Altersheim nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs ableisten musste. Dank einer Strafverkürzung von 45 Tagen wegen guter Führung konnte Berlusconi den Sozialdienst zehn Monate nach Beginn beenden. Der Ex-Premier musste nach seiner rechtskräftigen Verurteilung im August 2013 wegen seines hohen Alters nicht ins Gefängnis.

Zusätzlich laufen weitere Ermittlungen gegen Berlusconi im Ruby-Prozess. Dabei geht es um Zeugenbestechung. Berlusconi wird von der Mailänder Staatsanwaltschaft beschuldigt, mit hohen Beträgen das Schweigen von Gerichtszeugen, vor allem von mehreren jungen Frauen, zu erkaufen. Auch Karima El Mahrough kassiere monatlich ein „Gehalt“ von 15.000 Euro von dem Ex-Premier, erklärten die Mailänder Ermittler.


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