Hundedrama im Gurgltal als Chance für Eremit

Weil ein Tarrenzer Einsiedler ins Krankenhaus musste, mussten 26 Hunde und Welpen eingefangen werden. BM Köll sieht nun die Chance, dass sich „das Ottole“ resozialisiert und wieder im Dorf lebt.

© Daum

Von Hubert Daum

Tarrenz –Er heißt im bürgerlichen Namen Otto Tangl, für die Leute ist er einfach „das Ottole“. Der etwas rustikal aussehende Tarrenzer mit langem Bart lebt allerdings außerhalb der Gesellschaft: Mitten im Gurgltal am Fuße eines bewaldeten Hügels wohnt, besser gesagt haust der nun 68-Jährige seit Jahrzehnten in einer Holzhütte auf einem teilweise eingezäunten Areal. „Grund und Boden gehört ihm zu einem Viertel“, weiß der Tarrenzer BM Rudolf Köll die Hintergründe, „es hat auch schon einen Abrissbescheid der BH gegeben, der aber nicht vollziehbar war.“ Die Gemeindebürger würden jedenfalls ihr „Ottole“ so akzeptieren, wie er ist.

Und er ist vor allem ein Tierfreund. In seinem Naturwohnsitz – nur mittels Fußweg erreichbar – scharte er vor allem Hunde und Ziegen um sich, offensichtlich nicht immer in einer überblickbaren Anzahl. „Es gab zwar Anzeigen im Kontext zum Tierschutz, in meinen Kontrollen stellte ich allerdings nie ein tierschutzrechtliches Vergehen fest“, berichtet Amtstierarzt Gerold Auer.

Allerdings scheint es nun eine Wende im Leben des Einsiedlers gegeben zu haben: Letzte Woche musste er ins Krankenhaus, zurück blieben einige Ziegen und nicht weniger als 19 Hunde und sieben Welpen. Nach der Erstversorgung mit Wasser und Futter sah sich BM Köll nun gezwungen, den Tierschutzverein um Hilfe zu bitten. „In und um mehrere teils verfallene Holzbaracken lief auf einem abgelegenen und notdürftig umfriedeten Areal ein Rudel Hunde frei herum“, berichtet Elisabeth Baldauf-Bracke, die Obfrau des Tierschutzvereins Tirol. Einige Hunde seien nicht einfangbar gewesen, so wurde der Tarrenzer Tierarzt Andrea­s Lanbach um Assistenz mit seinem Betäubungsgewehr gebeten. „Ich eilte zweimal an den Ort des Geschehens und musste mehrere Hunde betäuben oder mit der Schlinge einfangen“, schilderte Lanbach seine Gemeinschafts­einsätze mit den Tierschützern. Zwei Hunde wurden zudem in den Schneebergen tot aufgefunden. Nach der Erst­untersuchung im Tierheim Mentlberg wurden die Tiere auf die Heime Innsbruck, Wörgl und Reutte aufgeteilt.

Für den Tarrenzer Dorfchef ist diese Tragödie aber auch gleichzeitig die Chance eines Neubeginns: „Die Ziegen konnten wir im Dorf unterbringen. Ich bin mit Ott­o in permanentem Kontakt und sehe Signale, dass er nun seine Lebenssituation ändert. Immerhin unterschrieb s’ Ottol­e im ersten Schritt eine Verzichtserklärung, damit wir auch rechtlich gedeckt sind.“ Nach der Entsorgung des üppig angefallenen Mülls strebt man nun die Resozialisierung und Aufräumung an. Köll: „Ich glaube und hoffe, er geht nicht mehr hinaus. Früher brachten ihn keine zehn Pferde von seinem Fleckchen weg, jetzt zeigt er sich sehr kooperativ.“ Nun ist die Gemeinde­führung auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung inklusive Pflege für den Mindestsicherungsempfänger. Man werde sich jedenfalls um das „Ottole“ kümmern. Indes möchte sich die TSV-Obfrau, die vom größten Einsatz seit Februar 2014 spricht, „beim hilfsbereiten Tierarzt und bei den eigenen Mitarbeitern, die mit großem Einsatz die Situation gemeistert haben“, bedanken.

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