Weicher „Stehaufmännchen“-Roboter hüpft halben Meter weit

Zürich (APA/sda) - Ein neuer Roboter kann sich selbst aufrichten und bis zu einen halben Meter weit hüpfen. Der „Stehaufmännchen“-Roboter is...

Zürich (APA/sda) - Ein neuer Roboter kann sich selbst aufrichten und bis zu einen halben Meter weit hüpfen. Der „Stehaufmännchen“-Roboter ist weich und somit für Interaktionen mit dem Menschen optimal geeignet, wie Schweizer Forscher im Fachjournal „Soft Robotics“ berichten. Den kugelförmigen Prototypen nannten sie „Roly-Poly“ - englisch für Stehaufmännchen, jene kegelförmigen, sich selbst aufrichtenden Spielzeuge.

„Dies ist die einfachste technische Lösung für eine sich selbst aufrichtende Maschine“, sagte Studienleiter Wendelin Stark von der ETH Zürich. Der Roboter komme so ohne komplexe Regelung oder Elektronik aus. Auch für die Fortbewegung setzte Stark auf „die eleganteste Lösung“, nämlich die von Grashüpfern: „Sie springen einfach statt auf Rädern zu fahren.“ Damit ist der nur zwei Kilogramm schwere Roboter auch auf holprigem Terrain einsatzfähig.

Bauteile von „Roly-Poly“ sind eine Plastikschüssel, Ventile und Gaskartuschen für Schlagobersspender, sowie eine durch 3D-Druck geformte Silikonschale. Durch ein Loch in der Schüssel schaut eine Videokamera Marke Modellbau heraus, eine Antenne und ein dünner Auspuff stehen seitlich ab.

Antrieb ist ein Verbrennungsmotor, der in der Silikonhälfte versorgt ist und mit einem Mix aus Lachgas, Propan- und Butangas funktioniert. „Verbrennen ist enorm schnell und setzt in Kürze auf kleinem Raum enorme Energie frei“, erklärte Stark. Damit sei es elektrischen Batterien überlegen.

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Wenn der Motor zündet, dehnt sich das Gas explosionsartig aus, buchtet die Silikonmembran auf der Unterseite aus und stößt den Roboter von der Erde ab. Der 18 Zentimeter große „Roly-Poly“ hüpft derzeit etwa 20 Zentimeter hoch und bis zu 50 Zentimeter weit und richtet sich danach von selbst wieder auf.

Bisher hält der Roboter indes nur gut zwei Minuten durch, was „für den Außengebrauch klar inakzeptabel“ sei, schrieben die Forscher in dem Fachartikel. Die Schlagobersspender-Ventile waren nicht dicht genug.

Was wie eine Spielerei für große Buben klingt, ist tatsächlich zukunftsgerichtete Technologie: Roboter sollen dort zum Einsatz kommen, wo es für Menschen zu schwierig, zu gefährlich oder zu langweilig ist, erklärte Stark. Sie messen, untersuchen oder holen und bringen Dinge.

Weiche Roboter würden heute als überlegen angesehen, wenn es um Anwendungen im Umfeld von Menschen oder Tieren oder um das Hantieren mit empfindlichen Dingen geht - zum Beispiel das Greifen von rohen Eiern.


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