E.ON macht mit Rekordverlust vor Umbau reinen Tisch

Düsseldorf (APA/Reuters) - E.ON-Chef Johannes Teyssen treibt nach einem Rekordverlust die geplante Aufspaltung des größten deutschen Versorg...

Düsseldorf (APA/Reuters) - E.ON-Chef Johannes Teyssen treibt nach einem Rekordverlust die geplante Aufspaltung des größten deutschen Versorgers voran. „Was wir vorhaben, ist nicht nur die größte Unternehmensabspaltung, die jemals in Deutschland stattgefunden hat, sondern auch eine der größten weltweit im Energiesektor“, sagte der Manager am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf.

„Überall im Konzern wird daran gearbeitet.“ Mit einem Fehlbetrag von 3,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr musste der 55-Jährige allerdings auch den höchsten Verlust eines börsennotierten Versorgers in der Geschichte der Bundesrepublik verkünden. Ursache waren vor allem Abschreibungen auf Kraftwerke, die wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise weniger wert sind.

Insgesamt schrieb der Konzern mehr als 5 Mrd. Euro ab. Dies betraf vor allem Kraftwerke in Großbritannien, Schweden und Italien. E.ON versucht damit, noch vor der 2016 geplanten Aufspaltung reinen Tisch zu machen und sich damit auch Spielraum für künftige Wertsteigerungen zu schaffen. Abschreibungen könnten je nach Lage auch rückgängig gemacht werden, betonte Finanzchef Klaus Schäfer. „Das kann in der Zukunft auch nach oben und nach unten gehen.“ In einem Jahr wird der bisherige Konzern zum letzten Mal eine Bilanz vorlegen, ehe sich E.ON voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte selbst zerlegt.

„Wir haben einen Prozess aufgesetzt, der die Abspaltung der neuen Gesellschaft in allen rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekten sorgfältig und systematisch vorbereitet“, berichtete Teyssen. Details will der Energieriese, der im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss der Konzerne Veba und Viag hervorging, im Laufe des zweiten Quartals bekanntgeben.

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Künftig werden bei E.ON rund 40.000 der 60.000 Mitarbeiter beschäftigt sein. Neben dem Ökostrom sollen unter anderem auch die Strom- und Gasnetze sowie das Vertriebsgeschäft dazugehören. Der Vorstand geht davon aus, dass dieser Konzern im Dax gelistet bleibt. Für das zweite Unternehmen ist das nicht sicher. In der neuen Gesellschaft mit rund 20.000 Beschäftigten bündelt der Versorger die Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke mit dem Öl- und Gasgeschäft, dem Energiehandel und der Russlandtochter.

Beide Firmen sollen ihren Sitz in der Region Rhein/Ruhr haben. „Der weitaus größte Teil unserer Mitarbeiter weiß, wo er ab dem nächsten Jahr arbeiten wird“, betonte Teyssen. Zu seiner eigenen Zukunft äußerte er sich nicht. „Erst kommen die Sach- und dann die Personalentscheidungen.“ Er führt den Versorger seit 2010. In der Branche werden auch Finanzchef Schäfer und der beim Konkurrenten RWE abgeworbene Vorstand Leonhard Birnbaum als Kandidaten für die Chefposten gehandelt. Teyssen könne in den Aufsichtsrat wechseln.

Mit dem Fundamental-Umbau zieht E.ON auch die Konsequenzen aus der Energiewende. Diese setzte dem Konzern 2014 gehörig zu. Im operativen Geschäft fiel der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um neun Prozent auf 8,3 Mrd. Euro. Im neuen Geschäftsjahr rechnet E.ON mit weiteren Einbußen. Das EBITDA werde wohl zwischen 7,0 und 7,6 Mrd. Euro liegen. Der Konzern will für 2015 wie bereits für 2014 eine Dividende von 50 Cent je Aktie zahlen.

Mit dem Rekordverlust von über 3 Mrd. Euro übernehmen die Düsseldorfer die „Rote Laterne“ vom Essener Versorger RWE. Der Konzern hatte 2013 einen Verlust von 2,8 Mrd. Euro eingefahren. RWE hatte die Abschreibungen auf seine Kraftwerke damals vorgenommen und war trotz operativer Einbußen 2014 unter dem Strich wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Den Energieriesen machen wie der gesamten Branche die gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Diese sind wegen des Ökostromausbaus und der Überkapazitäten an Kraftwerken auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen.

E.ON hatte die hohen Abschreibungen bereits im Dezember angekündigt, so dass der Markt nicht mehr überrascht war. Die Aktie legte im Handelsverlauf sogar um 1,5 Prozent zu. Dennoch muss das Management mit seiner Strategie noch Überzeugungsarbeit leisten. Ob die beiden Teile einzeln mehr wert seien als zusammen, bleibe abzuwarten, erklärten die Experten von Equinet. Es fehlten viele Details. Für Anleger gebe es jedenfalls keinen Grund zur Eile, um auf eine Verbesserung der Lage zu setzen.

~ ISIN DE000ENAG999 WEB http://www.eon.com/ ~ APA449 2015-03-11/15:06


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