„Geschichten aus dem Wiener Wald“: HK Grubers Oper in Wien mit Epilog

Wien (APA) - Wienerwald statt Bregenzerwald. Knapp acht Monate nach ihrer Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen kommt HK Grubers Oper „...

Wien (APA) - Wienerwald statt Bregenzerwald. Knapp acht Monate nach ihrer Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen kommt HK Grubers Oper „Geschichten aus dem Wiener Wald“ nach dem berühmten Stück von Ödön von Horvath am Samstag (14.3.) nun endlich in das Theater an der Wien. Wieder im Dirigat des Komponisten, ohne eine einzige Umbesetzung, aber doch mit einer Neuerung: In Wien wird ein Epilog hinzugefügt.

Eine „fulminante Uraufführung“ nannte es die „FAZ“. Gruber beweise „seine geschickte Theaterpranke, die jedoch noch mehr Krallen hätte zeigen dürfen“, befand „Die Presse“. „Von Scheitern kann nicht die Rede sein, nur wirkt Horvaths Stück als große Oper eingesperrt, weniger beißend, erstarrt, langweilig und harmloser“, schrieb die „Kronen Zeitung“, während die „Wiener Zeitung“ einräumte: „Diese Musik hat Macht.“

So uneins die Kritik im Detail war, in einem waren sich jedoch alle einig: Dem Komponisten war ein außerordentliches Stück Musiktheater gelungen. „Ja, und natürlich biedert sich HK Gruber an, schmiegt und schmeißt und schleimt sich mit Wonne ans verlogene Wiener Gemüt“, war in der „Welt“ zu lesen. „Ihm ist eine zerborsten melodieselige, raffiniert rhythmisierte, wimmernde, bibbernde, klappernde, klirrende Partitur gelungen, die man sich erst einmal trauen muss.“

„Ich mag die Musik. Ich habe großen Respekt davor, was da erarbeitet wurde“, sagt Cornelia Rainer. Die Lienzerin ist als Regisseurin an dem „Wiener Wald“-Abend beteiligt. Sie hat jedoch nichts mit dem zu tun, was auf der großen Bühne passiert - die Inszenierung von Michael Sturminger, der auch selbst das Horvath-Stück zum Libretto verdichtet hatte, wurde bei der Transferierung der Koproduktion nach Wien unverändert gelassen. Dem Abend wird jedoch ein Epilog hinzugefügt, eine Wiederbegegnung mit Marianne, die Rainer in der „Hölle“ im Untergeschoß des Hauses inszeniert und jeweils um 22 Uhr beginnt. „Erleben Sie unmittelbar nach Ende der Oper, was aus Marianne geworden sein könnte“, wirbt das Theater an der Wien und lockt unermüdliche Besucher mit Kombi-Karten.

Warum soll man tatsächlich nach fast drei Stunden Oper noch im Theater bleiben? „Marianne wird aus der Gesamt-Konstellation herausgehoben und ins Rampenlicht gerückt. Man gewinnt Abstand und kann die Geschichte aus der Perspektive einer Figur neu ordnen“, argumentiert Rainer im APA-Gespräch. „Aber es funktioniert auch unabhängig von der Oper und vom Stück. Es braucht keine Vorkenntnisse.“

Als Epilog dient der Monolog „Fahrt ins Glück“ von Angela Schneider, der Marianne ein paar Jahre später als Gattin des Fleischhauers Oskar zeigt, dessen Liebe sie tatsächlich nicht entgangen ist. Schauplatz ist ein Spielplatz, denn sie hat nach dem kleinen Leopold, der sich in der Wachau in der von der Großmutter absichtsvoll herbeigeführten Zugluft den Tod geholt hatte, offenbar noch einen Sohn bekommen.

Anders als in Elfriede Jelineks bekannter Ibsen-Fortschreibung „Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte“ aus 1979 ist Marianne die Emanzipation nicht geglückt. „Im Text ist nicht angelegt, dass hier ein Fortschritt passiert wäre“, gibt Rainer zu. „Er ist eine Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung, wie ein einziger langer Gedanke, der zur Ruhe kommen will.“

Die Schauspielerin Petra Morzé kehrt mit dieser älter gewordenen Marianne zu einer Rolle zurück, die sie vor über 20 Jahren unter der Regie von Karlheinz Hackl im Theater in der Josefstadt gespielt hat. Und auch für die 1982 geborene Regisseurin, die im Vorjahr mit dem „outstanding artist award“ ausgezeichnet wurde und zuletzt „Die sieben Todsünden“ in Erl inszeniert hat, schließt sich ein Kreis: „Meine erste Regiearbeit als Assistentin am Burgtheater war ein Monolog mit Cornelius Obonya. Das von mir selbst geschriebene Stück hieß ‚Heimfindevermögen‘ und handelte von Brieftauben. Es war auch wirklich eine Brieftaube im Einsatz.“ Das Stück endete damit, dass diese Brieftaube davonflog. Der Clou war, dass es sich genau umgekehrt verhielt: „Die Taube ist tatsächlich jeden Abend nach der Vorstellung nach Hause geflogen...“

(S E R V I C E - „Geschichten aus dem Wiener Wald“, Oper von Heinz Karl Gruber, Text nach Ödön von Horvath, Libretto von Michael Sturminger. Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen. Wiener Symphoniker, Musikalische Leitung: HK Gruber, Regie: Michael Sturminger, Bühne und Kostüme: donmartin supersets - Renate Martin & Andreas Donhauser, Mit: Ilse Eerens - Marianne, Daniel Schmutzhard - Alfred, Jörg Schneider - Oskar, Angelika Kirchschlager - Valerie, Albert Pesendorfer - Zauberkönig, Anke Vondung - Mutter, Anja Silja - Grossmutter, Michael Laurenz - Erich, Markus Butter - Rittmeister / Beichtvater, David Pittman-Jennings - Mister, Alexander Kaimbacher - Der Hierlinger Ferdinand, Robert Maszl - Havlitschek, u.a.; Epilog zum Wiener Wald: „Fahrt ins Glück“, Szenischer Monolog von Angela Schneider; Inszenierung: Cornelia Rainer, Ausstattung: Stefanie Muther, Tondesign Karl Stirner. Mit Petra Morzé. Premiere: Samstag, 14. März, 19 Uhr bzw. 22 Uhr (Epilog), Weitere Vorstellungen: 16., 18., 21., 23. März, Karten: 01 / 58885; www.theater-wien.at)


Kommentieren