Blatt: Orban soll gesellschaftlicher Geheimdienstkontakt gewesen sein

Budapest (APA) - Es existiere eine Karteikartei, wonach der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban während seines Armeedienstes 1981/82 e...

Budapest (APA) - Es existiere eine Karteikartei, wonach der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban während seines Armeedienstes 1981/82 ein so bezeichneter „gesellschaftlicher Kontakt“ des kommunistischen Militärgeheimdienstes gewesen sein könnte. Das schrieb die Wochenzeitung „HVG“ am Donnerstag. Es sei daraus jedoch nicht zu rekonstruieren, ob Orban als Soldat dem Geheimdienst auch Berichte lieferte.

In einem ehemaligen Wörterbuch der Staatssicherheit werden „gesellschaftliche Kontakte“ erklärt als dem Sozialismus treu ergebene Personen, die auf Ersuchen oder freiwillig den Organen der Staatssicherheit ständig helfen und diese informieren. Ohne Beweise für die Orban-Karteikarte vorzulegen schrieb „HVG“, die Staatssicherheit habe diese sogenannten „A“-Kartons über die „gesellschaftlichen Kontakte“ der Militärischen Abwehr geführt und bis zu zehn Jahre nach Ende des Militärdienstes aufbewahrt.

Über Orban, der in der Kaserne in Zalaegerszeg diente, sei nur deswegen ein solches Dokument bis heute erhalten geblieben, da „die Wende dazwischen kam“. „HVG“ nannte auch den Namen des Abwehroffiziers Mihaly Major, der 1981/82 mit Orban in Kontakt gestanden sein und dessen „A“-Karton ausgefüllt haben soll. Demnach sei Orban am 20. Oktober 1981 „gesellschaftlicher Kontakt“ geworden und dies bis zur Beendigung seines Militärdienstes im August 1982 geblieben. Laut „HVG“ lebt der Ex-Offizier Mihaly Major noch heute in Zalaegerszeg; er wolle sich jedoch nicht vor der Presse äußern.

„Gesellschaftliche Kontakte“ galten laut „HVG“ zumeist als Personen, die dem Militärischen Abwehrdienst freiwillig halfen, als gute Informationsquellen betrachtet wurden, wobei es nicht sinnvoll gewesen sein soll, sie als vollwertige Agenten zu nutzen. Sie erstatteten demnach meist mündlich Bericht. Die Informationen wurden von Offizieren notiert und an Vorgesetze weitergegeben. Die „gesellschaftliche Kontakte“, so „HVG“ weiter, seien nicht angeworben worden, sondern seien per Auftrag tätig gewesen. Daher habe es keine Verpflichtung gegeben, dass ein Agent eine Kooperationserklärung unterzeichnet. Auf diese gebe es weder Unterlagen über eine Anwerbung noch über eine Mitarbeit.

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Aus bisher bekannten Dokumenten geht hervor, dass es dem kommunistischen Geheimdienst nicht gelang, Orban als Spitzel anzuwerben. Orban war jedoch Anfang der Woche von einem ehemaligen Vertrauten, dem Oligarchen Lajos Simicska, beschuldigt worden, möglicherweise einst inoffizieller Geheimdienstinformant gewesen zu sein. In einem Interview mit dem Online-Portal Mandiner.hu erzählte Simicska, in der Zeit ihres gemeinsamen Militärdienstes habe sein Freund Orban ihm gestanden: „Schau Lajos, ich muss über Dich berichten.“ Orban reagierte am Montag mit den Worten, aus Simicska spreche nur das Gefühl, persönlich beleidigt worden zu sein. Er bedauere, dass sein früherer Freund so „tief gesunken“ sei und „derartig niedrige Anschuldigungen“ erhoben habe.


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