Veranlagung für Assekuranz wegen Niedrigzinsen immer schwieriger

Wien (APA) - Die Versicherungswirtschaft tut sich angesichts der niedrigen Zinsen immer schwerer, die Kundengelder ertragreich anzulegen, um...

Wien (APA) - Die Versicherungswirtschaft tut sich angesichts der niedrigen Zinsen immer schwerer, die Kundengelder ertragreich anzulegen, um die Zinsversprechen zu erfüllen. Durch die EZB-Politik werde immer mehr außerhalb Europas veranlagt werden müssen. Die Branche werde die Aktienquote wieder hochfahren und stark in Infrastruktur investieren, erwarten UNIQA-Experten.

Problem in der klassischen Lebensversicherung sei, dass vom Überschuss, der über den Garantiezins hinaus erwirtschaftet wird, 85 Prozent an den Versicherungsnehmer gehen müssen. Es gebe in dieser Sparte „deutlich mehr Risiko auf der Aktivseite. Verdienen wir gut, gehören 85 Prozent dem Versicherungsnehmen. Geht es schief, zahlt es zu 100 Prozent der Aktionär“, sagte Chief Investment Officer (CIO) Hannes Bogner am Donnerstagabend.

UNIQA Österreich und die konzerneigene Raiffeisen Versicherung bieten in Österreich klassische Lebenspolizzen seit einiger Zeit ohne Garantiezins an. Traditionell wolle der kontinentale Kunde aber, anders als etwa der britische, Garantien, „obwohl die etwas kosten“, meinte der fürs Group Asset Management zuständige Prokurist Arnd Münker.

Das „politische Niedrigzinsumfeld in Europa“, das vermutlich noch ein, zwei, drei Jahre anhalten werde, mache es für die Assekuranz „durchaus herausfordernd“, gute Erträge zu erwirtschaften, so Bogner. Alleine die jeweiligen Benchmarks zu übertreffen reiche nicht, dann sei man im schlimmsten Fall noch immer im Minus. Anfang der 1990er Jahre, als er zum Vorgänger Bundesländer-Versicherung gekommen sei, habe man zu Jahresanfang Staatsanleihen mit 8 Prozent Verzinsung gekauft „und den Rest des Jahres nur noch die Kupons geschnitten“.

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Verstärkt auf Aktien setzen könnten die Versicherungen nur bedingt, da dies mit zu bis zu 49 Prozent Risikokapital zu unterlegen sei, bei Immobilien nur mit 25 Prozent, so Bogner. Wegen der stabilen Cashflows und der speziell zur Lebensversicherung passenden langen Laufzeiten werde die Branche künftig stark in Infrastruktur investieren - soziale Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser), aber auch Netze (Gas, Strom, Wasser) und Transportwege, auch Straßen.

„Binnen fünf Jahren wollen wir ein Infrastruktur-Finanzierungs-Portfolio von bis zu einer Milliarde Euro aufbauen mit dem Fokus auf Europa“, sagte der UNIQA-Vorstandsdirektor. Im Transport-Sektor suche man Möglichkeiten einer Bereitstellungs-Fee, keine von Verkehrsmengen abhängige (Maut-)Modelle. Equities, also Beteiligungen, strebe man hier nicht an, nur Finanzierungen. Das könne über Kredite oder Bond-Emissionen erfolgen. Derzeit übersteige die Nachfrage das Angebot an geeigneten Infrastruktur-Projekten deutlich, das werde sich aber ändern.

Speziell in der Sparte Leben, wo sehr langfristig veranlagt wird und Zinszusagen einzuhalten sind, wird in der Branche der Liability-Driven-Investment-Ansatz (LDI) angewendet, also eine Orientierung an den Verpflichtungen. Dementsprechend konservativ seien auch die Anlageportfolios. In der Krankenversicherung gebe es zumindest die Möglichkeit, jährlich die Prämien anzupassen. In der Sachsparte sei die Passivseite von der Schadenabwicklung abhängig, in die Veranlagung könnten hier aber mehr riskante Assets hereingenommen werden, da es keine Garantieverpflichtung gebe.

Zentrales Kapitalmarktrisiko in der Veranlagung sei das Zinsveränderungsrisiko - hier müssten Assets und Verbindlichkeiten, aber auch die Laufzeiten (Duration) von Aktiva und Passiva aufeinander abgestimmt sein. Bogner: „Das ‚gap‘ ist möglichst gering zu halten, damit das nötige Risikokapital möglichst niedrig bleibt.“ Wegen der hohen Risikokapitalerfordernisse und des „gap“ baut die UNIQA ihren Immo-Bestand weiter ab von früher 10 auf 7 Prozent aller Anlagen. Da ohne Laufzeit seien Immos was diesen Aspekt betrifft wie Aktien zu behandeln.

Eine allein handelsrechtliche Sicht auf die Bewertungen von Verpflichtungen von Versicherungen habe gezeigt, dass oft „vorsichtig nicht vorsichtig genug“ gewesen sei, etwa beim Zinsrisiko, sagte der fürs Group Asset Management der UNIQA zuständige Arnd Münker. Mit IFRS werde schon realitäts- und marktnäher bewertet, doch seien künftige Entwicklung unzureichend berücksichtigt: „Die ökonomische Bewertung der Liabilities fehlt, die ist nur zu den Buchwerten drinnen.“ Erst Solvency II ermögliche eine marktkonsistente Bewertung samt Rücksicht auf die Zukunft, werde inzwischen auch aufsichtsrechtlich angewandt und sei die Basis für die interne Steuerung.

Seien in einer Marktwertbilanz die Assets auch in adversen Szenarien höher als die Liabilities, könne erwartet werden, dass der Versicherer nachhaltig solvent sei. „Wenn die Eigenmittel sinken, habe ich das Signal, dass ich etwas tun muss, um das Portfolio zu optimieren“, so Münker: „Die Solvabilitätsquote sind die Eigenmittel am aktuellen Kapitalmarkt, die von Zinsen abhängig sind, gegenüber den Veränderungen im adversen Szenario.“

Bei der UNIQA wird der LDI-Ansatz schon seit 2011 verfolgt, ein Jahr bevor Münker von Ergo Deutschland zum Konzern gestoßen ist. LDI schaffe die Basis für ein effizientes Kapitalmanagement unter Solvency II und habe zum Beispiel im Jahr 2013 bei der UNIQA zu einer Reduktion des Marktrisikokapitals um 136 Mio. Euro geführt.

~ ISIN AT0000821103 WEB http://www.uniqagroup.com ~ APA067 2015-03-13/08:50


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