Der Baustopp in der Reichenau schweißt zusammen

Durch das anhaltende Reichenauer Warten solidarisieren sich Innsbrucks Sportvereine.

Stadtderbys gegen den SVI (rechts Manuel Niederkircher) finden für die Reichenauer um Alex Mader vorerst ohne Heimvorteil statt.
© Thomas Böhm

Von Florian Madl

Innsbruck – Wer einem Innsbrucker Stadtderby beiwohnt, kann sich von einer über Jahrzehnte gewachsenen Rivalität ein Bild machen. Mag sein, dass man im Ligakeller herumdümpelt, aber der Nachbar soll zumindest nicht am Stammtisch die Hoheit haben. Da kam es zuletzt doch unerwartet, dass bedingt durch den Neubau der Reichenauer Sportanlage ein Schulterschluss erfolgte. „Realistischerweise werden wir wohl erst im Frühjahr 2016 den Regelbetrieb aufnehmen“, glauben der für Sportagenden zuständige Innsbrucker Vizebürgermeister Christoph Kaufmann und sein Mitstreiter, Reichenau-Obmann Gernot Amoser. Ein beeinspruchtes Flächenwidmungsverfahren muss in den Gemeinderat, ins Landhaus. Und bis alles verbrieft und versiegelt sei, werde sich das Jahr 2015 bereits dem Ende zuneigen. Zwei Kampf- und elf Nachwuchsmannschaften harren indes der Dinge, sie tun das allerdings ohne Heimstätte. Und hier setzt ein, was sich angesichts hitziger Derbys nicht jeder vorgestellt hätte: Alle bieten ihre Hilfe an. Die Wiesengasse (SVI) öffnet ihre Pforten, am Besele (Wilten, Veldidena) steht das Gatter offen, der ASKÖ-Platz (IAC) ist nicht mehr Hoheitsgebiet eines Rivalen, das Fennerareal (Union) bietet sogar der Kampfmannschaft Raum für deren Begegnungen. „Was hier vor sich geht, freut mich ungemein“, kommentiert Obmann Amoser die Solidaisierung. Und auch das Verständnis der Anhänger, der Sponsoren stellt für ihn ein klares Bekenntnis dar, „ohne das wir das Ganze nicht schaffen würden“. Schließlich müsse man ohne die Einnahmen aus den Heimspielen (Matinee) und dazu ohne geeignete Werbeflächen einen Spielbetrieb garantieren, einfach sei das nicht. „Wir schaffen das, weil wir gut gewirtschaftet haben.“

Was Amoser nicht verhehlt: Man schafft es auch aufgrund des Umfelds. „Manche bestanden darauf, VIP-Karten zu bezahlen, obwohl wir ihnen dieses Service gar nicht anbieten können.“ Der Begriff Spende wird dem wohl eher gerecht.

Es wird kein einfaches Jahr 2015 für die Reichenau. Aber es wäre wohl ungleich schwerer, wenn die Heimatlosen nicht Herberge und Verständnis finden würden. Vielleicht lässt sich das ja irgendwann zurückgeben.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Kommentieren


Schlagworte