Tiroler Firma von Infrarotkabinen setzt „auf Klasse statt Masse“

Billig-Produkte aus Asien verändern den Markt bei Infrarotkabinen, erzählen Heinz Günther und Patrick Tschitschnig von HGT.

Vater und Sohn: Heinz Günther (l.) und Patrick Tschitschnig.
© Thomas Boehm / TT

Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt sich HGT mit Infrarotkabinen. Wie haben sich diese Kabinen verändert?

Heinz Günther Tschitschnig: Die ersten Kabinen wurden schon 1964 in Japan gebaut. Wir haben diese Idee aufgegriffen und sie weiterentwickelt. Schon immer wurden unsere Kabinen aus kanadischem Zedernholz gefertigt. Die herkömmlichen Keramikstrahler ersetzten wir im Jahr 2000 durch neue verbesserte Strahler, die wir mit unserem Partner entwickelt haben. Mitbewerber verwenden jedoch noch immer die Keramikstrahler.

Wie hat sich die Branch­e verändert?

Patrick Tschitschnig: Am Anfang war die Infrarotkabine ein Nischenprodukt, es hat nur sehr wenige Anbieter gegeben. Mit der Zahl der Anbieter wuchs auch die Bandbreite bei Qualität und Ausstattung. Sie unterscheiden sich durch den Wirkungsgrad, das heißt wie die Strahler gesteuert werden und welche Strahler verwendet werden. Man merkt den Unterschied sofort zwischen einer HGT- und einer Billigkabine.

Wie viele Anbieter gibt es inzwischen auf dem Markt?

Heinz Günther Tschitschnig: Sicher Hunderte. In Asien werden die Billigkabinen produziert, die in Baumärkten oder Discountern verkauft werden. Da wird versucht, auf einen Trend aufzuspringen. Wer beim Preis spart, spart natürlich auch an der Qualität: Es wird billiges Holz verarbeitet und einfache Infra­rotheizstrahler.

Spürt man diese Konkurrenz bei HGT?

Patrick Tschitschnig: Die Verunsicherung der Bevölkerung ist größer geworden. Der Konsument verliert leicht den Überblick bei der Vielzahl der Angebote. Unser Beratungsaufwand ist dadurch gestiegen.

Welche Trends gibt es bei Infrarotkabinen?

Patrick Tschitschnig: Das Design der Kabine wird immer wichtiger, da sie nicht mehr im Keller steht, sondern in den Wohnbereich integriert ist, zudem sind Kombinationslösungen mit Saunafunktion und Sole-Inhalation auf dem Vormarsch.

Heinz Günther Tschitschnig: Die klassische Ein-Personen-Kabine ist immer weniger gefragt. Der Konsument hat mehr Platz und wünscht sich mehr Komfort, damit er die Kabine mit seiner ganzen Familie benützen kann.

HGT ist ein Familienunternehmen. Was ist das Besondere daran?

Patrick Tschitschnig: Wir sind deutlich flexibler, da wir auf keinen großen Apparat Rücksicht nehmen müssen.

Heinz Günther Tschitschnig: Henry Ford meint­e einmal: „Ein Produkt zu verkaufen, ist nicht der Abschluss eines Geschäfts, sondern der Beginn einer Beziehung.“ Und das möchten wir bei HGT leben. Nicht um die Masse geht es uns, sondern um Klasse.

Wie soll sich HGT in den nächsten fünf Jahren weiterentwickeln?

Patrick Tschitschnig: Wir möchten unseren Qualitätsanspruch noch stärker herausarbeiten. Wir werden nie ein Massen­anbieter werden, sondern ein Prämiumanbieter bleiben. Derzeit liegt unsere Exportquote bei rund 10 Prozent. Wir möchten sie Richtung 30 Prozent steigern. Der deutschsprachige Raum und Italien kommen dafür in Frage.

Das Gespräch führte Frank Tschoner.


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