IS - Ungewöhnliche Allianz im Kampf gegen den Islamischen Staat

Tikrit (AFP) - Mit seinem Kampfanzug mit den Tarnflecken und dem grünen Stirnband verkörpert Nawar Mohammed den typischen Schiiten-Kämpfer i...

Tikrit (AFP) - Mit seinem Kampfanzug mit den Tarnflecken und dem grünen Stirnband verkörpert Nawar Mohammed den typischen Schiiten-Kämpfer im Irak. Mit einem entscheidenden Unterschied: Mohammed ist Sunnit. Er ist einer von rund 250 sunnitischen Bewohnern des Ortes Al-Alam nördlich von Tikrit, die sich der vom Iran unterstützten schiitischen Miliz Asaib Ahl al-Haq angeschlossen haben.

Die Miliz ist für Entführungen und Angriffe auf Sunniten gefürchtet - und trotzdem kämpfen viele Sunniten nun an ihrer Seite gegen den gemeinsamen Feind, die Jihadisten der Gruppe Islamischer Staat (IS).

Bis vor Kurzem wäre es undenkbar gewesen, dass sich ein Mitglied der sunnitischen Minderheit im Irak einer Schiitenmiliz anschließen könnte. Doch der Kampf gegen den IS, der im vergangenen Sommer weite Teile im Norden des Landes überrannt hatte, hebt tief verwurzelte konfessionelle Trennungen auf. Und so kämpfte Mohammed in den vergangenen Tagen gemeinsam mit den Schiiten um die Befreiung seines Heimatortes aus den Händen der Jihadisten.

„Die ganze Welt wundert sich darüber - es ist das erste Mal in der Geschichte der Asaib-Miliz, dass sie eine sunnitische Einheit gebildet haben“, sagt Mohammed. „Die Asaib hat uns ausgebildet, und wir sind ein Teil von ihr geworden. Ob Asaib, Sunnit oder Schiit - da gibt es keinen Unterschied. Der Kampf eint den Irak.“

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Der Einsatz sunnitischer Kämpfer in schiitischen Milizen hat Vorteile für beide Seiten: Die Sunniten erhalten militärische Ausbildung und Unterstützung bei der Rückeroberung ihrer Heimatorte, die Schiitenmilizen können ihren durch konfessionelle Gewalt belasteten Ruf verbessern.

„Ziel der Gründung örtlicher Verbände in sunnitischen Gebieten ist es, konfessionelle Grenzen zu überwinden“, sagt Schiiten-Milizionär Hussein Abdulabbas. Durch ihre Ortskenntnis könnten die Sunniten zudem Vorteile im Kampf bringen. Der irakische Verteidigungsminister Khaled al-Obeidi begrüßt die Beteiligung der örtlichen Bevölkerung im Kampf um die Rückeroberung von Tikrit aus der Hand der Jihadisten als „sehr positive Botschaft an das irakische Volk“.

Jassem al-Jbara vom Sicherheitsausschuss der Provinz Salaheddin ist ebenfalls voll des Lobes: „Es sind die Söhne von Al-Alam selbst, die den Ort halten“, hebt er hervor. „Es gibt keine Plünderungen, keine Zerstörungen, keinen Vandalismus.“ So ist Al-Alam nach der Rückeroberung vom IS einer der am wenigsten beschädigten Orte.

Der Kommandant der sunnitischen Asaib-Einheit, Scheich Khaled al-Jbara, erwartet, dass sich der Trend fortsetzt: „Bis heute haben sich mehr als 600 junge Männer aus diesem Gebiet den Schiitenmilizen angeschlossen. Ich glaube, dies könnte ein heilsamer Prozess für den gesamten Irak sein.“


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