Tote bei Anschlägen auf Kirchen in Pakistan - Verdächtige gelyncht

Islamabad (APA/dpa/Reuters/AFP) - Bei einem Doppelanschlag der Taliban auf christliche Kirchen während des Gottesdienstes sind in der ostpak...

Islamabad (APA/dpa/Reuters/AFP) - Bei einem Doppelanschlag der Taliban auf christliche Kirchen während des Gottesdienstes sind in der ostpakistanischen Stadt Lahore mindestens 13 Menschen getötet worden. Zwei Selbstmordattentäter hätten am Sonntag zwei benachbarte Kirchen angegriffen, sagte ein Polizeisprecher. Als Wachleute die Taliban-Kämpfer am Eingang der Gotteshäuser stoppen wollten, hätten sie sich in die Luft gesprengt.

Außer den Attentätern seien elf Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei Kinder. Nach Krankenhausangaben wurden mehr als 80 Menschen verletzt. Die Zahl der Opfer könnte den Rettungskräften zufolge noch steigen.

Nach dem Doppelanschlag in dem verarmten Christen-Viertel Yohana Abad lynchte ein aufgebrachter Mob zwei Menschen, die beschuldigt wurden, den Attentätern geholfen zu haben. Die beiden Opfer seien bei lebendigem Leibe verbrannt worden, sagte ein Sprecher der Provinzregierung und fügte hinzu: „Das hätte nicht passieren dürfen.“ In Yohana Abad leben rund 100.000 Christen. Es ist die größte Ansiedlung der religiösen Minderheit in Pakistan.

Nach dem Doppelanschlag zogen Hunderte von ihnen durch die Straßen der Stadt und beklagten den mangelnden Schutz durch die Sicherheitskräfte. Premierminister Nawaz Sharif verurteilte die Tat und trug den Provinzregierungen auf, die Schutzmaßnahmen zu erhöhen, wie es in einer Erklärung seines Büros hieß.

Jamaat-ul-Ahrar, eine Splittergruppe der fundamentistischen Taliban in Pakistan übernahm die Verantwortung für die Anschläge. Die Bomben gingen mit wenigen Minuten Zeitverzögerung hoch. Ziele waren eine katholische und eine protestantische Kirche, die nicht weit voneinander entfernt liegen, wie die Polizei mitteilte.

Am Samstagabend waren bei einem Anschlag in Karachi, der größten pakistanischen Stadt, zwei Menschen getötet und zwölf weitere verletzt worden. Die Bombe war in einem Zementblock versteckt und wurde per Fernzündung auf einem Markt gezündet, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Unter den Verletzten seien zwei Kinder. Wer hinter dem Anschlag steckte und wem er galt, blieb zunächst unbekannt. In Karachi leben 18 Millionen Menschen.

Christen und Angehörige anderer Minderheiten - besonders Schiiten - sind in Pakistan immer wieder Ziel von Angriffen extremistischer Sunniten-Gruppen wie der Taliban. Bei einem Anschlag auf eine christliche Kirche in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar waren 2013 mehr als 80 Menschen getötet worden.


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