Widmung gibt altem Streit neuen Zündstoff
Seit Jahren sorgen in Zellberg ein künftiges Wohngebiet, in dem schon zwei Baubescheide erteilt wurden, sowie eine Quelle für Aufregung.
Von Angela Dähling
Zellberg –Eine Straßenkurve, die ohne Bewilligung errichtet wurde. Bäume, die ohne Bewilligung gefällt wurden. Ein Haus, das zwar einen Baubescheid, aber keinen Kanalanschluss hat, und der Kampf um die Sicherung einer Trinkwasserquelle. All das sind die Zutaten einer Streiterei in Zellberg, die seit Jahren andauert und auch die Gerichte beschäftigt. Und die jetzt neuen Zündstoff erhält, weil die Gemeinde das besagte Areal im neuen Raumordnungsentwurf als künftiges Bauland ausweist. Es liegt bis 25. März zur Begutachtung auf.
Aber der Reihe nach. Alles fing damit an, dass im Raumordnungskonzept von 2002 das Gebiet bereits als mittelfristige Baulandreserve eingetragen wurde, aber die seit 1983 im Wasserbuch eingetragene Stoffnerquelle darin und auch im Flächenwidmungsplan nicht berücksichtigt wurde. Sie versorgt mehrere Häuser mit Trinkwasser. 2013 stellte die Gemeinde zwei Baubescheide im besagten Hanggebiet aus. Einen Kanal gab es nicht. „Das Kanalprojekt war da in Verhandlung“, sagt BM Ferdinand Fankhauser. Die Quellbesitzer (sie wollen wie die anderen Beteiligten nicht namentlich genannt werden) erhoben Einspruch, weil ihre Quelle nicht gesichert sei, und das Kanalprojekt kam ins Stocken.
Eine Bauwerberin baute jedoch ihr Haus und die Gemeinde war damit gezwungen, ihr eine Fäkalgrube zu errichten. Der andere Grundbesitzer wartete mit dem Bau und erhielt schließlich diverse Auflagen. Einen Kanal gibt es noch immer nicht, der Baubescheid läuft demnächst aus. „Die Gemeinde hat uns aber eine Verlängerung zugesichert“, sagt die Grundbesitzerin.
Parallel wurde auf dem Areal die Rodung des Schutzwaldes und der Bau einer Zufahrtskehre ohne Baugenehmigung zum Fall für die Bezirkshauptmannschaft. Bereits 2007 wurden laut einem Bescheid auf der Parzelle 145 illegale Rodungen auf 4000 m² durchgeführt, laut Bescheid von 2014 sind auch auf der Nachbarparzelle 224 auf 1900 m² ohne Bewilligung durch den Sohn der betagten Grundverkäuferin Bäume gefällt worden.
Neben der Wiederaufforstung auf Parzelle 224 schrieb die Behörde 2014 auch den Rückbau des Weges vor. Auch deshalb, weil sie eine Beeinträchtigung der Stoffnerquelle befürchtete. Er habe aus Unwissenheit Fehler gemacht, räumt der Mann gegenüber der TT ein, und dass er heute von dem Projekt die Finger lassen würde. „Es kostete schon zu viel Geld. Jetzt muss ich es durchziehen“, sagt er. Dass seitens der Gemeinde auch einiges „unglücklich gelaufen“ sei, gesteht Bürgermeister Fankhauser. Trotz der Baulandausweisung im Raumordnungskonzept gehe das Rodungs- und Wegbauproblem die Gemeinde aber nichts an, meint er.
Im Stich gelassen fühlen sich die Nutzer der Stoffnerquelle. Sie wollen, dass ihre Trinkwasserquelle endlich gemäß Behördenbescheid gesichert wird, damit sie nicht durch Streusalz, Versickerungen von Öl etc. bei Bauarbeiten verunreinigt werden kann. Der Mann, dem die illegale Rodung vorgeworfen wurde, hat den Bescheid beeinsprucht – weil nicht er, sondern seine Mutter als Grundbesitzerin Adressatin desselben hätte sein müssen. Diesbezüglich bekam er Recht. Von mehreren Seiten wurde der TT bestätigt, dass Wegbau und Rodung nun im Nachhinein legalisiert werden sollen. Zudem wurde jetzt Klage eingereicht: Es soll festgestellt werden, ob die Wassernutzungsrechte, die die Nachbarn geltend machen, überhaupt vorhanden sind. „Jetzt wollen sie uns glatt noch die Quelle nehmen“, sind die Betroffenen empört.
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