Mit „Bio“ im Milchsee schwimmen

Eine Woche nach dem Aus für die Regulierung der Milchproduktion ist Leo Gapp aus Obsteig kaum beunruhigt. Der Bio-Bauer sieht die Chancen in der biologischen Wirtschaftsweise und der Heumilch.

Gutes Futter für die Bio-Milchproduktion. Benjamin Gapp muss zurzeit den verletzten Vater vertreten.
© Daum

Von Hubert Daum

Obsteig –Seit für die Produktion des weißen Lebenselixiers Milch mit 1. April der freie Markt gilt, sehen viele der rund 285 Milchbauern im Bezirk schwarz. Die Staaten mit ihren Tausenden Hektar ebenes Grünland – Gunstlagen genannt – würden den Milchmarkt überschwemmen, so die Vermutung. Auch Leo Gapp, Bio-Bauer in Obsteig, teilt diese Befürchtung: „Die Gesamtproduktion wird eher steigen und somit der Preis fallen. Folglich ist es nicht das Ziel, mengenmäßig zuzulegen“. Zu expandieren sei in unseren Tallagen auch oft nicht möglich. Gapp erinnert daran, dass der Milchpreis auch in früheren Zeiten temporär stark schwankte: „Ich habe Milchpreise von 20 bis 40 Cent pro Liter erlebt.“ Mit dem momentanen Preis sei er zufrieden: „Für uns hat sich eine glückliche Situation ergeben, weil die Tirol Milch seit einem Monat die rund 350 bis 400 Liter Bio-Milch meiner 23 Milchkühe am Plateau täglich gesondert sammelt.“ Der Bio-Sektor sei jener Bereich, in dem die Nachfrage größer ist als das Angebot. Der Preis sei deswegen konstant um rund zehn Cent pro Kilogramm höher, je nach Qualität. In den günstigeren Lagen im Unterland sei trotzdem alles einfacher: „Die Handelskette Hofer sammelt für ihre Marke „Zurück zum Ursprung“ in Kitzbühel und Kufstein die Bio-Milch eigens.“

Im Sinne des Nieschendenkens sieht der Obsteiger Bio-Bauer, der rund 20 Hektar Kulturland bewirtschaftet, noch eine vielversprechende Möglichkeit: die Heumilchproduktion. „Allerdings glaube ich nicht, dass bei uns in absehbarer Zeit eine bedeutende Menge davon angeboten werden kann, weil einfach schon zu viel mit Silage gearbeitet wird“, sieht Gapp dafür keine Chance in naher Zukunft, „die würde die Tirol Milch wahrscheinlich auch extra sammeln.“ Die Bedienung der Gastronomie sei wegen der gesetzlichen Bestimmungen eine schwierige Sache. In der Direktvermarktung sei allerdings die Nachfrage gewaltig. Am „Kastlehof“ produzieren die Gapps Joghurt, Topfen, Butter und einiges mehr. Dies sei jedoch so zeitintensiv, dass derartige Spezialitäten immer eine untergeordnete Rolle spielen würden.

Otmar Juen, Chef der Bezirkskammer Imst, kritisiert in diesem Zusammenhang erneut Bürokratie und Auflagen: „Die Direktvermarktung wäre ein wichtiges Standbein, auch im Milchsektor. Versuche aber zum Beispiel Butter zu produzieren, dann vergeht dir die Lust.“ Die Angst, dass die Almen auf Grund von Viehmangel veröden würden, teilt der Bezirksstellenleiter nicht: „Bisher war auch die auf der Alm produzierte Milchmenge eingeschränkt, jetzt gibt es kein Limit mehr. Die Almprodukte sind extrem gefragt, da könnte man auch mit dem Preis zulegen. Wenn die Bauern diese Möglichkeit realisieren, sehe ich sogar eine zusätzliche Chance.“ Die Beantragung der EU-Förderungen für die neue Periode sei zwar tendenziell rückläufig, das hieße aber nicht, dass die Stalltüre zufällt.

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