Rebellion im Prager Außenministerium gegen Ressortchef Zaoralek

Prag (APA) - Der tschechische Außenminister Lubomir Zaoralek sieht sich mit einer Rebellion im eigenen Ressort konfrontiert. Laut der Tagesz...

Prag (APA) - Der tschechische Außenminister Lubomir Zaoralek sieht sich mit einer Rebellion im eigenen Ressort konfrontiert. Laut der Tageszeitung „Lidove noviny“ (Montag-Ausgabe) protestieren die Gewerkschaften gegen die Personalpolitik Zaoraleks, der seit seinem Antritt vor einem Jahr 130 Leute ohne Auswahlverfahren in das Ministerium aufgenommen habe.

Die Gewerkschaften haben sich deswegen mit einem Brief an Zaoralek gewandt. „Wir betrachten die kürzliche Aufnahmewelle der neuen Mitarbeitern aufgrund von Ausnahmeregelungen und ohne ordentliches Auswahlverfahren als eine Verletzung der Regeln und auch als Umgehen des Beamtengesetzes, das am 1. Juli 2015 in Kraft tritt“, heißt es in dem Schreiben.

Außerdem behaupten die Kritiker, dass es sich bei den neuen Mitarbeitern um Leute handle, die Zaoraleks Sozialdemokratie (CSSD) nahestünden, hieß es. Zaoraleks Personalpolitik war bereits früher kritisiert worden, vor allem wird ihm eine „Über-Bürokratisierung“ vorgeworfen. Der Chef des außenpolitischen Ausschusses und frühere Außenminister Karel Schwarzenberg erklärte etwa, dass Zaoralek insgesamt neun Stellvertreter habe. Ihm selbst habe „ein Drittel davon gereicht“.

Außerdem protestieren die Personalvertreter dagegen, dass sich tschechische Diplomaten im Ausland künftig mit bis zu 12 Prozent am Schulgeld für ihre Kinder beteiligen müssen. Bisher wurden die Kosten zur Gänze vom Staat übernommen. Der Minister spare überall, wo es gehe, damit er die neu aufgenommenen Mitarbeiter bezahlen könne, so die Kritiker.

Eine Sprecherin des Außenministeriums wies die Kritik zurück. Die Beteiligung an dem Schulgeld betreffe nur Destinationen, wo es kein ausreichendes Netz an öffentlichen Schulen gebe. Die Ausgaben des Ministeriums seien in der jüngsten Zeit stark angestiegen, auch weil einige Diplomaten ihre Kinder in teure, private Eliteschulen geschickt hätten, hieß es.


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