Calexico und die Neugier auf fremde Kulturen

Wien (APA) - Calexico hatten bei den Aufnahmen zum neuen, am Freitag erscheinenden Album „Edge Of The Sun“ (Universal) so viele musikalische...

Wien (APA) - Calexico hatten bei den Aufnahmen zum neuen, am Freitag erscheinenden Album „Edge Of The Sun“ (Universal) so viele musikalische Gäste wie noch nie in der Geschichte der US-Gruppe. Außerdem ließ man sich erstmals in Mexiko inspirieren. „Neugierig auf andere Kulturen zu sein, ist ein natürlicher Instinkt“, sagte Joey Burns, einer der beiden Bandgründer, im Gespräch mit der APA in Wien.

Multikulturelle Einflüsse zeichnen seit 1996 den Sound der Formation aus. Berührungsängste sind den Masterminds Burns und John Convertino fremd - und sollten es generell sein, meinten sie: „Kinder leben uns das vor, sie haben keine Vorurteile.“ Auf „Edge Of The Sun“ veredeln US-Kollegen wie Ben Bridwell (Band Of Horses) und Sam Beam (Iron & Wine) die Stücke, aber auch internationale Musiker wie Multiinstrumentalisten der griechischen Band Takim oder die spanische Sängerin Amparo Sanchez.

Geplant sei der Gästeauflauf nicht gewesen, betonten Burns und Convertino: „Zuerst wurde das gesamte Material geschrieben und arrangiert. Bei der Fertigstellung der Lieder hatten wir die Idee, jemanden einzuladen, etwas beizusteuern. Dann dachten wir an den einen oder anderen weiteren Gastmusiker. Unser Keyboarder Sergio Mendoza wurde immer enthusiastischer und er schlug ständig weitere Personen vor. Wir machten uns schließlich einen regelrechten Spaß daraus, zu überlegen, zu welchem Song ein Gastmusiker passen würde.“

Manchmal habe er es sich nicht vorstellen können, dass jemand außerhalb der Band einem Lied noch zusätzliche Impulse geben könnte, meinte Burns. „Und dann wurde ich überrascht. Das war die Idee hinter dem Album: uns einfach treiben zu lassen, Dinge ausprobieren.“

Wie haben es Calexico geschafft, das neue Album trotz der stilistischen Vielfalt der Songs wie eine Einheit klingen zu lassen? „Ein aufregender Teil der Arbeit war die Songauswahl“, antwortete John. „Wir denken immer im klassischen Platten-Format, überlegen uns genau, was auf die A- und auf die B-Seite kommt. Wir tüfteln lange an der Reihenfolge der Lieder und an deren Auswahl. Irgendwann dachte ich, vielleicht sollten wir alle 20 Lieder auf die CD nehmen, weil im digitalen Zeitalter sich ohnehin jeder seine eigenen Playlisten macht. Am Ende sind wir doch wieder zum Vinyl-Format zurückgekehrt.“ Allerdings werden die übrigen Stücke als Bonustracks veröffentlicht.

Wichtige Impulse brachte eine Mexiko-Reise. „Wir hatten zehn Tage, eigentlich keine lange Zeit, aber lange genug, um ein Gefühl von den Leuten dort zu bekommen, einen Eindruck von der Örtlichkeit. Wir sind herumspaziert, waren mit Einheimischen aus, besuchten Clubs, ließen die Gegend auf uns wirken“, schilderte Joey. „Und wir haben Museen besucht“, ergänzte sein Kollege. Nachsatz von Burns: „Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Platte wirklich unsere Erfahrung dort wiedergibt, aber sie wurde zumindest davon inspiriert.“

Ein Thema, das Joey in den Texten verarbeitet hat, ist Migration. „Es ist wichtig auf den humanitären Aspekt hinzuweisen“, meinte der Musiker. „Immigration betrifft den gesamten Globus. Die USA wurden auf Immigration aufgebaut. Für mich als Amerikaner ist das seltsam, wenn ich lese, dass Familien geteilt werden, dass etwa ein Vater in sein Heimatland zurückgeschickt wird, der Rest der Familie da bleiben darf. Als Vater tut mir das noch mehr weh. Dieses Gefühl wollte ich mit dem Song vermitteln, da steckt keine politische Agenda dahinter. Ich kann auch keine Antworten anbieten.“


Kommentieren