Nach Atom-Deal: Jemen als neuer Streitpunkt zwischen Iran und USA

Die USA warnen den Iran vor der Unterstützung der Houthi-Rebellen, der Iran wiederum fordert das Ende der Luftangriffe im Jemen.

© EPA

Aden - US-Außenminister John Kerry hat den Iran davor gewarnt, weiter die schiitischen Houthi-Rebellen im Jemen zu unterstützen. Die USA würden dabei „nicht zusehen“, sagte Kerry am Mittwochabend. Der iranische Präsident Hassan Rohani forderte unterdessen das Ende der Luftangriffe. Seit zwei Wochen bombardiert Saudi-Arabien mit Unterstützung anderer arabischer Staaten die Rebellen im Jemen.

Kerry: „USA werden nicht zusehen“

Der Iran müsse begreifen, „dass die USA nicht zusehen werden, wie die Region destabilisiert wird oder wie Leute über internationale Grenzen hinweg in anderen Ländern offen Krieg führen“, sagte Kerry dem US-Fernsehsender PBS. „Jede Woche“ kämen Flugzeuge aus dem Iran in den Jemen. „Wir wissen das“, sagte Kerry.

Rohani warnte indes die USA, die gleichen Fehler wie in Syrien zu machen. „Ihr (USA) habt eure Fehler in Syrien eingesehen, das werdet ihr demnächst auch im Jemen einsehen“, sagte Rohani am Donnerstag. Auch forderte der iranische Präsident ein Ende der Luftangriffe: „Eine große Nation wie der Jemen wird sich durch Bombardements nicht unterwerfen lassen.“ Jemeniten sollten sich an den Verhandlungstisch setzen und dort selbst über ihre Zukunft entscheiden. Diese liege in den Händen des jemenitischen Volkes und nicht in den Händen anderer.

Bei den Angriffen würden zudem „unschuldige Kinder“ getötet. Alle Beteiligten sollten daher „über ein Ende des Krieges, einen Waffenstillstand und humanitäre Hilfe nachdenken“. Bei den Kämpfen im Jemen sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Mitte März fast 650 Menschen getötet und mehr als 2.220 weitere verletzt worden.

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Alter gegen neuen Präsidenten

Saudi-Arabien und mehrere weitere sunnitische Staaten hatten Ende März militärisch in den Konflikt im Jemen eingegriffen. Dort kämpft die schiitische Houthi-Miliz gegen die Führung von Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi. Die von Riad geführte Militärallianz steht auf der Seite von Hadi, die Houthi-Rebellen werden vom ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh und mutmaßlich vom Iran unterstützt.

Die USA unterstützen den Militäreinsatz gegen die Houthis. Wie ein Pentagon-Sprecher am Mittwoch mitteilte, betankte ein Flugzeug der US-Luftwaffe am Dienstagabend erstmals einen F-15-Kampfjet aus Saudi-Arabien und einen F-16-Kampfjet der Vereinigten Arabischen Emirate in der Luft. Künftig werde es täglich solche Einsätze geben. Bereits am Dienstag hatte Washington verkündet, dass die Lieferung von Waffen an Saudi-Arabien und dessen Verbündete beschleunigt worden sei.

Khamenei: Luftangriffe sind Verbrechen

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei hat unterdessen die von Saudi-Arabien angeführten Luftangriffe auf Stellungen der Houthi-Rebellen im Jemen am Donnerstag als Verbrechen verurteilt. „Dieser Schritt ist in der Region nicht hinnehmbar“, Riad müsse „diese kriminellen Handlungen im Jemen stoppen“, sagte Khamenei laut einer Erklärung, die am Donnerstag auf seiner Website veröffentlicht wurde.

Kerry sagte, die USA seien nicht auf eine Konfrontation mit dem Iran aus. Washington werde aber zu seinen „Bündnissen und Freundschaften“ stehen und den Ländern zur Seite stehen, die sich durch „Entscheidungen“ des Iran bedroht fühlten, sagte der US-Außenminister, der erst in der vergangenen Woche im schweizerischen Lausanne das Rahmenabkommen zum Atomstreit mit dem Iran mit ausgehandelt hatte.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten setzten ihre Luftangriffe auf Stellungen der Houthis am Donnerstag fort. Bei einem Angriff im Norden der Küstenstadt Aden seien 14 Houthi-Rebellen getötet worden, sagte ein Vertreter der jemenitischen Regierungstruppen.

Houthis können Position im Süden festigen

In der südlichen Provinz Shabwa wurde ein Stützpunkt von Kämpfern von Ex-Präsident Saleh bombardiert, die sich mit den Houthis verbündet haben. Einwohner und Stammesführer berichteten laut Nachrichtenagentur Reuters, dass die Houthis die lokalen Regierungsgebäude sowie Einrichtungen der Sicherheitskräfte in der Provinzhauptstadt Ataq (Atak) unter ihre Kontrolle brachten.

Die Eroberung Ataqs brächte die Rebellen und die Saleh-Truppen einen Schritt näher an das wertvollste Wirtschaftsgut des Landes bringen, dem einzigen Gas-Export-Terminal des Landes in Belhaf. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf Augenzeugen meldete, hätten die Houthis bereits Ölfelder nahe der Stadt Ataq eingenommen. Eine offizielle Bestätigung gab es vorerst nicht.

Auch die österreichische OMV fördert im Jemen Öl. Von der jüngsten Entwicklung sei man nicht betroffen, sagte ein Sprecher auf APA-Anfrage. Allerdings habe man die Produktion im Jemen drosseln müssen, weil man nicht exportieren könne und die Zwischenlager voll seien. (APA/AFP/Reuters/dpa)


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