Großherzog in Umbruchszeiten: Henri von Luxemburg wird 60

Luxemburg (APA/dpa) - Am Hof in Luxemburg stehen in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen an: Der 60. Geburtstag von Großherzog Henri und der 15....

Luxemburg (APA/dpa) - Am Hof in Luxemburg stehen in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen an: Der 60. Geburtstag von Großherzog Henri und der 15. Jahrestag seiner Thronbesteigung. Große Feierlichkeiten sind aber keine geplant.

Er gilt als aufgeschlossener Monarch und praktischer Europäer: Seit fast 15 Jahren ist Großherzog Henri von Luxemburg Staatschef des zweitkleinsten Landes der Europäischen Union. Als der Politikwissenschaftler im Oktober 2000 zum Großherzog Luxemburgs gekrönt wurde, war er einer der Junioren im Kreis der Monarchen Europas. Nun feiert der junge Mann von damals seinen 60. Geburtstag (16. April). Luxemburg hat rund 550.000 Einwohner und ist das einzige Großherzogtum der Welt.

Und nichts ist mehr wie einst: Das „schwarze“ Luxemburg, wo über Jahrzehnte hinweg die wichtigen Entscheidungen im Dreieck von Großherzog, katholischem Erzbischof und Premierminister fielen, wird zusehends bunter, liberaler und moderner. Der Großherzog wird künftig fast ausschließlich für nationales Zeremoniell zuständig sein, die katholische Kirche verliert rasant an politischer Bedeutung. An einer neuen Verfassung wird gerade gearbeitet.

Henri absolvierte die klassische Laufbahn europäischer Königskinder: Matura in Frankreich, Offiziersausbildung im britischen Sandhurst, Studium in Genf. Dort studierte auch Maria Teresa Mestre, Tochter eines vor Fidel Castro geflohenen kubanischen Großgrundbesitzers. 1981 heirateten die Beiden. Noch im selben Jahr brachte Maria Teresa den ersten Sohn und heutigen Erbgroßherzog Prinz Guillaume zur Welt, gefolgt von drei weiteren Söhnen und einer Tochter.

Der aus dem Haus Nassau stammende Henri, der in Luxemburg „Grand-Duc“ genannt wird, tritt zurückhaltend und freundlich auf. Henri ist gläubiger Katholik - und ließ Ende 2008 wissen, dass er ein Gesetz zur Erleichterung der Sterbehilfe nicht unterzeichnen könne. Der damalige christlich-soziale Regierungschef Jean-Claude Juncker reagierte prompt: Das Parlament beschloss eine Verfassungsänderung, wonach der Großherzog Gesetze nur noch verkünden, aber nicht mehr billigen muss.

Spätestens seitdem wird in Luxemburg über die Stellung des Großherzogs im Gesamtgefüge debattiert. In der Abgeordnetenkammer nimmt schon seit 2009 eine neue Verfassung Gestalt an. Und alles deutet darauf hin, dass die seit 1815 bestehende luxemburgische Monarchie zwar erhalten bleibt - 2012 waren 70 Prozent der Luxemburger dafür. Aber die ohnehin schon geringen Befugnisse des Großherzogs dürften weiter eingeschränkt werden.

In einem Entwurf für die neue Verfassung steht etwa, dass auf Antrag der Regierung das Parlament den Großherzog zur Abdankung zwingen kann. Möglicherweise wird der Großherzog, der über weite Strecken der neuen Verfassung nur Staatschef genannt wird, auch auf den Ehrentitel des Oberbefehlshabers der rund 900 Mann zählenden Streitkräfte verzichten müssen.

Der seit Ende 2013 amtierende liberale Premierminister Xavier Bettel hat in einer seiner ersten Amtshandlungen dafür gesorgt, dass der Nationalfeiertag nicht mehr in der katholischen Kathedrale, sondern mit einem zivilen Festakt im Luxemburger Theater begangen wird. Mit der Verfassungsreform will Bettel Kirche und Staat in Luxemburg trennen. Henri muss dazu schweigen, auch zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe sagte er nichts.

Feierlichkeiten sind zum 60. Geburtstag des Großherzogs nicht geplant - weder zu seinem Geburtstag, noch zu seinem Thronjubiläum im Oktober, ließ der Hof wissen.


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