Modehaus Zelger schließt, Kritik an „Rabattitis“

Nach fast 200 Jahren sperrt das Innsbrucker Modehaus Zelger Ende Juni zu, Modefilialist Hallhuber zieht ein. Zelger ortet wachsenden Preiskampf.

Peter Zelger mit Gattin Maria: Kurz vor dem 200-Jahr-Firmenjubiläum schließt das Modegeschäft im Zentrum Innsbrucks Ende Juni seine Pforten. Die Wäscheboutique wird indes weitergeführt.
© Andreas Rottensteiner / TT

Von Max Strozzi

Innsbruck –Das traditionsreiche Modehaus Zelger im Zentrum Innsbrucks schließt Ende Juni seine Pforten, gab Firmenchef Peter Zelger gestern bekannt. In die Geschäftsräume in der Maria-Theresien-Straße zieht der Münchner Modefilialist Hallhuber als Mieter ein, der nach diversen Umbauarbeiten die Filiale mit rund 440 Quadratmetern im September öffnen wird. Die Damen-Wäscheboutique „Exquisit“ in der Anichstraße wird die Familie Zelger unterdessen noch selbst weiterführen.

Kurz vor dem 200-Jahr-Firmenjübiläum geht damit die langjährige Geschichte des Familienunternehmens zu Ende. Gegründet wurde Zelger 1817, damals wurden Posamenten (Quasten, Bänder etc.) verkauft. Fertige Bekleidungsware wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen, den Zeitraum von den 1960er- bis zu den 1980er-Jahren bezeichnet Zelger, der das Unternehmen mit seiner Gattin Maria in der 6. Generation führt, als die „Glanzzeit“ für die Branche. „Der Aufschwung war da, die Kaufkraft war hoch, die Kunden kamen auch aus den Tälern“, erinnert sich Zelger. Noch jetzt kommen zwei Drittel der Kunden von außerhalb Innsbrucks. Derzeit beschäftigt Zelger zwölf Mitarbeiter, großteils in Teilzeit.

Grund für das Aus mit 30. Juni sei zum einen die fehlende Betriebsnachfolge. Keines seiner Kinder wolle den Betrieb weiterführen. Zudem habe sich die Branche stark geändert. „Es ist in den vergangenen Jahren eine anhaltend strukturelle Veränderung eingetreten“, sagt Zelger. „Es gab ein ungebremstes Flächenwachstum, auch das Preisverständnis der Verbraucher hat sich geändert“, meint Zelger, der auch Gremialobmann der Branche in der Wirtschaftskammer Tirol ist. Neue Konkurrenten, die Preistransparenz durch das Internet sowie eine „Rabattitis“ macht Zelger als Gründe dafür aus, weshalb Menschen immer preissensibler würden. „Der Textilhandel verkauft nur drei Monate im Jahr zu normalen Preisen“, so Zelger: „Rabatte von 20 Prozent sind keine Seltenheit mehr und mit unseren Spannen ist das kaum noch realisierbar. Wachstum war für uns in den vergangenen Jahren nicht mehr möglich.“ Die Ausgaben der Menschen für Bekleidung hätten sich seit dem Jahr 2000 von 3,4 % des verfügbaren Einkommens auf 1,8 % halbiert. Und 10 bis 12 % der Umsätze im Textilhandel würden mittlerweile im Internet erwirtschaftet.

In den Zelger-Geschäftsräumen in der Maria-Theresien-Straße eröffnet im Herbst der deutsche Modefilialist Hallhuber seine Filiale. Rund 500.000 Euro sollen in den Umbau fließen, der Mitarbeiterstand soll drei Vollzeitstellen, drei Teilzeitjobs und sechs Aushilfen umfassen. Angeboten werde ausschließlich Damen-Oberbekleidung, erklärte Hallhuber-Geschäftsführer Norbert Steinke. Hallhuber bewege sich im Segment „zwischen Zara und Prada“, so Steinke. Seit Februar ist das Unternehmen zu 100 % im Besitz des börsenotierten Modekonzerns Gerry Weber. Dennoch sei Hallhuber eigenständig und designe seine Kollektionen selbst, betonte Steinke. In Innsbruck – der achte Hallhuber-Standort in Österreich und der einzige in Tirol – werde nur Hallhuber-Ware verkauft und keine Fremdmarken. Insgesamt hat Hallhuber in sechs Ländern 240 Standorte und setzte 2014 140 Mio. Euro um. Heuer rechnet Steinke mit mehr als 160 Mio. Euro Umsatz.

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