Zusammenstöße bei Demonstration äthiopischstämmiger Israelis

Tel Aviv (APA/AFP/dpa) - In Israel ist eine Demonstration äthiopischstämmiger Juden gegen Rassismus und Polizeigewalt erneut eskaliert: Drei...

Tel Aviv (APA/AFP/dpa) - In Israel ist eine Demonstration äthiopischstämmiger Juden gegen Rassismus und Polizeigewalt erneut eskaliert: Drei Tage nach Ausschreitungen in Jerusalem lieferten sich am Sonntagabend Teilnehmer eines Protestmarschs in Tel Aviv Straßenschlachten mit Sicherheitskräften.

Nach Angaben der Organisatoren setzte die Polizei Blendgranaten und Wasserwerfer ein. Teilnehmer warfen Steine und andere Gegenstände auf Polizisten. 46 Beamte und sieben Demonstranten wurden verletzt.

Medien berichteten unter Berufung auf die Organisatoren von rund 10.000 Teilnehmern, laut Polizei waren es 3000. Wie ein AFP-Reporter berichtete, schlossen sich zahlreiche andere Israelis den äthiopischstämmigen Demonstranten an. Die Teilnehmer forderten gleiche Rechte für alle und die Bestrafung gewalttätiger Polizisten. Erst am Donnerstag war eine entsprechende Demonstration mit rund 2000 Teilnehmern in Jerusalem in Gewalt umgeschlagen, es gab Verletzte und Festnahmen.

Auslöser der Proteste waren Medienberichte über einen Übergriff auf einen Israeli äthiopischer Herkunft in der südisraelischen Stadt Beersheba. Der Mann gab an, von Beamten der Einwanderungsbehörde angegriffen worden zu sein, weil sie ihn für einen Einwanderer ohne gültige Papiere hielten. In der Woche zuvor hatte zudem ein Video für Empörung gesorgt, in dem Polizisten den äthiopischstämmigen Soldaten Damas Pakada schlagen.

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In Tel Aviv blockierten die Demonstranten zunächst während des Berufsverkehrs eine wichtige Straße und lösten damit Staus aus. Dann marschierten die Demonstranten durch die Innenstadt von Tel Aviv. Viele Teilnehmer reckten ihre Arme über Kreuz in die Luft, als steckten sie in Handschellen.

„Ich bin schwarz, deshalb muss ich heute demonstrieren“, sagte der 34-jährige Eddie Maconen. Teilnehmer Zion Cohen sagte, er wolle seine äthiopischstämmigen Mitbürger unterstützen. „Sie haben hundertprozentig recht“, sagte er. „Israel ist ein rassistisches Land und wir akzeptieren das nicht.“

Der Demonstrationszug zog weiter zum Rathaus von Tel Aviv, wo die Lage eskalierte: Berittene Polizisten setzten Blendgranaten ein, um die Menge auseinanderzutreiben und von einem Sturm auf das Rathaus abzuhalten. Die Polizei setzte zudem Wasserwerfer und Pfefferspray ein und versuchte, Demonstranten aus den umliegenden Straßen zu vertreiben. Diese kehrten jedoch immer wieder zurück.

Die Demonstranten warfen ihrerseits Steine, Flaschen und Stühle auf die Beamten. Nach Angaben der Polizei wurden 46 Polizisten und sieben Demonstranten bei den Zusammenstößen verletzt. 26 Demonstranten wurden festgenommen.

Israels Sicherheitsminister Yitzhak Aharonovich sagte, es sei schwierig gegen den „Aufstand“ anzugehen, da dieser keine eindeutigen Anführer habe. „Es gibt keinen, mit dem man reden kann“, sagte er zu Journalisten.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu rief zur Ruhe auf. „Es ist Raum, um alle Vorwürfe zu untersuchen“, sagte er am Sonntagabend, „aber es gibt keinen Raum für diese Art von Gewalt und Gesetzesbrüchen.“

Netanyahu sprach am Abend mit Sicherheitsminister Aharonovich. Am Montag will er in seinem Büro den misshandelten Soldaten, Vertreter der äthiopischen Gemeinde, der Polizei, des Innen- und des Sicherheitsministeriums treffen, berichtete die „Jerusalem Post“.

Wirtschaftsminister Naftali Bennett sprach mit Demonstranten. „Das Gesetz muss befolgt werden, unterdessen müssen wir alle echte Lösungen für die Probleme suchen, die auf so schmerzvolle Weise aufgetreten sind“, sagte er nach Angaben seines Büros.

In Israel leben mehr als 135.000 Juden äthiopischer Herkunft, die vor allem in zwei Einwanderungswellen 1984 und 1991 ins Land kamen. Bis heute sind die meisten von ihnen nicht in die israelische Gesellschaft integriert.


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