Geiselhaft bei Boko Haram: 214 Frauen sind schwanger

Fast 700 Frauen und Mädchen wurden in den vergangenen Tagen aus den Fängen der Boko Haram befreit. 214 von ihnen sind schwanger. Mehr als 270 wurden in ein Auffanglager, etwa 260 wurden bereits zurück in ihre Heimatorte gebracht.

Die 275-köpfige Gruppe gehört zu insgesamt fast 700 Frauen und Kindern, die in den vergangenen Tagen im Sambisa-Wald im Nordosten Nigerias aus der Gewalt von Boko Haram befreit wurden.
© REUTERS

Abuja – Die nigerianische Armee hat am Sonntag 275 Frauen und Kinder, die aus der Gewalt der Extremistengruppe Boko Haram befreit wurden, in ein Auffanglager gebracht. Die Frauen und Kinder seien traumatisiert und unterernährt, teilte das Militär am Sonntag mit. Sie seien in ein Camp in Yola im Bundesstaat Adamawa gebracht worden, wo ihre Identität festgestellt werden solle.

In dem Lager sollen sie von Trauma-Experten behandelt werden und weitere Unterstützung erhalten, um sich zu erholen und künftig wieder ein normales Leben führen zu können, wie der Leiter der Notfallbehörde Nema, Muhammad Sani Sidi, mitteilte.

214 Frauen und Mädchen sind schwanger

Die 275-köpfige Gruppe gehört zu insgesamt fast 700 Frauen und Kindern, die in den vergangenen Tagen im Sambisa-Wald im Nordosten Nigerias aus der Gewalt von Boko Haram befreit wurden. Laut Nema-Sprecher Sami Datti wurden einige der Frauen und Kinder bei der Befreiungsaktion verletzt und werden im Krankenhaus behandelt.

Nach UN-Angaben sind 214 der fast 700 befreiten Frauen und Mädchen schwanger. Das erklärte Babatunde Oshotimehin, der Direktor des UN-Bevölkerungsprogramms (UNFPA), der nigerianischen Nachrichtenagentur NAN zufolge.

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Die Frauen und Mädchen würden derzeit auf verschiedene Krankheiten getestet, darunter auch die Immunschwächekrankheit Aids, wie Oshotimehin am Sonntagabend vor Journalisten in Lagos sagte. Dabei seien auch die Schwangerschaften festgestellt worden. „Manche sind sichtbar schwanger, bei anderen schlug nur der Test an“, sagte er dem NAN-Bericht zufolge. Alle erhielten medizinische Unterstützung.

Boko-Haram-Geiseln erzählen von ihrem Leid

In einem Flüchtlingslager in Yola schilderten am Montag zwei Frauen, wie Boko-Haram-Kämpfer sie nach ihrer Gefangennahme zur Heirat mit Rebellen zwingen wollten.

Die 19-jährige Lami Musa war bei ihrer Entführung durch Boko Haram vor fünf Monaten in ihrem Dorf bei Chibok im vierten Monat schwanger. Dadurch entging sie nach eigenen Angaben einer Zwangsverheiratung - allerdings nur bis zur Entbindung. „Zum Glück wurde ich einen Tag nach der Geburt befreit“, sagte sie.

Die 18-jährige Binta Abdullahi war vor mehr als einem Jahr in ihrem Dorf bei Madagali im Norden von Adamawa verschleppt worden. Ihre Flucht endete demnach in einer Tragödie, als mindestens drei Frauen durch eine Landmine getötet wurden. Andere Frauen, die sich während eines Angriffs der Armee gegen Boko-Haram-Stellungen unter Bäumen und Büschen versteckt hätten, seien versehentlich von Panzern überrollt worden, berichtete sie.

Mindestens 2000 Frauen seit Anfang 2014 verschleppt

Wie die Streitkräfte am Sonntag weiter mitteilten, wurden im Bundesstaat Adamawa 260 Frauen und Kinder aufgespürt, die vor Boko Haram geflohen waren. Sie seien zurück in ihre Heimatorte gebracht worden. Einige von ihnen hätten erzählt, dass sie vor einem Boko-Haram-Angriff geflohen seien, andere seien entführt worden.

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International entführte Boko Haram seit Anfang 2014 im Norden Nigerias mindestens 2000 Frauen und Mädchen. Frühere Geiseln berichteten von Zwangsverheiratungen, sexuellem Missbrauch und erzwungenen Kampfeinsätzen für die Islamisten.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 15.000 Menschen. Das nigerianische Militär wird im Kampf gegen Boko Haram von Truppen aus den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad unterstützt. (TT.com, APA/AFP/dpa)


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