Steiermark-Wahl: Steirische ÖVP - vom Dauerrebell zum Reformpartner

Graz (APA) - Die Steiermark hatte lange - trotz der bevölkerungsstarken industriellen Gebiete - eine ausgeprägt christlichsoziale bis nation...

Graz (APA) - Die Steiermark hatte lange - trotz der bevölkerungsstarken industriellen Gebiete - eine ausgeprägt christlichsoziale bis nationale politische Landschaft. Nach 1945 gab es für die Steirer-VP meist satte Mehrheiten. Selbstbewusst wurden Wünsche der Bundespartei wie der Bundesregierung meist abschlägig beschieden. Die Niederlage 2005 ist trotz „Reformpartnerschaft“ bisweilen schmerzlich präsent.

Anton Pirchegger war er Mitbegründer der ÖVP und nach dem Wahlsieg am 25. November 1945 erster gewählter Landeshauptmann. 1948 zog sich Pirchegger krankheitsbedingt zurück und schlug Josef Krainer sen. als Nachfolger vor - dieser prägte eine ganze Arä und gab dem Selbstbewusstsein der steirischen ÖVP ein knorriges Gesicht. Der frühere Landarbeiter und Landesfürst empfing sogar Queen Elisabeth und Sowjet-Parteichef Nikita Chruschtschow mit spitzbübischer Grandezza. Fünfmal im Amt bestätigt, gestaltete er gemeinsam mit Weggefährten wie Hanns Koren das Bild einer weltoffenen und modernen steirischen VP. In seine Zeit fiel u.a. die groß angelegte Gemeinderatsfusion von 1967 bis 1969. Sein Nachfolger Friedrich Niederl führte die ÖVP im Oktober 1974 auf ihren bisherigen Spitzenwert mit 53,2 Prozent. 1980 wurde „Joschi“ Krainer jun. Landeschef. Der in Italien und den USA ausgebildete Krainer-Sohn und Freund von Arnold Schwarzenegger schaffte den Spagat zwischen Weltbürger und verbindlichem Steirabua - und ärgerte weiterhin in guter Tradition die Wiener, etwa mit dem „Anti-Draken“-Volksbegehren. Doch die Ära der Landesfürsten ging zu Ende - 1995 hatte die ÖVP nach einem falsch konzipierten Wahlkampf beinahe die Mehrheit an die SPÖ verloren.

Mit Waltraud Klasnic gelang der Neustart. Die aus einfachsten Verhältnissen stammende Steirerin schaffte es durch Fleiß und Engagement, die Rolle einer „Landesmutter“ auszufüllen: Fähige Landesräte hielten ihr den Rücken auch politisch frei. 2000 erzielte sie mit einem Plus von elf Prozentpunkten (auf 47 Prozent) den Zuwachsrekord im Lande. Innerparteiliche Streitereien durch Hoffnungsträger wie Gerhard Hirschmann und Herbert Paierl und damit einhergehende Skandale wie EStAG und Herberstein kosteten sie die Mehrheit bei der Wahl 2005. Die Steirer-VP, die helle Köpfe wie Bernd Schilcher oder Josef Riegler hervorgebracht hatte, war im Moment der Niederlage ein Schatten ihrer selbst.

Für die steirische Volkspartei war es undenkbar, dass man jemals die erste Position im Lande verlieren konnte - als es 2005 tatsächlich passierte, glaubte man an eine Art Betriebsunfall, der sich bei der nächsten Wahl schon wieder einrenken würde. Sinnbildlich war die fast vier Jahre lang von ÖVP-Klubchef Christopher Drexler auf Franz Voves gemünzte Phrase „der derzeit amtierende Landeshauptmann“ - gerne und oft ergänzt mit dem Zusatz „der ein bisschen aus der Wirtschaft kommt“. Unter diesen Umständen nimmt es fast Wunder, dass nach 2010 im Zuge der „Reformpartnerschaft“ wechselseitige Anerkennung zu hören war.

Dem ÖAAB-Mann Hermann Schützenhöfer verdankt die steirische ÖVP, dass sie seit 2005 wieder Tritt fassen konnte. Außer ihm wollte nach Klasnics Abgang kaum einer als Parteiobmann den schweren Gang in die zweite Regierungsreihe antreten. Schützenhöfer schaffte die Konsolidierung, ein teurer und verpatzter Wahlkampf auf Biegen und Brechen gegen die Voves-SPÖ schreckte aber offenbar mehr ab. Man blieb knapp hinter den Roten Zweiter. Nach den herben Verlusten - vor allem an die FPÖ - kam man zur Besinnung. Seit 2015 wurden im Rahmen der „Reformpartnerschaft“ mit der SPÖ Reparaturarbeiten an Baugruben geleistet, die man vorher im Verein mit der SPÖ mutwillig aufgerissen hatte - Stichwort Budget und explodierende Kosten. Für die Konsolidierung der steirischen Schwarzen spricht auch ein Faktum: Die Bundesregierung und die Bundespartei wird nicht mehr aus Prinzip attackiert, auch der weisen Ratschläge enthält man sich. Der Polterer aus Wiener Sicht ist nun eher Franz Voves.

( 0479-15 vom 18. April 2015 ist im AOM abrufbar.)

~ WEB http://www.oevp.at ~ APA058 2015-05-04/09:00


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