Wörgler Museumsverein forciert Erinnerungskultur

Eine Gedenktafel mit Namen der NS-Widerstandsopfer und die Geschichte des Durchgangslagers sind dem Verein wichtig.

© Spielbichler

Wörgl –Einen Einblick in Wörgls reichhaltige Geschichte gibt das Heimatmuseum Wörgl im Parterre der Musikschule, das sich seit Jahren mehr Platz wünscht, um mehr Wirtschaftsgeschichte zeigen zu können.

Das könnte bald Realität werden, denn beim Vergleich Sanierung oder Neubau Musikschule kommt der Neubau samt Tiefgarage nur um 200.000 Euro teurer, wie Bürgermeisterin Hedi Wechner bei der Jahreshauptversammlung des Museumsvereins mitteilte. Sie rechnet damit, dass die Weichen in Richtung Neubau gestellt werden. Dafür spreche auch der Wegfall des Oberflächenverkehrs und die Tatsache, dass sich durch den Denkmalschutz beim bestehenden Gebäude Schwierigkeiten bei der Dämmung ergeben.

Womit das bestehende, nach den Bauschäden sanierungsbedürftige Gebäude im Eigentum der Stadt anders genutzt werden könne: „Derzeit finden dazu noch Überlegungen statt“, so Wechner, die in Richtung „Kulturhaus“ unter Einbeziehung bestehende­r Nutzer wie auch neue­r, etw­a durch die Übersiedelung des Stadtarchivs, gehen. Damit stünde dann auch mehr Platz für das Museum zur Verfügung.

Neben der Betreuung des Museums befasste sich der Verein mit zwei Projekten der Erinnerungskultur. Der Museumsverein beantragte bei der Stadt die Anbringung einer Gedenktafel an die „Wörgler Opfer des Widerstandes und der religiösen wie rassistischen Verfolgung durch den Nationalsozialismus“.

TT-ePaper gratis testen und 20 x € 100,- Einkaufsgutscheine gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch

Das zweite Projekt betrifft das Durchgangslager Wörgl, das für russische und ukrainische Zivilarbeitskräfte in Wörgl-Söcking im Dezember 1941 eingerichtet wurde. Von Mai 1942 bis September 1944 wurden 34 Transporte mit 31.759 Personen auch aus anderen Gebieten durchgeschleust, wobei die Zwangsarbeiter nach Westösterreich und Bayern zugewiesen wurden. Der Historiker Mag. Erich Schreder forscht dazu seit Jahren, war auch Sachverständiger bei der archäologischen Ausgrabung am Tiwag-Gelände beim Kraftwerk Kirchbichl. Er stellt sein umfangreiches Archivmaterial und Wissen zur Verfügung, für eine Ausstellung im Jahr 2016 in Kooperation mit dem Anne Frank Verein sowie im Vorfeld für ein Jugendprojekt des Anne Frank Vereines. Geplant ist ein Filmworkshop mit Schülern, die sich mit Orten der Erinnerung heute und dem damaligen Geschehen befassen. Das Ergebnis wird Teil der Ausstellung. (vsg)


Kommentieren


Schlagworte