Ein Vampir tanzt auch mit lädiertem Zeh zum Sieg

Beim Tiroler Voltigier-Cup-Turnier in Pill standen gestern die Welt- und Europameister Lindner und Wacha im Mittelpunkt. Anders, als sie wollten.

Jasmin Lindner auf Limnologe zog das Publikum in ihren Bann.
© Vanessa Weingartner / TT

Von Susann Frank

Pill – „Habt ihr Autogrammkarten?“, fragte das kleine Mädchen mit den hübsch nach hinten geflochtenen Haaren. Daneben stand ihre ältere Schwester: „Kann ich ein Foto mit euch haben?“

Wer mit Jasmin Lindner und Lukas Wacha beim Heim-Turnier am Reitstall Tannauerhof in Pill ungestört ein paar Worte wechseln wollte, hätte sich mit den amtierenden Welt- und Europameistern im Pas-de-deux-Voltigieren eine stille Ecke suchen müssen. Am Finaltag des Tiroler Voltigier-Cups (zweiter von drei Teilen) stand gestern das österreichische Vorzeige-Duo dieses Sports im Mittelpunkt. So war in der Halle nur das Schnauben des jeweiligen Pferdes zu hören, als die beiden im Einzel die Zuschauer in ihren Bann zogen: die Fügenerin mit einer ausdrucksstarken Pantomime-Kür, der Pillberger mit einem akrobatischen „Tanz“ als Vampir auf Wallach Mr. Doolittle.

Ergebnisse Tiroler Voltigier-Cup in Pill

Einzel: Klasse S: 1. Lukas Wacha 8,272; 2. Jasmin Lindner 8,006; 3. Eva Nagiller 7,611.

S-Junioren (S-JR): 1. Sandra Hörhager 6,911 (alle VG Pill TU Schwaz).

Pas de deux: S-JR: 1. Katharina Furtner, Louise Frixeder (VV Braunau-Weng).

Gruppe: S: VG Pill I 6,293; S-JR: VG Pill II 6,913; 2. RC Seefeld 6,900.

Zwischenwertung Cup (2 von 3 Teilen): Führende: Einzel: S: Wacha 16,455. S-JR: Hörhager 13,673. M: Carla Holzner (RC Seefeld) 12,991. L: 1. Eva Plattner (RC Karwendel) 13,651. A: Nathalie Seier (VG Pill TU Schwaz) 13,912.

Pas de deux: S-JR: Romana Hintner, Denise Bistan (VG Pill TU Schwaz) 5,243.

Dabei musste der 26-Jährige gewaltig die Zähne zusammenbeißen. Ein Band- und Kapselriss im großen Zeh machte ihm das Akrobatenleben auf dem Pferd schwer. An den Start beim Pas de deux war nicht zu denken. Bei der Sichtung in vier Wochen in Ebreichsdorf für die EM im August (Aachen/GER) würde das Erfolgspaar jedoch gerne in seiner Lieblingsdisziplin starten.

Dafür trainieren sie trotz Wachas Verletzung. „Für meinen Berufsstand bin ich wohl ein schlechtes Beispiel“, warf der Physiotherapeut augenzwinkernd ein. Dem in Gilching stehenden und zur Verfügung gestellten Pferd Bram hingegen geben sie hingegen Zeit. Der Wallach ist derzeit auch verletzt.

„Gerade ist es nicht einfach“, gestand Lindner. Und das ganz abgesehen von der finanziell immer schwierigeren Lage. „Für die WM im vergangenen Jahr hat der Österreichische Pferdesportverband die Kosten getragen“, erklärte Klaus Haidacher, Trainer und Longenführer des Duos.

Sie hoffen, alle Hindernisse aus dem Weg räumen zu können. Schließlich widmet das Duo 45 Prozent der Übungseinheiten seiner EM-Titelverteidigung. Das Einzel, das sie gestern in Pill klar dominierten (Wacha gewann vor Lindner), läuft trotz eigener Choreographie nebenbei. „Die zwei sind im Pas de deux eine eigene Liga“, lobte Haidacher, der auch immer wieder das Gespräch unterbrechen musste. Immerhin wollten seine anderen Schützlinge (wie die Gruppenvoltigierer) beim Heimturnier ebenfalls gut betreut werden. Die wiederum hatten Fragen nach dem Ablauf, nicht nach Autogrammkarten. Schließlich sind Lindner und Wacha ihre Vereinskollegen der VG Pill TU Schwaz.


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