Die Mysterien einer Mutter

Die australische Regisseurin Jennifer Kent präsentiert mit ihrem gefeierten Kinodebüt „Der Babadook” beängstigenden Horror zum Muttertag.

© Thimfilm

Von Peter Angerer

Innsbruck –Üblicherweise ist Halloween, wenn Nebel und Düsternis die Jahreszeit der „Twilight Zone“ ankündigen, der richtige Starttermin für Horror im Kino. In Ausnahmefällen tut es auch der Muttertag, schließlich wurde dieser „Ehrentag” schon für ganz andere Dinge genutzt. Begonnen hat alles mit Rosemarie, die 1967 in Roman Polanskis Horrorklassiker das Kind des Teufels zur Welt brachte. Nach dem ersten Schrecken über die glühenden Augen des Neugeborenen siegen Instinkt und Mutterliebe, stolz scharen sich New Yorker Satanisten um Luzifer, der bald die Macht übernehmen wird. In der „Omen”-Serie wählte der Teufel einen Botschafterhaushalt, um sich bereits in der Kindheit mit den Großen der Welt vertraut zu machen. Das Jahrzehnt der Verunsicherung – die 1970er – wurde mit William Friedkins „Exorzist” eröffnet und endete mit einem Meisterwerk des Horrors: Stanley Kubricks „The Shining”.

Das Böse geht nicht mehr vom Teufel aus sondern von einem Gebäude, dem Overlook Hotel, das der Schriftsteller Jack Torrance als Hausmeister während des Winters betreuen soll. Nebenbei lässt sich in der heimeligen Atmosphäre des von Schneewächten belagerten Hotels bequem ein Roman schreiben. Nach Monaten liegt neben der Schreibmaschine ein dickes Manuskript, doch es ist nur ein einziger Satz, ein Kinderreim, den der Autor über Hunderte Seiten geschrieben hat. Es sind die toten Bewohner des Hotels, die Torrrance den Auftrag geben, seine Frau Wendy und seinen kleinen Sohn Danny zu töten. Nun liegt es an der Mutter, für ihr Kind zu kämpfen.

Im neuen Jahrtausend sind Verunsicherung und Bedrohung zu einem festen Bestandteil des Lebens geworden, die Mutterrolle wird kritisch überprüft. Vor 40 Jahren war das Geständnis, abgetrieben zu haben, ein Skandal und zugleich der Auslöser für die Liberalisierung einschlägiger Gesetze. Ein ähnliches Aufsehen erregen jetzt Frauen, die bereuen, jemals Mütter geworden zu sein. Aus diesem Zwiespalt bezieht Jennifer Kents Debütfilm „Der Babadook” seinen Horror. Mit William Friedkin und Stephen King, der die Vorlage zu „The Shining” geschrieben hat und Kubricks Version nicht besonders mag, meldeten sich die Altmeister des Genres, um „Der Babadook” als einen der furchteinflößendsten Filme der Geschichte zu preisen.

Amelia (Essie Davis) hat sich als alleinerziehende Mutter in das soziale Abseits drängen lassen. Sie wird um ihren besitzergreifenden Sohn Samuel (Noah Wiseman) nicht gerade beneidet, der Bub findet aber auch unter Gleichaltrigen keine Freunde. Bisweilen sucht Amelia den Keller auf, um sich dort von Samuels Vater umarmen zu lassen, tatsächlich ist der Mann auf der Fahrt zur Entbindung gestorben. Daher hegt sie nicht gerade positive Gefühle für den Siebenjährigen. Zum Einschlafen verlangt die Nervensäge nach der mütterlichen Vorleserin, doch das Pop-Up-Bilderbuch „Babadook” wird erst von dunklen Mächten mit okkulter Tinte geschrieben. Anders als das blutende Overlook Hotel ist Amelias mit Grautönen und beunruhigend rumorenden Wänden designtes Haus dabei zu verdorren. Und Amelia ist Jack Torrance und Wendy, Mörderin und Beschützerin zugleich. Was soll ein Kind davon halten, das mit einem Kobold spricht? Warten wir auf die Muttertagsüberraschung.

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