Ein Zweitjob, bei dem es keinen Drehschluss gibt

Von der Show- auf die ebenso bunte Polit-Bühne. Immer öfter streben Prominente eine zweite Karriere als Politiker an. Viele durchaus mit Erfolg.

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Los Angeles –Gesucht: jemand, der sich traut, im Rampenlicht zu stehen. Bedingung: bei Komödien stets Haltung bewahren und bei Dramen auch einmal Gefühle zeigen können. Eine Jobbeschreibung, die ohne Weiteres auf Schauspieler und Politiker anwendbar ist. Und weil sich eben beide Berufe in gewissem Sinne doch ein wenig ähneln, ist es nicht selten, dass einige prominente Mitbürger aus Film und Fernsehen eben gerne einmal einen politischen Zweitjob annehmen.

Neues Filmset – und das auf Dauer: das Kapitol in Washington. Das könnte sich zumindest Reese Witherspoon vorstellen. Hollywoods Vorzeigeblondine schließt es nämlich nicht mehr aus, politisch aktiv zu werden. Grund für den Sinneswandel: Sie möchte für die Gleichberechtigung kämpfen. „Ich war bislang noch nicht in der Politik aktiv, aber ich werde noch eine Weile am Leben sein, also schließe ich es nicht aus. Als Frauen müssen wir in der Regierung aktiv sein. 51 Prozent der Weltbevölkerung sind Frauen, aber nur 19 Prozent sind im amerikanischen Kongress vertreten“, verriet sie dem US-Magazin InStyle. Und da sich an diesen Zahlen wohl nicht so schnell etwas ändern wird, könnte man Frau Witherspoon demnächst tatsächlich in neuer Mission sehen.

Auch Angelina Jolie, die sich als UN-Botschafterin ohnehin schon laufend auf dem politischen Parkett bewegt, ist dem Ganzen nicht abgeneigt. „Wenn jemand mich überzeugen könnte, dass ich in einer anderen Rolle wirklich etwas verändern könnte, würde ich mich in der Verantwortung sehen und das auch umsetzen“, erklärte die 39-Jährige im Interview mit der Welt. „Lassen Sie es mich so ausdrücken: Vor ein paar Jahren hätte ich mir auch noch nicht vorstellen können, dass ich mal als Regisseurin arbeiten würde.“ Zum Verständnis: 2007 gab Jolie ihr Regiedebüt, ist dabei auf den Geschmack gekommen und stand seitdem mehrere Male hinter der Kamera.

Politisch angebissen hat auch Robert Pattinson, der letzte Schritt bzw. die letzte nötige Portion Mut fehlen ihm aber ebenso noch. „Es hört sich lächerlich an, wenn ich sage, dass ich mich für Politik interessiere und eines Tages sogar Politiker werden könnte. Das würde ich schon gerne, aber ich will nicht die Verantwortung übernehmen.“

Den Mut bereits aufgebracht haben dafür schon genügend andere Damen und Herren. Hoffen viele doch, dass sie dank ihres prominenten Namens tatsächlich etwas (mehr) bewegen können. Einer, der es dabei wohl am weitesten gebracht hat, ist Ronald Reagan (†2004). Fast dreißig Jahre lang unterhielt er das Kinopublikum als Cowboy, Soldat oder gestresster Familienvater – später wechselte er in die Rolle des Politikers. Dabei dürfte er seine Arbeit offenbar zur Zufriedenheit seiner Wähler erledigt haben, denn bereits 1967 wurde er Gouverneur von Kalifornien, 1981 vereidigte man ihn sogar zum 40. Präsidenten der USA.

Bis ins Weiße Haus reichte es bei Clint Eastwood zwar nicht, aber in der kalifornischen Kleinstadt Carmel war er immerhin von 1986 bis1988 der Chef – sprich er hatte das Amt des Bürgermeisters inne. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung hatten dem gefeierten Westernhelden, der im Wahlkampf von Haus zu Haus ging und sich persönlich vorstellte, nämlich ihre Stimme gegeben. Offenbar zu Recht: Freunde wie Gegner billigten ihm nach dem freiwilligen Ende seiner zweijährigen Amtszeit zu, dass er den Posten gewissenhaft ausfüllte. Und das will doch auch schon was heißen.

Nicht zu vergessen sind allerdings auch Arnold Schwarzenegger (Gouverneur von Kalifornien 2003 bis 2010), Schlagersängerin Vicky Leandros (Vizebürgermeisterin und Stadträtin von Piräus 2006 bis 2008) oder der Ex-Boxstar Vitali Klitscho (seit 2014 Bürgermeister von Kiew).

Bei manchen ist die politische Karriere allerdings schon fast wieder in Vergessenheit geraten: Seien wir doch mal ehrlich, wer kann sich noch an die Präsidentschaftskandidatur von Roseanne Barr erinnern? Der Star aus der Sitcom „Roseanne“ kandidierte 2012 in der Grünen Partei als US-Präsidentschaftskandidatin – und scheiterte nur knapp. Bereits 12 Jahre zuvor hatte Warren Beatty einmal mit dem Gedanken gespielt, sich für das Präsidentenamt zu bewerben. Am Ende blieb das Ganze aber wirklich nur ein Gedankenspiel.

Ihr politisches Vorhaben durchgezogen hatte wiederum Shirley Temple (†2014). Der ehemalige Kinderstar bewarb sich 1967 für einen Sitz im Kongress – scheiterte jedoch. Später arbeitete sie als Botschafterin in Ghana, ab 1989 als Botschafterin in der damaligen Tschechoslowakei.

Den Sprung in den Kongress schaffte wiederum Sänger Sonny Bono (†1998). Zuvor hatte er sich schon als Bürgermeister von Palm Springs erste politische Sporen verdient.

Einer, der aktuell an seiner politischen Karriere arbeitet und sich vielleicht auch einmal einen prominenten Platz in der Liste „Stars als Politiker“ sichern kann, ist Kal Penn. Kal wer? Kal Penn, bekannt aus Serien wie „Dr. House“ oder „How I met your mother“. Für seine politische Karriere nahm er sogar den „Serientod“ bei „Dr. House“ in Kauf und half anschließend im PR-Team von Barack Obama mit. Inzwischen arbeitet er bereits im Bereich Öffentlichkeitsarbeit des Weißen Hauses. (dpa, kew)


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