„Mehr Frauen in Gemeindepolitik“

Liesi Pfurtscheller, die Landesfrauenchefin der ÖVP, möchte Frauen zur Kandidatur bei den Gemeinderatswahlen 2016 ermutigen. Sie will die „Angst vor Raumordnungsfragen“ nehmen.

© Seeberger Manuela

Außerfern –Frauen in der Politik sind dünn gesät, auch im Bezirk Reutte. „Aktuell gibt es zwei Bürgermeisterinnen und vier Vizebürgermeisterinnen im Bezirk Reutte“, erklärt NR Liesi Pfurtscheller: „Und wir haben einige sehr engagierte Gemeinderätinnen. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, diese Frauen in den Fokus zu rücken, damit bei der nächsten Gemeinderatswahl andere den Schritt in die Politik wagen.“ Kürzlich traf sie sich mit Politkolleginnen aus dem Lechtal.

Pfurtscheller, selbst seit 2010 Gemeinderätin in Reutte, weiß, wie wichtig Frauen in der Politik, im Speziellen auch im Gemeinderat, sind: „Die Diskussionskultur ändert sich, wenn Frauen mit am Tisch sitzen, denn sie wirken ausgleichend und haben einen anderen Blick auf die Dinge“, so die VP-Frauenchefin, die sich für die kommende Gemeinderatswahl vorgenommen hat, in ganz Tirol 100 zusätzliche Gemeinderätinnen zu motivieren.

Kürzlich traf sie sich mit drei Gemeinderätinnen und einer Vizebürgermeisterin aus dem Lechtal – GR Claudia Walch aus Häselgehr, GR Andrea Friedle aus Häselgehr, GR Claudia Reich aus Holzgau und VBM Isolde Ernst aus Hinterhornbach. Einhellig herrschte die Meinung vor, dass der Gemeinderat dafür da ist, dass im Dorf etwas weitergeht, über Fraktionsgrenzen hinweg und ohne Streitigkeiten. „Wir sitzen im Gemeinderat, um fürs Dorf zu arbeiten und etwas weiterzubringen“, erklärt Andrea Friedle, die so viele Vorzugsstimmen hatte, dass sie von Platz 17 nach vorne gereiht wurde und nun aktiv im Gemeinderat sitzt. In dieselbe Kerbe schlägt Isolde Ernst: „Wenn wir im Gemeinderat verstritten sind und nichts auf die Füße stellen, dann freuen sich nur die anderen, wenn sie das Geld bekommen.“ Sie bezieht sich hierbei auf die Mittel aus dem Gemeindeausgleichsfonds und erklärt weiter: „Diese Streitereien hatten bei uns schnell ein Ende. Ich bin der Meinung, dass Frauen hier vermittelnd und ausgleichend wirken können.“

„Frauen müssen jedoch auch lernen, dass sie nicht ständig vermittelnd und ausgleichend tätig sein können, denn das geht an die Substanz“, weiß Pfurtscheller: „Das Wichtigste in Sitzungen ist, das Thema vom Persönlichen zu trennen. Auch wenn man nicht immer derselben Meinung ist und die Diskussionen im Gemeinderat etwas schärfer sind, sollte man trotzdem danach noch miteinander reden können.“

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Das richtige Stichwort für Isolde Ernst und Claudia Reich – beide schon drei bzw. zwei Perioden im Gemeinderat: „Ein guter Tipp für alle Neueinsteigerinnen ist, dass sie auf jeden Fall nach der Sitzung noch ‚auf ein Bier‘ mitgehen. Dort werden oft viele Dinge erst ausgemacht und besprochen. Da erfährt man vieles“, so die beiden unisono. Claudia Reich erzählt weiter: „Ich bin leider die einzige Frau bei uns im Gemeinderat. Es wäre sehr schön, wenn sich in der nächsten Periode noch eine Frau finden würde.“ Ein Projekt liegt ihr besonders am Herzen: „Derzeit entsteht das Projekt Schule, Kindergarten und Eltern-Kind-Zentrum in Holzgau. Es freut mich sehr, dass das zustande kommt. Da weiß man dann wieder, wa­rum man sich einsetzt.“

Als eine große Herausforderung sehen alle vier Frauen die Themen Raumordnung und Baurecht. „Das sind die so genannten ‚Angst-Themen‘, weil man sich nicht im Detail auskennt“, sagen sie unisono.

Keine der vier Mandatarinnen ist jemals ohne Vorbereitung in eine Sitzung gegangen. „Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch richtig machen“, beschreibt Isolde Ernst ihr Politikverständnis. Gerade die Themen Raumordnung und Baurecht sind oft Hürden, warum Frauen nicht den Mut haben, in die Gemeindepolitik einzusteigen. „Aber man muss nicht immer alles wissen“, sagt Nationalrätin Pfurtscheller, „man muss nur wissen, wen man fragen kann. Es gibt für jedes Thema Spezialisten, auf die man sich verlassen kann – auch im Gemeinderat“, will sie interessierten Frauen die Angst nehmen.

Einig waren sich alle in einem Punkt: „Politik ist spannend und macht Spaß.“ Deshalb empfehlen sie, es einfach auszuprobieren. (TT, hm)


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