Nein zu Naturschutzgebieten

Die Ischgler wehren sich gegen Naturschutzgebiete im Fimba- und Vesiltal. Für den Landesumweltanwalt geht die Unterschutzstellung nicht weit genug. Der Grundbesitzer sagt inzwischen Nein.

Im Vesiltal links und im Fimbatal rechts des Piz Val Gronda (r. Gipfel) sollen Naturschutzgebiete ausgewiesen werden.
© Thomas Böhm/TT

Von Matthias Reichle

Ischgl –Auch zwei Jahre nach der Eröffnung der umstrittenen Seilbahn verläuft am Piz Val Gronda eine Frontlinie zwischen Tourismus und Naturschutz. Wieder kreuzen Bergbahnen und Landesumweltanwaltschaft über dem bekannten Paznauner Gipfel die Klingen. Übermorgen Donnerstag endet die Auflagefrist für zwei geplante Naturschutzgebiete im angrenzenden Vesil- (14,87 Hektar) und im Fimbatal (22,47 Hektar), die auch zahlreiche Free­rider anlocken. Die Gebiete sollen in der Folge als Natura-2000-Kandidaten nach Brüssel gemeldet werden.

Vergangenen Donnerstag traf sich die Grundbesitzerin, die Agrargemeinschaft Fimba, zu einer außerordentlichen Versammlung, bei der die Naturschutzgebiete abgelehnt wurden, bestätigt Seilbahnvorstand Hannes Parth. Grundsätzlich geht den Isch­glern, allen voran den Bergbahnen, eine derartige Unterschutzstellung zu weit.

Der Landesumweltanwaltschaft, die inzwischen ihre Stellungnahme abgegeben hat, geht sie hingegen nicht weit genug. Sie kritisieren vor allem die Grenzziehungen der geplanten Schutzzonen, die dort für die seltene alpine Flora eingerichtet werden sollen. Bedroht sind dort Artengemeinschaften von Seggen und Binsen. Insbesondere die Vorkommen des Juncus arcticus, der arktischen Binse, seien die individuenreichsten in ganz Österreich und für die gesamten Ostalpen von besonderer Bedeutung.

Es sei notwendig, in beiden Tälern jeweils einen möglichst großen, unbedingt zusammenhängenden Lebensraum für diese alpinen Pionierformationen auszuweisen. Stattdessen werden nur einzelne Flächen unter Schutz gestellt. Es bräuchte einen Zusammenschluss inklusive Pufferzone, um einen Fortbestand zu sichern. Auch seien gar nicht alle Bestände durch den Schutzgebietsvorschlag erfasst worden. „Ein Vorkommen wurde schlichtweg mit der Grenzlinie der neuen Skipiste beschnitten“, stellte das Team rund um Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer fest. Das widerspreche klar den Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien.

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Zudem fordert die Landesumweltanwaltschaft ein dezidiertes Weideverbot auf den Flächen.

Jährlich würden über 800 Stück Vieh aufgetrieben, betont der Ischgler Bürgermeister Werner Kurz. Das sei seit Jahrhunderten kein Problem für die Pflanzen. „Das Schutzgebiet ist nicht nachvollziehbar, vor allem so nah am Skigebiet.“ Es schränke das künftige Entwicklungspotenzial ein. Kurz hofft derzeit, dass die negativen Stellungnahmen – von Agrar und Gemeinde – eine Wirkung bekommen. Auch Seilbahnvorstand Parth hat „keine Freude damit“. Aufgrund der Nähe zur Piste und zur Seilbahn befürchtet er in Zukunft, dass zusätzliche Naturverträglichkeitsprüfungen die Entwicklung hemmen könnten. „Skifahren ist unsere Lebensgrundlage.“


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