KHM als Begegnungszone von „Abendland und Halbmond“

Wien (APA) - Einen Rundgang zu Werken, die Spannungsfeld und Einflüsse von Osmanischem Reich und dem „Europa“ der Renaissance beleuchten, bi...

Wien (APA) - Einen Rundgang zu Werken, die Spannungsfeld und Einflüsse von Osmanischem Reich und dem „Europa“ der Renaissance beleuchten, bietet das Kunsthistorische Museum (KHM) in Wien. Die ab Dienstag zugängliche Ausstellung „Abendland und Halbmond. Der osmanische Orient in der Kunst der Renaissance“ ergänzt als Teil eines EU-Projektes die im Brüsseler Museum BOZAR laufenden Schau „The Sultan‘s World“.

Das KHM hat für das Projekt Werke nach Brüssel verliehen - „The Sultan‘s World“ übersiedelt übrigens im Sommer in das Muzeum Narodowe im polnischen Krakau. Jene Werke des KHM, die nicht reisen können oder sollen, aber einen sehr direkten Bezug zur Schau haben, sind nun bis 26. Oktober im eigenen Haus per Spezialrundgang zu erleben. Für „Abendland und Halbmond“ wurde erstmals sowohl Ausstellungskatalog als auch Audio-Guide dreisprachig konzipiert: in Deutsch, Englisch und Türkisch.

Der Rundgang bietet 40 ausgewählte Gemälde, Medaillen und Kunstobjekte wie prunkvolle Automaten, Bronzereliefs und Rüstungen der Renaissancezeit, in denen sich beispielhaft die Beziehungen des mittel- und osteuropäischen Abendlandes zum überwiegend islamisch geprägten Osten widerspiegeln - und führt quer durch das Reich des KHM: von der Gemäldegalerie in die Kunstkammer und ins Münzkabinett, zudem in die Hofjagd- und Rüstkammer der Neuen Burg; und nicht zuletzt sind die Sammlungen auf Schloss Ambras in Innsbruck Teil der Schau.

Bezüge zu aktuellen Spannungen der „westlichen Welt“ und islamistischer Tendenzen (Stichwort IS) herzustellen, sei nicht intendiert gewesen, erläuterte Kurator Guido Messling bei der Presseführung am Montag. „Das ist an sich ein Zufall, die Ausstellung wurde ja lange Jahre geplant. Aber wir alle haben heute Vorurteile im Kopf, wie sie die Leute damals in der Renaissance auch hatten“. KHM-Direktorin Sabine Haag verwies darauf, dass derzeit in Österreich rund 270.000 türkische bzw. türkisch-stämmige Staatsbürger leben, diese verfügten „über ein reiches kulturelles Erbe“.

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Die in „Abendland und Halbmond“ inkludierten Werke zeigen denn auch sehr deutlich das Spannungsfeld auf, wie es sich vor allem zwischen der Habsburger-Monarchie und dem Osmanischen Reich vor rund 500 Jahren darbot: ein prächtiges, aber plump-propagandistisches Relief von Adrian de Vries aus 1606 zur Bejubelung der Schlachtensiege von Kaiser Rudolf II. beim „Türkenkrieg“ in Ungarn auf der einen, zahlreiche osmanische Einflüsse bzw. Zitate auf der anderen Seite, dokumentiert etwa in Tizians erst kürzlich restauriertem Gemälde „Ecce Homo“ aus dem Jahr 1543. Besonders prachtvoll: eine Automatenuhr mit reitendem Pascha, wohl aus Augsburg um 1580/90, wie sie damals u.a. als „Teilzahlung“ zur einjährigen Verlängerung des Friedens zwischen den Habsburgern und der „Hohen Pforte“ (dem Sitz der osmanischen Regierung) geleistet wurde.

(S E R V I C E - „Abendland und Halbmond. Der osmanische Orient in der Kunst der Renaissance“, 5. Mai bis 26. Oktober 2015 im KHM, Dienstag - Sonntag 10.00 - 18.00, Donnerstag bis 21.00 Uhr, www.khm.at)


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