Andreas Dorau hat „Ärger mit der Unsterblichkeit“

Wien (APA) - Andreas Dorau, dem die Musikwelt weit mehr zu verdanken hat als den NDW-Klassiker „Fred vom Jupiter“, ist unter die Literaten g...

Wien (APA) - Andreas Dorau, dem die Musikwelt weit mehr zu verdanken hat als den NDW-Klassiker „Fred vom Jupiter“, ist unter die Literaten gegangen. „Ärger mit der Unsterblichkeit“ nennt sich der Band, den er zusammen mit dem Element of Crime-Sänger und Schriftsteller Sven Regener geschrieben hat und in dem er „knapp und knackig Geschichten aus meinem Leben erzählt“, wie er im Gespräch mit der APA erläutert.

Dass Ende 2012 mehrere Verlage an den ewig jungen Pop-Charmeur und Chansonnier herantraten und sich erkundigten, ob er nicht Lust habe, ein Buch zu machen, nimmt nicht wunder. Einerseits liegt es im Trend, dass deutsche Musiker auf den Buchmarkt drängen, wie die Beispiele Sven Regener, PeterLicht oder Jochen Distelmeyer belegen. Andererseits waren bei Andreas Dorau die oft naiv-dadaistisch wirkenden Texte, die eine gewisse Sogwirkung entfalten und bei genauerem Hinhören oft einen doppelten Boden entwickeln, immer schon zentraler Bestandteil seiner Musik und machen den besonderen Reiz seiner Platten aus.

„Zum Glück haben die mich nicht gefragt, ob ich einen Roman schreiben möchte. Das hätte ich abgelehnt. Ich hätte kein Thema. Das wäre ein Stein, an dem ich mich verheben würde“, erinnert sich der mittlerweile 51-Jährige an seine ersten Kontakte mit der Literaturszene. Er ließ sich dazu bewegen, es mit Kurzgeschichten zu versuchen. Weil er nicht weiterkam, zog er einen befreundeten Journalisten hinzu, den allerdings eine Lungenembolie außer Gefecht setzte: „Damit war das Buchprojekt erst einmal auf tragische Weise erledigt.“

Es war Sven Regener, der im April 2013 die literarischen Ambitionen Doraus wieder zum Leben erweckte und ihn überzeugte, statt fiktiven Geschichten sein eigenes Leben zu erzählen. Die beiden, die sich seit Jahrzehnten kennen, trafen sich regelmäßig für jeweils zwei bis drei Tage, und während Andreas Dorau auf einem Holzstuhl Platz nahm und in seinen Erinnerungen kramte („Holzstuhl ist ganz wichtig. Wegen der Konzentration. Es kann kein zu weiches Sitzmöbel sein. Weiche Sitzmöbel vermitteln mir das Gefühl der Faulheit“), tippte sein Kompagnon das Gehörte in den Computer. Die „Dorau-Protokolle“, wie die Sammlung zunächst heißen sollte, wurden am Ende von Sven Regener noch einmal redigiert und in die finale Form gebracht.

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Herausgekommen sind leicht lesbare, kurzweilige Miniaturen im Dorau-Sound, die durchaus entlarvende Einblicke in die Musikindustrie gewähren, in der bis weit in die 1990er-Jahre hinein das Geld mit vollen Händen ausgegeben wurde, ehe das Internet der Musikindustrie in ökonomischer Hinsicht an die Gurgel ging. Dorau blickt auf seinen Werdegang zurück, rechnet mit der Neuen Deutschen Welle ab („Die Schlagergeister, die wir ironisch gerufen hatten, wurden zu einem Horror-Mainstream, das lustige Verkleiden wurde Pflicht für jeden Dorfmusikanten, verschlimmert noch durch exzessives Schminken und androgynes Kajalgespacke“), vergegenwärtigt sich Auftritte, die ihn bis nach Japan und für zwei Abende nach New York führten („Beide Konzerte waren rauschende Erfolge, ich hatte sehr kurzen Sex mit einem richtigen Groupie und ein sehr langes Gespräch mit dem richtigen Cowboy von den Village People“), und beschreibt, wie er mit Benjamin Stuckrad-Barre einen Hinkelstein aus dem Fenster warf oder eines Abends in einem Club einen Aschenbecher mitgehen ließ, in dem Bryan Ferry zuvor seine Zigaretten ausgedämpft hatte.

Ob er beim Schreiben bleiben will? „Nein. Ich weiß nicht mal, ob ich mich Autor nennen soll. Als Nächstes mach ich mal wieder eine Platte.“

(S E R V I C E - Andreas Dorau & Sven Regener: „Ärger mit der Unsterblichkeit“, Verlag Galiani Berlin, 192 S., 17,50 Euro, ab 11. Mai im Handel erhältlich)


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